Siemens verramscht Ostsee-Insel
Von Andrea Krüger
Auf der Insel Görmitz vor Usedom gibt es seltene Vögel, viel Grün und kaum Menschen. Ungewöhnlich: Das Paradies gehört Siemens. Der Münchner Konzern will es am liebsten loswerden. Nur - niemand will es haben.

Insel zu verkaufen: Siemens hat genug von der exotischen Immobilie
München - Görmitz liegt im Achterwasser vor Usedom und ist der Traum eines jeden Naturliebhabers. Auf der Insel nisten Seeadler, Graureiher und Rohrweihen, es gibt seltene Pflanzen und einen kleinen Bootsanleger. Und genau hier, im Nordosten der Republik, könnte der Traum von der eigenen Insel wahr werden.
Görmitz steht zum Verkauf. Das mit einem Damm mit dem Festland verbundene, kleine Eiland gehört der Siemens AG. Kurz nach der Wende bekamen die Münchner die Insel von der Treuhand zugeschlagen. Sie gehörte zum ehemaligen DDR-Kombinat Nachrichtenelektronik Greifswald, das Siemens Anfang der Neunziger geschluckt hatte. Vor 1989 gab es auf Görmitz nur ein Ferienlager für die Kinder der Werksarbeiter. Die Reste davon, etwa zehn Bungalows und eine Hand voll Wirtschaftsgebäude, stehen auch heute noch.
Kaufpreis schon um die Hälfte gefallen
Siemens aber hat jetzt genug von der exotischen Immobilie. Der Konzern will die Insel loswerden, sie ist totes Kapital. Seit mehr als einem Jahr steht Görmitz zum Verkauf - doch riesig ist die Nachfrage nicht. Mit drei Millionen Euro Kaufpreis versuchte es Siemens am Anfang angeblich. Eine Summe, die Konzernsprecher Gerd Henghuber nicht bestätigen will. "Jetzt ist sie jedenfalls für die Hälfte ausgeschrieben." Doch auch bei 1,5 Millionen sind die Investoren offenbar rar. "Derzeit verhandeln wir mit etwa zwei ernsthaften Interessenten", so Henghuber.
Kostspieliger Naturschutz
Problematisch sei vor allem, dass ein Großteil der 140 Hektar großen Insel Naturschutzgebiet und die Nutzung somit eingeschränkt sei. Nur etwa 20.000 Quadratmeter seien bebaubar.
"Wir wären froh, wenn sich endlich jemand findet", seufzt Hiltraud Wessel, Bürgermeisterin der Gemeinde Lütow, zu der auch Görmitz gehört. "Aber mal ehrlich - so langsam haben wir keine Hoffnung mehr." Einmal, da habe es einen Bewerber aus dem Münsterland gegeben. Der wollte einen Bauernhof mit vielen Tieren bauen, auf dem dann gestresste Städter ihren Urlaub verbringen können. So einer, meint Wessel, wäre der Gemeinde am liebsten gewesen. Leider hatte er das nötige Geld nicht. Inzwischen hat die Gemeinde, die zwar ohnehin nicht mitbestimmen darf, auch keine Wunschkandidaten mehr. Im Grunde darf jeder kommen - solange nur irgendwas passiert.
Es sieht aber so aus, als könnte das noch dauern. Neben dem Kaufpreis kommen auf den potenziellen Käufer auch noch Nebenkosten zu. Der alte Damm zur Insel - Umweltschützern ein Dorn im Auge - müsste dringend durchlässig gemacht werden. Und je nachdem, was aus Görmitz einmal werden soll, müsste auch in Sachen Energie und Abwasser noch einiges getan werden. Siemens jedenfalls ist das Inseldasein leid. Hiltraud Wessel wartet so lange gespannt, wer der neue Herr auf Görmitz wird - vor allem, zu welchem Preis.
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,176398,00.html
wäre schon was so eine kleine Insel zu ausspannen :-)
Von Andrea Krüger
Auf der Insel Görmitz vor Usedom gibt es seltene Vögel, viel Grün und kaum Menschen. Ungewöhnlich: Das Paradies gehört Siemens. Der Münchner Konzern will es am liebsten loswerden. Nur - niemand will es haben.

Insel zu verkaufen: Siemens hat genug von der exotischen Immobilie
München - Görmitz liegt im Achterwasser vor Usedom und ist der Traum eines jeden Naturliebhabers. Auf der Insel nisten Seeadler, Graureiher und Rohrweihen, es gibt seltene Pflanzen und einen kleinen Bootsanleger. Und genau hier, im Nordosten der Republik, könnte der Traum von der eigenen Insel wahr werden.
Görmitz steht zum Verkauf. Das mit einem Damm mit dem Festland verbundene, kleine Eiland gehört der Siemens AG. Kurz nach der Wende bekamen die Münchner die Insel von der Treuhand zugeschlagen. Sie gehörte zum ehemaligen DDR-Kombinat Nachrichtenelektronik Greifswald, das Siemens Anfang der Neunziger geschluckt hatte. Vor 1989 gab es auf Görmitz nur ein Ferienlager für die Kinder der Werksarbeiter. Die Reste davon, etwa zehn Bungalows und eine Hand voll Wirtschaftsgebäude, stehen auch heute noch.
Kaufpreis schon um die Hälfte gefallen
Siemens aber hat jetzt genug von der exotischen Immobilie. Der Konzern will die Insel loswerden, sie ist totes Kapital. Seit mehr als einem Jahr steht Görmitz zum Verkauf - doch riesig ist die Nachfrage nicht. Mit drei Millionen Euro Kaufpreis versuchte es Siemens am Anfang angeblich. Eine Summe, die Konzernsprecher Gerd Henghuber nicht bestätigen will. "Jetzt ist sie jedenfalls für die Hälfte ausgeschrieben." Doch auch bei 1,5 Millionen sind die Investoren offenbar rar. "Derzeit verhandeln wir mit etwa zwei ernsthaften Interessenten", so Henghuber.
Kostspieliger Naturschutz
Problematisch sei vor allem, dass ein Großteil der 140 Hektar großen Insel Naturschutzgebiet und die Nutzung somit eingeschränkt sei. Nur etwa 20.000 Quadratmeter seien bebaubar.
"Wir wären froh, wenn sich endlich jemand findet", seufzt Hiltraud Wessel, Bürgermeisterin der Gemeinde Lütow, zu der auch Görmitz gehört. "Aber mal ehrlich - so langsam haben wir keine Hoffnung mehr." Einmal, da habe es einen Bewerber aus dem Münsterland gegeben. Der wollte einen Bauernhof mit vielen Tieren bauen, auf dem dann gestresste Städter ihren Urlaub verbringen können. So einer, meint Wessel, wäre der Gemeinde am liebsten gewesen. Leider hatte er das nötige Geld nicht. Inzwischen hat die Gemeinde, die zwar ohnehin nicht mitbestimmen darf, auch keine Wunschkandidaten mehr. Im Grunde darf jeder kommen - solange nur irgendwas passiert.
Es sieht aber so aus, als könnte das noch dauern. Neben dem Kaufpreis kommen auf den potenziellen Käufer auch noch Nebenkosten zu. Der alte Damm zur Insel - Umweltschützern ein Dorn im Auge - müsste dringend durchlässig gemacht werden. Und je nachdem, was aus Görmitz einmal werden soll, müsste auch in Sachen Energie und Abwasser noch einiges getan werden. Siemens jedenfalls ist das Inseldasein leid. Hiltraud Wessel wartet so lange gespannt, wer der neue Herr auf Görmitz wird - vor allem, zu welchem Preis.
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,176398,00.html
wäre schon was so eine kleine Insel zu ausspannen :-)