Gegen jede Regel: Warum Analysten jetzt ihre Gewinnprognosen anheben
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.
Normalerweise kappen Analysten im Quartal ihre Gewinnprognosen. Diesmal heben sie sie trotz Krieg und Ölpreis bei 100 US-Dollar an. Die Wall Street peilt 8.000 Punkte an. Doch nicht alle spielen mit.
Für dich zusammengefasst:
Analysten heben ihre Gewinnprognosen für S&P 500 an.
Der erwartete Gewinn je Aktie steigt um 1,4 Prozent.
Für 2026 wird eine Gewinnschätzung von 361,66 US-Dollar erwartet.
Teures Öl und Gas schrecken die Analysten nicht. Ihre Gewinnschätzungen für die Unternehmen im S&P 500 haben sie im dritten Quartal sogar angehoben. Zwischen dem 30. Juni und dem 30. September stieg der erwartete Gewinn je Aktie laut FactSet um 1,4 Prozent auf 89,84 US-Dollar.
Das ist ungewöhnlich. Normalerweise stutzen Analysten ihre Prognosen im Laufe eines Quartals. Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre lag das Minus bei 2,2 Prozent, über 20 Jahre sogar bei 4,2 Prozent. Schon zum zweiten Mal in Folge zeigt der Trend nun nach oben.
Den größten Schub erhielt der Energiesektor mit einem Plus von 18 Prozent, gefolgt von der Informationstechnologie mit 3,5 Prozent. Acht von elf Sektoren mussten dagegen Kürzungen hinnehmen. Am härtesten traf es Rohstoffwerte mit minus 10,2 Prozent. Basiskonsumgüter und Gesundheitswesen folgten mit minus 4,0 und minus 3,3 Prozent.
Auch für das Gesamtjahr 2026 werden die Analysten mutiger. Ihre Gewinnschätzung kletterte um 6,2 Prozent auf 361,66 US-Dollar je Aktie. Am stärksten fiel das Plus bei Kommunikationsdiensten mit 21 Prozent und zyklischen Konsumgütern mit 18,1 Prozent aus.
Für das dritte Quartal erwartet FactSet nun ein Gewinnwachstum von 29,5 Prozent. Teuer ist der Markt trotzdem nicht: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei 19 und damit unter dem Fünfjahresschnitt von 19,8.
Die Rekordjagd dürfte deshalb weitergehen, glauben die großen Wertpapierhäuser laut einer Reuters-Übersicht. Künstliche Intelligenz und starke Gewinne sollen die Folgen des Kriegs im Iran aufwiegen.
Die meisten Häuser sehen den S&P 500 zum Jahresende bei 8.000 Punkten, darunter Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley und Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie). Noch optimistischer sind Citigroup, HSBC, Oppenheimer und UBS mit 8.100 Punkten, knapp vier Prozent über dem aktuellen Stand.
Am vorsichtigsten bleibt die Bank of America mit 7.400 Punkten, rund fünf Prozent unter dem Rekord. Canaccord Genuity und BNP Paribas (BNP Paribas Aktie) rechnen mit 7.500, Wells Fargo mit 7.700 Punkten.
Fazit
Steigende Gewinnschätzungen geben der Rallye Substanz. Die Bewertung bleibt moderat. Hohe Ölpreise und der Krieg im Iran bleiben jedoch Störfeuer. Enttäuschen die ersten Quartalszahlen, wird der Weg zu 8.000 Punkten holprig. Den ersten Härtetest liefern JPMorgan und Goldman Sachs mit ihren Quartalszahlen am 13. Oktober.
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