Volatilität dürfte ansteigen
"Dax-Korrektur verläuft normal"
Markttechnisch weist die aktuelle Lage im Dax auf eine fortgesetzte Korrektur hin, wobei der deutsche Leitindex vor einer wichtigen Entscheidung über die künftige Richtung steht.
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HB FRANKFURT. Das ist die Meinung von drei von der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires befragten technisch orientierten Analysten. Der Grundton ist aber positiv: Einen neuen Bärenmarkt erwartet kein Analyst, die Korrekturen werden als „normal“ für einen laufenden Bullenmarkt betrachtet.
Bei der Marktrichtung „steht die Entscheidung bevor“, sagt Klaus Deppermann von der BHF-ING-Bank. Nach fünfmonatiger Seitwärtsbewegung, geringer Volatilität und ausgetrocknetem Volumen hält er den Markt reif für eine klare Entscheidung. Die Richtung des Ausbruchs zeichne sich dagegen noch nicht ab: „Für beide Seiten gibt es gute Argumente“, sagt Deppermann.
Als beste Anlageentscheidung sieht er daher den Kauf von Volatilität. Sie würde bei einem Ausbruch unabhängig von der Richtung ansteigen. Für einen Ausbruch nach oben spreche die hohe Put-Call-Ratio und das damit implizierte negative Sentiment. Auch die Marktbreite stützt, sagt Deppermann. Auch die mehrfache Bestätigung der 200-Tage-Linie wertet er positiv.
Sollte der Markt die 4 040er-Marke überbieten, trete diese positive Szenario in Kraft, sagt der Analyst. Negativ wertet er dagegen den VDax und die beinahe tiefsten Volatilitäten in den vergangenen 8 Jahren. So etwas sei üblicherweise nur in der Nähe von Aktienmarkt-Tops zu beobachten, warnt Deppermann. Richtig Sorgen bereitet ihm jedoch die geringe Umsatztätigkeit. Sie ziehe nur an Tagen mit fallenden Kursen deutlich an, so etwa am Montag dieser Woche. Den endgültigen Auslöser für einen Abwärtsschub sieht der Analyst, falls mehrere solcher Tage aufeinander folgen sollten: „Ein einziger Ausreissertag erklärt die Situation noch nicht“.
Auch der Bruch von 3 845 Punkten im Dax würde das Negativ-Szenario auslösen. Die Chancen für einen Ausbruch nach oben sieht er bei 40%, die für den Weg nach unten bei 60%. Als Kursziel komme dann ein Dax rund um 3.417 Punkte infrage. Dort liege die 38%-Fibonacci-Korrektur der im März 2003 begonnenen Kursrally. Von mehr als einer Korrektur will der Analyst demnach auch nicht sprechen: Die langfristigen Zyklen sprächen gegen einen neuen Bärenmarkt. Eine ähnliche Meinung vertritt Christoph Schmidt von Equinet Securites. Das Gesamtbild von deutschen und US-Börsen zeige keinen Bärenmarkt, sondern „nur eine Korrektur im Bullenmarkt“. Das Szenario ähnele dem Jahr 1994, als eine Phase der Beruhing auf die erste Erholung der Wirtschaftslage folgte. Gleichzeitig stiegen die Zinsen.
Dax und S&P500 entwickelten sich beide in Seitwärts-Korrekturphasen innerhalb eines zyklischen Bullenmarktes, sagt Schmidt. Beide Märkte hätten in den vergangenen Monaten Handelsspannen ausgebildet, deren untere Begrenzungen jeweils einer 23%-Fibonacci-Korrektur vom Top entsprächen. Hier sieht Schmidt kurzfristig ein Problem: „Das entspricht einer Minimalkorrektur in einem Bullenmarkt“. Dies werfe die Frage auf, ob der Markt wirklich bereits ausreichend korrigiert habe. Üblich sei eine 38%ige Korrektur - und die könne den Dax bis in den Bereich 3 400/500 bringen. Im S&P-500 liege dieses Ziel bei 1 020 Punkten. Kurzfristig rechnet der Analyst noch mit einem Test von dessen Jahreshöchstständen, jedoch mit keinem neuen Aufwärtstrend.
Den Dax sieht er bis maximal 4 100 Punkte steigen, was aber stark von den Vorgaben der US-Börse abhänge. Sein fortgesetztes Korrektur-Szenario sieht er vom US-Sentiment untermauert. Der Netto-Anteil der Bullen sei auf rund 40% gestiegen und damit hoch. „Das spricht dafür, dass viele schon im Boot sind“, sagt Schmidt.
Die Möglichkeit einer fortgesetzten Korrektur sieht auch Stephen Schneider von der WGZ-Bank, verleiht ihr aber eine positive Note. Unterstützt von positiven Divergenzen bei den Kurzfrist-Indikatoren erwartet er einen Anstieg auf rund 4 150 Punkte. Dem könnte eine 10%-ige Korrektur folgen. Nach Elliott-Wellen-Theorie befinde sich der Markt in einer großen Welle 4, die eine Korrekturwelle innerhalb einer Aufwärtsbewegung sei. Dass der Dax in den vergangenen Monaten anstelle einer kräftigen Korrektur nur in eine Seitwärtsphase übergegangen ist, wertet Schneider als Zeichen von Stärke: „Wenn eine idealtypisch anstehende Korrektur nur zu einer Seitwärtsbewegung führt, dann ist das ein mittelfristig positives Anzeichen“.
HANDELSBLATT, Dienstag, 15. Juni 2004, 17:13 Uhr
MFG




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