EU-Kommission will Klimazertifikate großzügiger ausgeben
BRÜSSEL (dpa-AFX) - Die EU-Kommission will Klimazertifikate an die Industrie großzügiger als bislang geplant herausgeben. Neuen Vorschlägen der EU-Kommission zufolge sollen Unternehmen weiterhin kostenlose Zertifikate für durchschnittlich etwa 75 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen bekommen, wie die Brüsseler Behörde mitteilte.
Daneben soll eine neue Berechnungsmethode dafür sorgen, dass von 2026 bis 2030 in bestimmten Bereichen auch indirekte Emissionen aus dem Stromverbrauch berücksichtigt werden, hieß es von der Kommission weiter. Das bringe der Industrie in dem Zeitraum Vorteile in Höhe von etwa vier Milliarden Euro, so die Kommission.
Der Verband der Chemischen Industrie kritisierte weiterhin bestehende methodische Schwächen und Unklarheiten - "auch wenn die ursprünglich geplanten Verschärfungen leicht abgemildert wurden".
Das EU-Treibhausgashandelssystem (Emission Trading System, ETS) ist ein wichtiges Klimaschutzinstrument der Europäischen Union. Es wurde 2005 eingerichtet, um Treibhausgasemissionen zu verringern. Bestimmte Unternehmen müssen dabei Zertifikate für den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) erwerben. Die Menge der verfügbaren Zertifikate sinkt kontinuierlich, wodurch die Zertifikate teurer werden und sich Klimaschutzinvestitionen eher lohnen. Dies soll besonders in energieintensiven Sektoren als Anreiz dienen, Treibhausgase einzusparen.
Die Kommissionsvorschläge werden nun öffentlich und mit den Mitgliedsstaaten diskutiert. Wegen der Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit Europas wird das System von einigen EU-Ländern zunehmend kritisiert. Deutschland hatte sich zuletzt für Anpassungen bei der Festlegung ausgesprochen, wie viele kostenlose Zertifikate Industrieanlagen bekommen können. Im Sommer will die Kommission eine größere Überprüfung des Handelssystems vorlegen./rdz/DP/jha
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