Zinsgespenst schreckt Bullen


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Camenber:

Zinsgespenst schreckt Bullen

 
04.03.06 10:15
In den vergangenen Tagen zeigten sich die Finanzmärkte in all ihren Facetten stark verunsichert. Die Aktienbullen kamen nicht weiter und schließlich kam es zu den ersten „Verleidensverkäufen“, wie es in der Schweiz heißt. Dem folgten so viele andere Akteure so schnell nach, dass es am Dienstag dieser Woche zu heftigem Gedränge am Ausgang kam und die Kurse folglich strauchelten.

Anlass waren auch die beständig schwachen Makrodaten der jüngeren Vergangenheit, gegen die sich die Bullen eine zeitlang bemerkenswert gut stemmten. Eine zeitlang eben – und wie rasch die Kurse zusammenklappen können, das ist nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt.

Die Makrodaten in den USA formieren sich allmählich in eine Richtung: Die Konjunktur beginnt, sich abzukühlen . Eine wesentliche Rolle dabei spielt der Immobilienmarkt. Die Preisblase hier beginnt, Luft abzulassen und so werden die Extraprofite, die die A! merikaner aus Immobilientransaktionen und Umschuldungen ziehen, nun sinken und den Spielraum für weiteren exzessiven Konsum einengen.

Zu dieser Perspektive passt die Zinsstruktur in den USA . Bernanke, zu Unrecht immer wieder „Hubschrauber-Ben“ genannt, negierte kürzlich in seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Fed-Chef auf der politischen Bühne die Bedeutung der inversen Zinsstruktur am langen Ende und schrieb sie den TBond-Käufen ausländischer Zentralbanken zu, um den Dollar zu stützen.

Die ersten Anzeichen für ein Abkippen der Renditestruktur gab es kurz vor dem Jahreswechsel. Sie bezog sich auf den kurzfristigen Bereich und normalisierte sich in den ersten Tagen des neuen Jahres wieder. Mitte Februar kippte die Kurve jedoch am langen Ende ab und ist seitdem dort beständig invers. Parallel dazu stiegen die Zinsen am kurzen Ende an. Vor wenigen Tagen notierte die Rendite der „13-Week Treasury Bills“ zum erst! en Mal im laufenden Zinszyklus über dem Leitzinsniveau von 4,5 Prozent . Aktuell bewegt sie sich wieder abwärts und zeitlich synchron dazu beenden die langen Renditen offenbar ihre Seitwärts-, bzw. Abwärtsbewegung und steigen.

Dem entspricht ein massiver Abverkauf von TBonds gestern und eine deutliche Schwächung des Dollar zumindest gegen Euro. Nachdem der Greenback seit Ende Januar deutlich erstarkte, übersprang der Euro jetzt die wichtige Marke 1,20 gegenüber dem Dollar. Der letzte Schub kam hier wohl von Spekulationen über ein abnehmendes Zinsgefälle zwischen Bürokraten-, äh, Euroland und den USA. Ob das lange vorhält, darf bezweifelt werden, insbesondere angesichts des nächsten Zinstermins in den USA am 28. März. Für zusätzliche Verschiebungen im Währungsgefüge dürften auch Spekulationen über das Ende der Null-Zins-Politik in Japan sorgen.

Interessanterweise sieht die verbundene Zinsprognose (auf der Web-Seite der TimePattern offen zugänglich) die kurzen Zinsen im Vorfeld ! dieses Termins wieder steigen, während die Renditen am langen Ende ihren Scheitelpunkt erreichen und ihre Bemühungen, die inverse Struktur zu beheben, einstellen. Im April sollte die Zinsstruktur dann komplett zum langen Ende hin abkippen: Die kurzen Zinsen steigen, während die langen Renditen deutlich nachgeben. Ein Zeichen vielleicht auch für einen Blow-off im TBond.-Bereich.

Wie die jüngere Vergangenheit zeigt, gingen die Verwerfungen bei den Renditen nicht spurlos an den Aktienmärkten vorbei. Es scheint in diesem Segment doch tatsächlich Leute zugeben, die –anders als Bernanke- die Zeichen an der Wand nicht ignorieren oder sogar umdeuten. Eine inverse Zinsstruktur war in der Vergangenheit ein sicheres Zeichen für eine deutliche Abkühlung der Konjunktur, der in den meisten Fällen 12 bis 18 Monate später eine Rezession folgte.

Aktuell sieht es jedoch so aus, als könnten die Aktienbullen noch einmal Tritt fassen . De! r Abverkauf bei den TBonds dürfte auch zu Kapitalverlagerungen in die Aktiensegmente hinein führen. Schließlich sind nun wohl auch die wesentlichen unangenehmen Konjunkturnachrichten bekannt und damit „gegessen“. Hinzu kommt der günstige Begleitumstand eines schwächelnden Dollars, der in den vergangenen Jahren der mittlerweile überreifen Hausse häufig kräftige Kursschübe begleitete.

Das von mir als wahrscheinlichste Möglichkeit angesehene Szenario eines Blowoffs im Aktiengeschäft hat daher gute Chancen, nun in die zweite (und voraussichtlich letzte) Runde zu gehen, nachdem schon der Jahresanfang teilweise furiose Gewinne mit sich brachte. Ironie des Schicksals oder nicht: In den nächsten Tagen jährt sich der Starttermin der aktuellen Hausse zum dritten Mal.

Ein Blick auf das Indikatorengerüst zeigt zunehmende Risse. Der die Marktbreite messende kurzfristige Durchschnitt des TRIN dürfte sich bald abwärts und damit den Bären zu neigen. Der VIX kraucht in Gefilden unterhalb von 12 dahin und wird das nicht! mehr lange durchhalten. Bei der Positionierung in Index-Optionen dürfte bald eine obere Wende bestätigt werden, die ebenfalls ein recht zuverlässiges Zeichen für eine bärische Wende ist.

Quelle:timepatternanalysis.de

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