Detroit sucht neue Antworten auf den Wandel der Elektromobilität. Der US-Autokonzern Ford befindet sich nach Informationen des Wall Street Journal in Gesprächen mit dem chinesischen Autobauer BYD über den Kauf von Batterien für Hybridfahrzeuge. Die Verhandlungen sind demnach noch offen, Details zur Ausgestaltung der möglichen Kooperation werden derzeit geprüft.
Ford bestätigte die Gespräche in allgemeiner Form. "Wir sprechen mit vielen Unternehmen über viele Themen", erklärte ein Unternehmenssprecher. BYD äußerte sich bislang nicht zu dem Bericht. Ob es zu einer Einigung kommt, ist offen.
Rückzug aus dem E-Auto-Tempo
Die Gespräche fallen in eine Phase strategischer Neujustierung. Ford kämpft mit einer nachlassenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und hat angekündigt, sich stärker auf Hybridmodelle und klassische Verbrenner zu konzentrieren. Erst im vergangenen Monat stellte der Konzern Belastungen von rund 19,5 Milliarden US-Dollar in Aussicht, vor allem im Zusammenhang mit seinem verlustreichen Elektrogeschäft.
Bis 2030 will Ford zwar weiterhin rund die Hälfte seines weltweiten Absatzes mit elektrifizierten Fahrzeugen erzielen, der Schwerpunkt verschiebt sich jedoch klar in Richtung Hybrid- und Plug-in-Hybridmodelle. Dafür benötigt der Konzern große Mengen geeigneter Batterien – möglichst kostengünstig und technologisch ausgereift.
BYD als Problemlöser
Ein möglicher Deal mit BYD würde Ford Zugang zu genau dieser Kombination verschaffen. Der chinesische Konzern gilt nicht nur als weltweit größter Hersteller von Elektrofahrzeugen, sondern auch als einer der führenden Batterieproduzenten. Ursprünglich als Batterieunternehmen gestartet, beliefert BYD seit Jahren auch Hybridmodelle mit eigenen Zelltechnologien.
Laut Schätzungen von Bernstein Research stiegen BYDs Batterieauslieferungen im vergangenen Jahr um 47 Prozent auf 286 Gigawattstunden. Zwar produziert BYD den Großteil seiner Batterien in China, baut seine Kapazitäten jedoch weltweit aus, unter anderem in Europa, Südostasien und Brasilien.
Politisch sensibles Umfeld
In den USA wäre eine direkte Lieferung von Pkw-Batterien politisch heikel. BYD betreibt zwar ein Buswerk in Kalifornien, stellt dort jedoch keine Batterien für Pkw her. Insider berichten, dass Ford prüft, Batterien für bestimmte Hybridmodelle in Werken außerhalb der USA zu beziehen.
Parallel dazu errichtet Ford im Bundesstaat Michigan ein eigenes Batteriewerk, in dem Zellen mit Technologie des chinesischen Herstellers CATL produziert werden sollen. Dieses Projekt hatte bereits Kritik von republikanischen Abgeordneten ausgelöst und Untersuchungen nach sich gezogen.
Wettbewerb mit China rückt näher
Die Gespräche mit BYD unterstreichen den wachsenden Druck auf die US-Autoindustrie. Amerikanische Automanager warnen seit Monaten vor der Konkurrenz aus China, die mit günstigen Preisen und hoher technologischer Integration Marktanteile gewinnt. Ford selbst bezeichnete seinen geplanten neuen Elektro-Pick-up als direkte Antwort auf chinesische Anbieter.
Sollte es zu einer Zusammenarbeit kommen, würde Ford ausgerechnet mit jenem Konzern kooperieren, der in den USA als größte Bedrohung für heimische Autobauer gilt. Strategisch könnte der Schritt dennoch sinnvoll sein: Für Ford geht es kurzfristig weniger um geopolitische Signalwirkung als um die Sicherung wettbewerbsfähiger Batterietechnologie.
Fazit: BYD mit strukturellem Wachstumsvorteil, Ford bleibt defensiv
Der Vergleich zwischen Ford und BYD zeigt zwei sehr unterschiedliche Investmentprofile. Während Ford aktuell vor allem für Stabilität und Substanz steht, verkörpert BYD das strukturelle Wachstum der globalen Elektromobilität.
Ford befindet sich mitten in einer strategischen Neuausrichtung. Nach hohen Verlusten im reinen Elektrogeschäft verlagert der Konzern den Fokus auf Hybridmodelle und margenstärkere Verbrenner. Gespräche mit Batteriepartnern wie BYD unterstreichen diesen pragmatischen Kurs. Für Anleger bedeutet das: Ford bietet ein defensiveres Profil mit vergleichsweise geringer Bewertung, stabilen Cashflows und Dividendencharakter. Das Kurspotenzial bleibt jedoch begrenzt, da Wachstum und technologische Führungsrolle derzeit nicht im Vordergrund stehen.
BYD hingegen profitiert von mehreren strukturellen Trends gleichzeitig. Der Konzern ist nicht nur einer der größten Automobilhersteller der Welt, sondern auch ein führender Batterieproduzent mit vertikal integrierter Wertschöpfung. Steigende Batterieauslieferungen, internationale Expansion und technologische Kostenvorteile verschaffen BYD eine starke Wettbewerbsposition. Das Wachstum ist hoch, die Visibilität ebenfalls – allerdings um den Preis höherer Volatilität und politischer Risiken.
Aus Sicht langfristig orientierter Anleger erscheint BYD damit aussichtsreicher. Das Unternehmen wächst schneller, besetzt Schlüsseltechnologien und gewinnt weltweit Marktanteile. Ford bleibt eine interessante Turnaround- und Value-Story, vor allem für risikobewusste Investoren mit Fokus auf Stabilität.
Redaktion Ariva/MW