Der Wettlauf um den lukrativen Markt für Abnehmmedikamente geht in die nächste Runde. Die US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration hat der GLP-1-Pille von Eli Lilly die Zulassung erteilt – ein strategischer Durchbruch für den Konzern.
Das Medikament mit dem Namen Foundayo soll bereits ab Montag über die Plattform LillyDirect ausgeliefert werden und kurz darauf auch in Apotheken sowie über Telemedizinangebote verfügbar sein.
Neue Ära: Abnehmen ohne Spritze
Der entscheidende Unterschied: Foundayo ist eine Tablette. Während bisherige Blockbuster wie Zepbound oder Wegovy gespritzt werden müssen, setzt Lilly nun auf eine einfachere Anwendung.
CEO Dave Ricks spricht von einem "bedeutenden Moment". Die Pille sei zwar nicht zwingend wirksamer, aber deutlich leichter in den Alltag zu integrieren. Ein entscheidender Faktor für die breite Marktdurchdringung.
Preisoffensive öffnet den Massenmarkt
Auch beim Preis geht Lilly in die Offensive. Versicherte zahlen mit Rabattprogrammen rund 25 US-Dollar monatlich und Selbstzahler je nach Dosierung zwischen 149 und 349 US-Dollar. Damit zielt der Konzern bewusst auf eine breitere Patientengruppe ab – insbesondere auf Menschen, die bisher vor Injektionen zurückschrecken oder günstigere Alternativen suchen.
Milliardenmarkt im Visier
Analysten erwarten laut FactSet, dass Foundayo bis 2030 rund 14,8 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielen könnte. Zum Vergleich: Für Zepbound werden etwa 24,7 Milliarden US-Dollar prognostiziert, während Mounjaro sogar auf fast 45 Milliarden US-Dollar kommen könnte.
Der Markt für Adipositas-Medikamente entwickelt sich damit zu einem der größten Wachstumstreiber der Pharmaindustrie.
Direkter Angriff auf Novo Nordisk
Mit der Zulassung tritt Lilly in direkten Wettbewerb mit Novo Nordisk, das erst vor wenigen Monaten eine eigene Wegovy-Pille auf den Markt gebracht hat.
Die Unterschiede liegen im Detail: Während die Wegovy-Pille in Studien einen Gewichtsverlust von rund 16,6 Prozent zeigte, kommt Foundayo auf etwa 12,4 Prozent. Dafür punktet Lilly mit einer flexibleren Einnahme – ohne strenge Vorgaben wie Nüchternheit am Morgen.
Novo-CEO Mike Doustdar sieht die Entwicklung dennoch positiv: Die Pille erweitere den Markt, statt nur bestehende Patienten umzuschichten.
Skalierung als entscheidender Vorteil
Ein zentraler Vorteil von Foundayo liegt in der Produktion. Anders als Peptid-basierte Medikamente handelt es sich um ein kleines Molekül, das einfacher herzustellen ist. Das bedeutet: weniger Engpässe, geringere Kosten und schnellere globale Verfügbarkeit.
Lilly hat seit 2020 mehr als 55 Milliarden Dollar (Dollarkurs) in Produktionskapazitäten investiert und plant die Zulassung in über 40 Ländern innerhalb eines Jahres.
Strategie: Die ganze Welt als Markt
Die Vision ist klar: Lilly will den Zugang zu Abnehmmedikamenten massiv ausweiten. Foundayo könnte nicht nur neue Patienten gewinnen, sondern auch eine Rolle in der Gewichtserhaltung spielen – etwa nach erfolgreicher Therapie mit Injektionen.
Zudem zielt das Unternehmen gezielt auf Regionen mit begrenzter Kühlketten-Infrastruktur, in denen Tabletten deutlich einfacher zu vertreiben sind.
Aktie unter Druck – Hoffnung auf Wende
Trotz der strategischen Fortschritte steht die Aktie von Eli Lilly unter Druck und hat seit Jahresbeginn rund 10 Prozent verloren. Analysten sehen jedoch Potenzial: Ein erfolgreicher Marktstart von Foundayo könnte die Trendwende einleiten. Entscheidend werden die Verschreibungszahlen in den kommenden Monaten sein.
Gleichzeitig richtet sich der Blick auf das nächste potenzielle Blockbuster-Medikament: Retatrutid. Ein experimenteller Wirkstoff, der als dreifacher Hormonrezeptor-Agonist fungiert und gleichzeitig die Rezeptoren für GLP-1, GIP und Glukagon anspricht.
Diese von Eli Lilly entwickelte "Triple-G"-Therapie wird primär zur Behandlung von Adipositas, Typ-2-Diabetes und Fettlebererkrankungen untersucht. Durch die Kombination dieser drei Signalwege zielt das Medikament darauf ab, das Sättigungsgefühl zu verstärken, den Blutzuckerspiegel zu regulieren und gleichzeitig den Energieverbrauch des Körpers zu erhöhen, was über die Wirkung bisheriger dualer Agonisten hinausgeht.
Sollte das Medikament die Erwartungen erfüllen, könnte Lilly seine Führungsrolle im Adipositas-Markt weiter ausbauen.
Fazit:
Mit der GLP-1-Pille beginnt eine neue Phase im Milliardenmarkt für Abnehmmedikamente. Eli Lilly setzt auf Zugänglichkeit, Skalierung und Preis – und fordert damit Novo Nordisk frontal heraus.
Für Anleger wird entscheidend sein, ob die Pille tatsächlich neue Patientengruppen erschließt. Gelingt das, könnte der nächste Wachstumsschub bereits begonnen haben.
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Redaktion Ariva/MW