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Energiewende: Wettlauf zwischen Meer und Land
Windkraft: Der Wind weht vor den deutschen Küsten nicht nur stärker, sondern seit einiger Zeit auch deutlich unangenehmer für die Investoren und Planer der Windparks. Herstellern, die bislang vorwiegend oder gar ausschließlich auf Onshore gesetzt haben, bringen die Probleme auf See hingegen zusätzlichen Aufwind.
VDI nachrichten, Berlin, 7. 9. 12, swe
Auszug:
Diese Entwicklung ist Wind auf den Mühlen von Enercon. Deutschlands Nummer eins bei Onshore-Windanlagen mit derzeit rund 13 GW installierter Turbinenleistung will auch künftig festen Boden unter den Fundamenten finden und sieht bislang hier auch kaum Wachstumsgrenzen. „Wir haben praktisch überall in Deutschland noch viel Potenzial bei den Flächen, nicht nur in Nordrhein-Westfalen oder im Süden, wo bislang die Windenergie noch wenig ausgebaut ist“, so Hans-Dieter Kettwig, Geschäftsführer des in Aurich ansässigen Windkraftspezialisten.
Große Potenziale sieht Kettwig aber nicht nur an neuen und alten Standorten, die zum Teil schon seit Langem genehmigt sind, sondern vor allem in einer höheren Ausbeute moderner Anlagen. Beim jetzt erst beginnenden Repowering könnten Altgeräte mit oft lediglich 500 kW Leistung durch die modernen E 115 oder gar E 126 ersetzt werden. Diese neuen Windräder haben jedoch nicht nur zwischen 2,5 MW und 7,6 MW installierte Leistung, sie nutzen auch durch höhere Nabenhöhen und die größeren Rotordurchmesser den Wind wesentlich besser aus.
Laut Kettwig lassen sich die Jahreserträge heute gegenüber 17 Jahre alten Anlagen mehr als verzehnfachen. Dazu kommen Optimierungen an den Flügelgeometrien, etwa die Winglet-Spitzen, einzeln verstellbare Blätter oder zusätzliche, verstellbare Flächen am Flügelblattansatz. Entscheidend sei heute nicht mehr allein die installierte Leistung, sondern die Gesamtverfügbarkeit und die Anpassung an die konkrete Windsituation am Standort.
Das bestätigt Mitbewerber Vestas, bislang ebenfalls vor allem onshore unterwegs – jedoch eher unfreiwillig, weil die für das Meer vorgesehene neue Anlage noch nicht am Markt verfügbar ist. Vestas will an Land künftig Nabenhöhen von bis zu 160 m realisieren. Wolfgang J. Schmitz, Präsident Vestas Centraleurope, rechnet allein durch die höheren Türme mit rund 25 % bis 30 % mehr Ertrag. Dazu kommen die immer länger werdenden Rotorblätter, wobei ein um 10 % vergrößerter Rotor-Durchmesser den Gesamtertrag sogar um 20 % steigert.
Allerdings sind hier die Offshore-Projekte technisch noch etwas weiter: So haben die getriebelosen Windräder von Siemens (6 MW) nicht nur mit 6 MW eine doppelt so hohe Leistung wie die größten Onshore-Anlagen von Vestas, sie übertreffen auch mit Blattlängen von 75 m die Konkurrenz an Land deutlich.