FRANKFURT/ROSBACH VOR DER HÖHE (dpa-AFX) - Der Umweltverband BUND fürchtet einen zunehmenden Flächenfraß durch weitere Rechenzentren in Hessen. Neben dem Verlust von wertvollem Ackerland könnten solche Ansiedlungen auch gefährdete Tierarten weiter zurückdrängen, sagte Werner Neumann, Vorstandsmitglied im BUND-Landesverband Hessen, der Deutschen Presse-Agentur. Probleme seien zudem ein hoher Wasserverbrauch für die Kühlung der Server und der immense Strombedarf der Rechenzentren, der den Ausbau von Stromtrassen nach sich ziehe.
Für dich zusammengefasst:
BUND fürchtet Flächenfraß durch Rechenzentren in Hessen.
Rechenzentren könnten Ackerland und Tierarten gefährden.
Über 3.000 Megawatt Leistung der deutschen Rechenzentren erwartet.
Einigen der Investoren warf Neumann eine "Landnahme" vor. "Sie besetzen den Platz und kümmern sich nicht um örtliche Verhältnisse, werfen den Bürgermeistern das Geld hinterher und sagen: "Wir bestimmen, was hier gemacht werden soll."" Bei manchen Projekten sei anfangs weder klar, woher der Strom kommen noch wie die riesige Abwärme-Menge genutzt werden solle - und trotzdem bekämen Investoren grünes Licht aus den Kommunen. Um für geordnete Planungsprozesse zu sorgen, sei es nötig, Rechenzentren in die regionale Raumordnungsplanung aufzunehmen.
An diesem Donnerstag (28. Mai) soll es beim Gigabit-Gipfel des hessischen Digitalministeriums um den Ausbau der digitalen Infrastruktur und auch um Rechenzentren gehen. Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) erklärte, Rechenzentren seien "eine wesentliche Grundlage für Innovation, Wertschöpfung und die Arbeitsplätze von morgen". Ihre Ansiedlung sei für Kommunen mit komplexen Fragestellungen verbunden, "etwa hinsichtlich Flächenverfügbarkeit, Energieversorgung und Nachhaltigkeit".
Ein Leitfaden zur nachhaltigen Ansiedlung von Rechenzentren sowie das Rechenzentrumsbüro als zentrale Beratungsstelle solle Kommunen fundierte Entscheidungen ermöglichen und dazu beitragen, den Standort Hessen weiterzuentwickeln. Es sei zu begrüßen, wenn Unternehmen ihre Planungen weiterentwickeln "und dabei Hinweise aus Kommunen und Bürgerschaft aufnehmen", so Sinemus. "Ein transparenter Austausch vor Ort ist aus unserer Sicht entscheidend, um tragfähige Lösungen im beiderseitigen Interesse zu entwickeln."
Nach Einschätzung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) wird in diesem Jahr die Leistung aller deutschen Rechenzentren erstmals 3.000 Megawatt überschreiten, davon befindet sich laut Ministerium mehr als ein Drittel im Großraum Frankfurt. In Hessens größter Stadt befindet sich auch einer der weltweit größten Internetknoten. Der weitere Ausbau von Rechenzentren stößt allerdings an Grenzen, da es Probleme mit der Stromkapazität gibt - dadurch rücken Standorte im Frankfurter Umland verstärkt in den Fokus./csc/DP/zb
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