Die drohende Pleite des börsennotierten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund beschäftigt die großen deutschen Zeitungen. Dabei gehen die Kommentatoren hart mit dem Management ins Gericht und sorgen sich um die Folgen der Krise für den gesamten deutschen Fußball.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" singt mit Trauer in der Stimme die Borussenhymne: "'Aber eins, das bleibt besteh'n: Borussia Dortmund wird nicht untergeh'n.' Das trotzige Vereinslied des westfälischen Fußballclubs klang in bald hundert Jahren Historie noch nie so wirklichkeitsfern wie heute. Die Tabellenführung wird dabei immer unabhängiger vom sportlichen Glück, beruht vielmehr auf langfristiger Vermarktung samt Gegenfinanzierung, wie der keineswegs zufällige Höhenflug von Dortmunds soliderem Nachbarn und Erzrivalen Schalke 04 beweist. Die heute todkranke Borussia wurde mit legendären Erfolgen in den sechziger Jahren, durch Spieler wie 'Emma' Emmerich und Sigi Held zum Symbol des Wirtschaftswunders. 'Maßgeblich is' auf'em Platz' lautete damals im Revier das Motto ehrlich erkämpfter Siege. Das stimmt längst nicht mehr. Maßgeblich ist die Bilanz."
Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" aus Essen sieht den Klub am absoluten Tiefpunkt: "Nach 96 Jahren, die nicht immer nur von Glanz und Gloria ausgeleuchtet wurden, sondern oft auch düster gewesen sind, droht dem Ballspielverein Borussia Dortmund 09 der Existenzverlust. Tradition liegt in Trümmern, einer der berühmtesten deutschen Klubs, der auch international als eine ausgesuchte Adresse geführt wurde, steht vor dem Scherbenhaufen. Obwohl das inzwischen auf ein Fassungsvermögen von 80.000 Zuschauern ausgebaute Westfalenstadion ständig gefüllt ist, obwohl happige Fernseh- und Sponsorengelder liquidiert worden sind, obwohl der Börsengang rund 135 Mio. Euro einbrachte, obwohl der lukrative Handel mit Fan-Artikeln die Kassen füllte, steht dieser Verein vor dem Offenbarungseid. Vor der Insolvenz, vor seiner Selbstzerstörung. Und vor fassungslosen Fans, die sich verzweifelt fragen, wie hemmungslos diese Gelder verscherbelt und verschleudert worden sind."
Der "Tagesspiegel" aus Berlin nimmt die Skandalserie im Fußball aufs Korn: "Der Konkurrenzkampf im deutschen Fußball ist hart! Gerade eben hat der DFB mit seiner Führungskrise um Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder Manipulationsschiedsrichter Robert Hoyzer aus den Schlagzeilen verdrängt. Und nun grätscht Borussia Dortmund dazwischen. Leider handelt es sich bei allen Aktivitäten um unnötiges Foulspiel, das nur Niederlagen begünstigt. Jedenfalls kann einem so kurz vor der WM 2006 schon angst und bange werden um die Zurechnungsfähigkeit und Seriosität des Profifußballs hier zu Lande. Borussia Dortmund, hoch verschuldet und einziger börsennotierter Klub der Bundesliga, sieht sich nach über einem Jahr hektischen Krisenmanagements selbst in der Existenz bedroht. Das heißt, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen - die man Lügen nennen muss -, könnte nun tatsächlich ein Traditionsverein zugrunde gehen."
Die "Frankfurter Rundschau" kritisiert Vereinsmanager Michael Meier: "Die zögerlichen Geldgeber haben allen Grund zur Skepsis. Die kaufmännische Inkompetenz der alten Clubführung schreit zum Himmel. Mit Taschenspielertricks, Halbwahrheiten und Lügen klammerten sich Niebaum und Meier noch an die Macht, als ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. So fällt es schwer, an die rasche Gesundung des komatösen Patienten Borussia Dortmund zu glauben. Dass Michael Meier daran mitwirkt, mutet bizarr an. Aber nur er kennt den Todkranken gut genug."
Die "Neue Westfälische" aus Bielefeld macht sich auch um andere Vereine sorgen: "Im Revier werden alle Register des Finanzmarktes gezogen, um den Schein des schönen Sports zu wahren. Dabei zeigt die Situation der Borussen nur zu deutlich, wie schlecht es um den deutschen Profifußball bestellt ist. Bezahlt von Sponsoren und aus TV-Geldern, können sich größenwahnsinnige Egomanen in den Chefetagen austoben. Größtenteils unkontrolliert. So lange Finanz-Jongleure wie in Dortmund wirtschaften können, wie sie wollen, droht dem Fußball Gefahr. Auch wenn es mit Viktoria Dortmund 05 irgendwie weiter gehen sollte."
Die "Fuldaer Zeitung" klagt über immer stärkere wirtschaftliche Zwänge im Sport: "Das drohende Aus des Traditionsvereins ist Konsequenz einer ungehemmten Ökonomisierung des Sports, in dem die Chancen auf Titel und Pokale von den Investoren und kaum von Trainern und Vereinsvorständen verteilt werden. Zugleich ist der Niedergang des BVB ein schrilles Alarmsignal für das, was in der Wirtschaft weltweit schief läuft. Denn ohne Rücksicht auf die Möglichkeiten und das Verhalten der Märkte werden Strategien ausgerufen und finanziert, die bereits nach kurzer Zeit als Fantasiegebilde zusammenbrechen. Die Hirngespinste mancher Marketingstrategen haben das Vertrauen der Anleger in nachhaltiges Wirtschaften, das mit Hilfe der Aktionäre Vermögen schafft und mehrt, massiv erschüttert."
Die "Volksstimme" aus Magdeburg sieht Parallelen zum Untergang der DDR: "Man wollte die Bayern übertrumpfen und partout die Nummer eins in Deutschland werden. Koste es, was es wolle. Das dazugehörige Motto könnte man sich von einstigen DDR-Wirtschaftslenkern geborgt haben: Überholen ohne einzuholen. Und so wurden die Millionen nur so auf den Kopf gehauen. Benebelt von Erfolgen, leistete man sich eines der teuersten Teams der Welt. Auch die durch den Börsengang hereingespülten Summen waren schwuppdiwupp verbraten. Als plötzlich die TV-Millionen aus der Champions League fehlten, wurde nicht etwa rechtzeitig gebremst, sondern der Wagen erst recht mit Karacho gegen die Wand gefahren."
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" singt mit Trauer in der Stimme die Borussenhymne: "'Aber eins, das bleibt besteh'n: Borussia Dortmund wird nicht untergeh'n.' Das trotzige Vereinslied des westfälischen Fußballclubs klang in bald hundert Jahren Historie noch nie so wirklichkeitsfern wie heute. Die Tabellenführung wird dabei immer unabhängiger vom sportlichen Glück, beruht vielmehr auf langfristiger Vermarktung samt Gegenfinanzierung, wie der keineswegs zufällige Höhenflug von Dortmunds soliderem Nachbarn und Erzrivalen Schalke 04 beweist. Die heute todkranke Borussia wurde mit legendären Erfolgen in den sechziger Jahren, durch Spieler wie 'Emma' Emmerich und Sigi Held zum Symbol des Wirtschaftswunders. 'Maßgeblich is' auf'em Platz' lautete damals im Revier das Motto ehrlich erkämpfter Siege. Das stimmt längst nicht mehr. Maßgeblich ist die Bilanz."
Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" aus Essen sieht den Klub am absoluten Tiefpunkt: "Nach 96 Jahren, die nicht immer nur von Glanz und Gloria ausgeleuchtet wurden, sondern oft auch düster gewesen sind, droht dem Ballspielverein Borussia Dortmund 09 der Existenzverlust. Tradition liegt in Trümmern, einer der berühmtesten deutschen Klubs, der auch international als eine ausgesuchte Adresse geführt wurde, steht vor dem Scherbenhaufen. Obwohl das inzwischen auf ein Fassungsvermögen von 80.000 Zuschauern ausgebaute Westfalenstadion ständig gefüllt ist, obwohl happige Fernseh- und Sponsorengelder liquidiert worden sind, obwohl der Börsengang rund 135 Mio. Euro einbrachte, obwohl der lukrative Handel mit Fan-Artikeln die Kassen füllte, steht dieser Verein vor dem Offenbarungseid. Vor der Insolvenz, vor seiner Selbstzerstörung. Und vor fassungslosen Fans, die sich verzweifelt fragen, wie hemmungslos diese Gelder verscherbelt und verschleudert worden sind."
Der "Tagesspiegel" aus Berlin nimmt die Skandalserie im Fußball aufs Korn: "Der Konkurrenzkampf im deutschen Fußball ist hart! Gerade eben hat der DFB mit seiner Führungskrise um Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder Manipulationsschiedsrichter Robert Hoyzer aus den Schlagzeilen verdrängt. Und nun grätscht Borussia Dortmund dazwischen. Leider handelt es sich bei allen Aktivitäten um unnötiges Foulspiel, das nur Niederlagen begünstigt. Jedenfalls kann einem so kurz vor der WM 2006 schon angst und bange werden um die Zurechnungsfähigkeit und Seriosität des Profifußballs hier zu Lande. Borussia Dortmund, hoch verschuldet und einziger börsennotierter Klub der Bundesliga, sieht sich nach über einem Jahr hektischen Krisenmanagements selbst in der Existenz bedroht. Das heißt, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen - die man Lügen nennen muss -, könnte nun tatsächlich ein Traditionsverein zugrunde gehen."
Die "Frankfurter Rundschau" kritisiert Vereinsmanager Michael Meier: "Die zögerlichen Geldgeber haben allen Grund zur Skepsis. Die kaufmännische Inkompetenz der alten Clubführung schreit zum Himmel. Mit Taschenspielertricks, Halbwahrheiten und Lügen klammerten sich Niebaum und Meier noch an die Macht, als ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. So fällt es schwer, an die rasche Gesundung des komatösen Patienten Borussia Dortmund zu glauben. Dass Michael Meier daran mitwirkt, mutet bizarr an. Aber nur er kennt den Todkranken gut genug."
Die "Neue Westfälische" aus Bielefeld macht sich auch um andere Vereine sorgen: "Im Revier werden alle Register des Finanzmarktes gezogen, um den Schein des schönen Sports zu wahren. Dabei zeigt die Situation der Borussen nur zu deutlich, wie schlecht es um den deutschen Profifußball bestellt ist. Bezahlt von Sponsoren und aus TV-Geldern, können sich größenwahnsinnige Egomanen in den Chefetagen austoben. Größtenteils unkontrolliert. So lange Finanz-Jongleure wie in Dortmund wirtschaften können, wie sie wollen, droht dem Fußball Gefahr. Auch wenn es mit Viktoria Dortmund 05 irgendwie weiter gehen sollte."
Die "Fuldaer Zeitung" klagt über immer stärkere wirtschaftliche Zwänge im Sport: "Das drohende Aus des Traditionsvereins ist Konsequenz einer ungehemmten Ökonomisierung des Sports, in dem die Chancen auf Titel und Pokale von den Investoren und kaum von Trainern und Vereinsvorständen verteilt werden. Zugleich ist der Niedergang des BVB ein schrilles Alarmsignal für das, was in der Wirtschaft weltweit schief läuft. Denn ohne Rücksicht auf die Möglichkeiten und das Verhalten der Märkte werden Strategien ausgerufen und finanziert, die bereits nach kurzer Zeit als Fantasiegebilde zusammenbrechen. Die Hirngespinste mancher Marketingstrategen haben das Vertrauen der Anleger in nachhaltiges Wirtschaften, das mit Hilfe der Aktionäre Vermögen schafft und mehrt, massiv erschüttert."
Die "Volksstimme" aus Magdeburg sieht Parallelen zum Untergang der DDR: "Man wollte die Bayern übertrumpfen und partout die Nummer eins in Deutschland werden. Koste es, was es wolle. Das dazugehörige Motto könnte man sich von einstigen DDR-Wirtschaftslenkern geborgt haben: Überholen ohne einzuholen. Und so wurden die Millionen nur so auf den Kopf gehauen. Benebelt von Erfolgen, leistete man sich eines der teuersten Teams der Welt. Auch die durch den Börsengang hereingespülten Summen waren schwuppdiwupp verbraten. Als plötzlich die TV-Millionen aus der Champions League fehlten, wurde nicht etwa rechtzeitig gebremst, sondern der Wagen erst recht mit Karacho gegen die Wand gefahren."








