wieso du das wiederholt schreibst, denn die Erwartungen der Anleger sind doch im allgemeinen garnicht bekannt.
Grundsätzlich hat der Vorstand die Jahresprognose veröffentlicht. Jeder Anleger konnte sich also bisher ausrechnen, was das in etwa für die einzelnen Quartale 2-4 in diesem Jahr bedeutet. Es würde durchschnittlich etwa 10% Wachstum bei 7-8% Marge bedeuten. Wo soll also noch die negative Überraschung herkommen?
Wichtig ist doch, dass erstens das 1.Quartal so extrem stark war, dass es schon mal 20-21 Mio Puffer beim Ebitda brachte, und zweitens dass der Vorstand nach dem ganzen Coronaeffekten auch weiterhin mit durchschnittlich 18% Umsatzwachstum bei dann wieder steigenden Margen rechnet. Mir ist daher nicht klar was dieser ganze Fokus auf 1-2 Quartalsergebnisse soll, die schon ganz natürlich und aus rein mathematischen Gründen keine hohen Wachstumsraten bringen können. Den Effekt werden wir ex Übernahmen auch genauso noch bei Hellofresh sehen, dass sich temporär das Wachstum gegenüber den extrem starken Vorjahresquartalen stark abkühlt, man danach aber wieder zu den normalen Wachstumsraten plus Übernahmen zurückfinden wird. Aber 2020 wird für alle ECommercer ein Ausnahmejahr bleiben. Wir müssen uns mal davon verabschieden darauf zu blicken und stattdessen uns einfach fragen, ob wir Aktie kaufen würden, wenn wir nur die vom Vorstand kommunizierten Prognosen kennen und bewerten würden. Und da sage ich unabhängig von irgendwelchen Q2-Zahlen oder den Coronaeffekten, dass ein EV/Umsatz von derzeit 1,1 schon arg günstig für ein Unternehmen ist, dass vor und nach Corona 15-20% wächst und auch wieder deutlich zweistellige Margen erzielen will und kann. Aber ich denke, jedem Anleger ist ja bereits durch die Vorstandsaussagen klar, dass Westwing aktuell die Marketingausgaben erhöht und daher temporär die Marge fällt. Bei höherem Umsatz fällt das aber dann nicht mehr ins Gewicht, da es ja wieder Skaleneffekte geben wird. Und man stelle sich vor, diese Kosten würden in 3-4 Jahren wieder fallen. Dann könnte man theoretisch auch 17-20% Marge erzielen und Westwing würde über 150 Mio Cashflow pro Jahr erzielen. Würde Westwing sein Cash nicht für Übernahmen ausgeben, könnte man 2024 auf einem Cash-Bestand von 400 Mio € sitzen. Wird aber sicherlich nicht passieren. In so einem Fall würde man dann wohl Aktienrückkäufe, Dividenden auf der Agenda haben. …. Aktuell scheint der Markt wohl aber eine grundsätzliche Skepsis zu haben, ob Westwing überhaupt weiter wächst. Anders ist die niedrige Bewertung nicht zu erklären, außer natürlich mit Gewinnmitnahmen bzw. Irgendeinem Insti, der halt raus will, warum auch immer. Dazu könnten kleinere Punkte wie Charttechnik oder Shorties kommen. Beides aber keine Dinge, denen ich wirklich nachhaltige Bedeutung zumesse.
the harder we fight the higher the wall