MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Welt ist im ersten Halbjahr im Vergleich zu früheren Jahren von den ganz großen Naturkatastrophen weitgehend verschont geblieben. Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen und andere Ereignisse richteten nach Angaben der Versicherungsbranche im ersten Halbjahr geringere Schäden an als in den vergangenen Jahren. Doch das ist nach Einschätzung des Rückversicherers Munich Re (Munich Re Aktie) wie bereits 2025 hauptsächlich Zufall, keine Entwarnung vor den Folgen steigender Temperaturen auf dem Planeten.
Für dich zusammengefasst:
Weltweite Gesamtschäden im ersten Halbjahr: 112 Milliarden Dollar.
Zerstörerischste Katastrophe: Doppel-Erdbeben in Venezuela.
2026 und 2027 könnten besonders warme Jahre werden.
Der Münchner Dax-Konzern bezifferte die von Anfang Januar bis Ende Juni verursachten weltweiten Gesamtschäden auf etwa 112 Milliarden Dollar (Dollarkurs) (97,8 Mrd Euro), davon nur 44 Milliarden Dollar versichert. Das lag deutlich unter dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre von 66 Milliarden Dollar versicherter Schäden. Die jüngsten Taifune in Ostasien und die Waldbrände im Süden Europas fallen allerdings nicht mehr in das erste Halbjahr und tauchen daher in der Schadenbilanz noch nicht auf.
Viele Unwetter in den USA mit vergleichsweise geringen Schäden
"Es waren eher günstige Umstände, die dazu geführt haben, dass nicht höhere Schäden verursacht wurden", sagte Tobias Grimm, der Chef-Geowissenschaftler des Münchner Dax-Konzerns. Die Hälfte der versicherten Schäden entfiel allein auf schwere Unwetter in den USA, wo quasi traditionell hohe Schäden anfallen. "Wir hatten teilweise deutlich mehr solch schwerer Unwetterzellen, es gab auch deutlich überdurchschnittlich viele Tornados", sagte Grimm. "Aber diese trafen Gebiete, in denen es wenig versicherte Werte und damit geringe Sachschäden gab."
Zerstörerischste Naturkatastrophe des ersten Halbjahres war das Doppel-Erdbeben in Venezuela am 24. Juni mit mehreren tausend Toten. Nach ersten Schätzungen könnte sich der Gesamtschaden auf etwa 30 Milliarden Dollar summieren, davon aber weniger als einer Milliarde versichert.
Die Munich Re beobachtet und dokumentiert seit den 1970er Jahren die globalen Naturkatastrophen, um die von Stürmen, Überschwemmungen, Erdbeben und anderen Risiken verursachten Risiken berechnen zu können.
Besorgniserregende Hitze in Europa und auch Nordamerika
"Das stärkste Klimasignal im ersten Halbjahr war extreme Hitze", sagt Wissenschaftler Grimm. Bei Hitzewellen ist der Zusammenhang zum Klimawandel demnach sehr gut belegt. Demnach gab es in Deutschland in den 1950er Jahren im Schnitt jährlich drei bis vier Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad. "Heute sind wir im Schnitt bei etwa 13 Hitzetagen pro Jahr."
Hitze sei eine "stille Gefahr, weil sie nicht so sichtbar ist und keine Bilder enormer Zerstörung hinterlässt", sagt der Geograf und Meteorologe. "Aber die Auswirkungen sind nicht minder schlimm als bei anderen Wetterereignissen." Schäden entstehen demnach durch sinkende Produktivität und Produktionsausfälle, aber auch durch Infrastrukturschäden, Transportunterbrechungen und Ernteausfälle.
Europa ist von der Erwärmung besonders getroffen. Die weltweiten Durchschnittstemperaturen sind den Wetterdaten zufolge heute im Schnitt 1,4 Grad höher als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. "In Deutschland und Europa ist es im Schnitt etwa 3 Grad wärmer geworden", sagt Grimm. Ursache des Phänomens ist die relativ nördliche Lage des Kontinents, die bis in die Arktis hinaufreicht. "Die polaren Regionen erwärmen sich deutlich schneller und stärker als äquatoriale Regionen in den Tropen."
2026 und 2027 werden wahrscheinlich "besonders warm"
Dass 2026 kühler werden könnte, ist nach Einschätzung des Wissenschaftlers nicht zu erwarten. "Es gibt viele Anzeichen dafür, dass 2026 und vor allem das nächste Jahr besonders warme Jahre sein werden." Das liegt unter anderem an "El Niño", der zyklischen Erwärmung der Meerestemperaturen im Pazifik.
Unter anderem drohen in Australien, Mittelamerika und im Südwesten Afrikas vermehrte Trockenheit und Waldbrände. Im Nordatlantik könnte es zwar weniger Hurrikane geben, doch dafür höhere Taifun-Aktivität im Nordpazifik.
"Im Pazifik formieren sich die Taifune während El-Niño-Jahren etwas häufiger weiter östlich, im zentralen Pazifik", sagte Grimm. Daher legen die Wirbelstürme einen längeren Weg zurück und können Japan und Korea häufiger erreichen./cho/DP/mis
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