Wie Merrill Lynch seine Kunden "lynchte" ...


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Wie Merrill Lynch seine Kunden "lynchte" ...

 
01.08.02 20:39
Um seinen Kunden entgegenzukommen, hat das Investmenthaus Merrill Lynch offenbar unbequeme Mitarbeiter abgezogen. Kaufempfehlungen bekam der Energieriese praktisch auf Bestellung.


Geschäftliche Landschaftspflege mit Kaufempfehlungen: Merrill Lynch


Seine Expertise beförderte John Olson geradewegs in die Arbeitslosigkeit. Nach eingehender Prüfung war der Merrill-Lynch-Analyst zu dem Schluss gekommen, dass die Aktie des Energie-Händlers Enron nicht mehr zum Kauf empfohlen werden konnte. Er telefonierte mit seinen besten Kunden und riet ihnen von einem Einstieg ab. "Halten", empfahl Olson in seiner Aktien-Analyse - "Verkaufen" wäre wohl ehrlicher gewesen, aber schließlich war Enron ein guter Kunde.
Doch der gute Kunde aus Texas verlangte offenbar mehr. Das jedenfalls geht aus den Unterlagen hervor, die der Senatsausschuss zur Durchleuchtung der Enron-Banken-Connection bislang gesichtet hat. Bisher hatten die Verantwortlichen des renommierten Investmenthauses immer energisch bestritten, dass eine Verbindung zwischen Analysteneinstufungen für Enron und dem Versuch, mit Enron anderweitig ins Geschäft zu kommen, bestand. Trotzdem hatten die Mitglieder des Gremiums wohl mit einigen Absprachen hinter verschlossenen Türen gerechnet, als sie ihre Arbeit aufnahmen. Doch was sie zu Tage förderten, verschlug ihnen die Sprache.

Die Expertise, die Olson seinen Job kostete, datiert vom Sommer 1998, als noch niemand mit einer Schieflage des Energie-Händlers rechnete. Offenbar waren sich die Enron-Verantwortlichen nicht zu schade, nach der Herabstufung direkt bei Merrill Lynch zu intervenieren. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, machten sie sogar die künftigen Geschäftsbeziehungen beider Unternehmen von einer gefälligeren Einstufung abhängig.

Die Merrill-Lynch-Manger Rick Gordon und Schuyler Tilney reagierten ganz im Sinne ihrer Geschäftspartner. Sie schrieben einen Brandbrief an den damaligen Merrill Lynch-Präsidenten Herbert Allison, in dem sie Olson direkt für ein geplatztes Geschäft mit Enron verantwortlich machten. Nur Olsons Verhalten sei es zuzuschreiben, dass das Verhältnis zu Enron bereits über einen längeren Zeitraum hinweg sehr angespannt gewesen sei. "Herr Olson hat sich nicht gerade als Unterstützer von Enron hervorgetan, obwohl das Unternehmen zu den größten und erfolgreichsten in den Vereinigten Staaten gehört", schrieben die Merrill-Lynch-Manager.

Gordon und Tilney monierten außerdem, dass Olson sich des öfteren durch kritische Bemerkungen auf Analystenkonferenzen hervorgetan habe. Und das sogar in Anwesenheit von Enrons Top-Managern Jeffrey Skilling und Kenneth Lay.

Das Memo verfehlte seine Wirkung nicht. Im August 1998 verließ Olson das Investmenthaus und suchte sich einen neuen Job. An seine Stelle kam ein anderer Analyst, der Enron wenige Monate später wieder mit den besten Kauf-Empfehlungen versah.

In einer E-Mails berichtete Tilney seinem Chef Allison im Januar 1999 über die neue Sachlage: "Was unser Verhältnis zu Enron betrifft, will ich über die neueste Entwicklung berichten, seitdem Sie mit Kenneth Lay gesprochen haben. Es ist klar, dass Ihre verantwortungsvolle Initiative von den Verantwortlichen bei Enron mit großer Zufriedenheit aufgenommen worden ist. Die Animositäten konnten im Laufe der vergangenen Monaten vollständig überwunden werden".

Tatsächlich zeigten sich die Enron-Verantwortlichen sehr zufrieden mit dem Kurswechsel des Investmenthauses. Experten schätzen, dass Merrill Lynch in den folgenden Jahren durch die Geschäfte mit dem Energie-Händler mindestens 45 Millionen Dollar allein an Gebühren kassiert hat.

von Michael Kröger




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Kicky:

das ist nichts Neues

 
01.08.02 21:08
im Juli 2001:
Also kündigte Merrill Lynch an, daß Analysten keine Aktien von Unternehmen mehr besitzen dürfen, die sie bewerten. Das soll eine größere Unabhängigkeit der Analysten gewährleisten. Zudem will der amerikanische Verband der Wertpapieranalysten die Regeln verschärfen. Die Analysten, die Börsenkurse stark bewegen können, sollen deutlicher auf die Eigeninteressen der Investmentbanken hinweisen - etwa auf deren Geschäftsbeziehungen mit den bewerteten Unternehmen. Früher waren diese Hinweise nur im Kleingedruckten versteckt. Auch im Fernsehen soll über mögliche Interessenkonflikte informiert werden, wenn Analysten Empfehlungen in populären Börsensendungen abgeben

. In einer Bank, die Geschäfte mit den bewerteten Unternehmen unterhält, wird kritische Unabhängigkeit für die Bank zum Problem. Die Aufgabe der Analysten besteht dort nicht ausschließlich darin, Anlegern einen möglichst guten Aktientip zu geben. Sie spielen vielmehr eine wichtige Rolle als Türöffner für die lukrativen Geschäfte des Investmentbanking, wie der Beratung bei Fusionen und Übernahmen (M&A) oder bei Börsengängen. Gerade die angelsächsischen Häuser sind dafür bekannt, daß sie Aktien hochjubeln, um Aufträge für M&A-Geschäfte zu bekommen. Analysten werden damit zu einer Art Vertriebsunterstützung für die Investmentsparte - und das wird gut bezahlt.

Privatanleger, die dieser Sorte Kaufempfehlung glauben, gehen allerdings ein hohes Risiko ein. Zwar gibt es die sogenannten "chinesischen Mauern" zwischen den Analyse-Abteilungen und den Investmentbankern. Die sollen Unabhängigkeit garantieren, wirken oft aber reichlich durchlässig. Denn will ein Analyst eine Aktie zum Verkauf empfehlen, wird er sich zweimal überlegen, ob er damit nicht den Interessen seines Arbeitgebers schadet. Immerhin will ein Analyst auch im eigenen Unternehmen überleben und seine Karriere nicht beenden - das ist allzu menschlich. Zudem machen sich Analysten durch Verkaufsempfehlungen bei den Unternehmen unbeliebt, über die sie berichten. Zu groß ist die Angst, danach vom Informationsfluß abgeschnitten zu werden. Ist die Geschäftsbeziehung des Unternehmens mit der Investmentbank eng genug, kann es den Analysten den Kopf kosten. Es finden sich genug Beispiele selbst von prominenten Analysten, die entlassen wurden, nachdem sie zu oft zum Verkauf geraten hatten. So verlor Michael Mayo von der Investmentbank Credit Suisse First Boston seine Stelle, nachdem er den Verkauf vieler amerikanischer Bankentitel empfohlen hatte. Der Mann, immerhin der zweitbeste Analyst der Branche, fand danach mehrere Monate keinen Job an der Wall Street - obwohl er Anlegern eine Menge Verluste ersparte. Diese Botschaft der Investmentbanken an den unabhängigen Geist Mayo ist in der Szene sicherlich verstanden worden.

Wirkliche Unabhängigkeit könnte es nur geben, wenn es Brokerhäusern untersagt wäre, auch M&A-Geschäfte zu machen. Investmentbanking ist und bleibt eine Achillesferse für unabhängige Analyse. Da eine derartige Trennung kaum denkbar ist, bleibt Privatanlegern nur übrig, bei ihrer Anlageentscheidung auf Analysen zurückzugreifen, die entweder von Brokerhäusern ohne Investmentbanking-Sparte verfaßt wurden - oder von Unternehmen, die sich ausschließlich auf die Marktforschung konzentrieren. Beide bieten eine größere Garantie für unabhängige Urteile. Im Fall der Broker dienen die Analysen nur dazu, Aktienumsatz zu generieren. Brokerhäuser leben von den Provisionen für die Aufträge. Eine Verkaufsempfehlung sorgt dabei nicht für weniger Umsatz als eine Kauforder. Reine Research-Häuser wie etwa die Kreditbewertungsagentur Standard & Poor's verkaufen ihre Analysen - im Gegensatz zu den Investmentbanken. Sie müssen kritische Qualität bieten, sonst kauft sie irgendwann keiner mehr.

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vega2000:

Ich lehne solche Artikel ab

 
01.08.02 21:25
Das was passiert ist kann ich nicht mehr ändern, -deshalb schlage ich zur Abschreckung die chinesische Methode vor.
Wie Merrill Lynch seine Kunden lynchte ... 739085
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