Trügerische Ruhe
Nach dem gestrigen ereignisreichen Tag ging es heute wesentlich gemächlicher zu – jedenfalls was Gold betrifft. Silber und die beiden anderen weißen Edelmetalle der PGM-Gruppe setzten ihren Höhenflug fort. So legte Silber beispielsweise im Tagesverlauf weitere 20 Cent zu und steht nun nur noch knapp vor der Marke von $22. In ähnlicher Größenordnung stieg Platin. Lediglich Palladium konnte heute mit einem Tagesplus von 1,25 Prozent noch stärker zulegen.
Gold dagegen schwankte den ganzen Tag um die Marke von $1.310 – wobei die Kurse des gelben Metalls sich vorzugsweise unterhalb der $1.300er-Marke bewegten. Der US-Dollar schwächelte insbesondere gegenüber dem Euro weiter, was in der Vergangenheit mit Preisanstiegen der Edelmetalle einherging.
Dafür nähert sich das US-Öl wieder mit knapp $78 – einem Tageszuwachs von knapp zwei Dollar – bedenklich der kritischen Marke von $80. Eigentlich war Öl der heutige Favorit, denn es ist um 2,5 Prozent viel stärker als die Edelmetalle angestiegen. Auch die Aktienmärkte haben beispielsweise mit dem bei 10.850 Punkte notierenden Dow Jones Industrial Average (DJIA) ausreichend Puffer nach unten, um einen von der FED und anderen Notenbanken ausgelösten deflationären Dämpfer, der hauptsächlich gegen den starken Ölpreis gerichtet sein dürfte, abzufedern.
Der Yen leidet sowieso an Aufwertungs-Fieber und der Euro könnte wegen der Probleme mit Irland und anderen Staaten der Südschiene schnell wieder kräftig an Wert verlieren. An Begründungen auf Bloomberg und anderen Finanz-Medien würde es also nicht scheitern. Indikatoren für eine solche Entwicklung wären dann ein gegenüber dem US-Dollar kräftig steigender Yen-Kurs, der insbesondere das US-Öl treffen würde. Gleichzeitig ein zum Dollar schwächerer Euro, womit die Edelmetalle wieder unter Druck gerieten – wobei sich Gold auf eine solche breit streuende Intervention der Notenbanken immer noch am besten halten konnte.
Im Übrigen muss JP Morgan für seine riesigen Silber-Shorts an der COMEX eine baldige Lösung finden, da ansonsten die Verluste ins astronomische steigen könnten.
Wichtig für die gestrige Preisentwicklung beim Gold war, dass sich die erreichten Preismarken jenseits von $1.300 zu den beiden Londoner Fixings im physischen Handel bestätigen ließen. Der A.M. Fix kam mit $1.307,50 (EUR 962,39) um knapp $19 und der P.M. Fix mit $1.307,00 (EUR 961,26) um $13 höher als noch am gestrigen Tag zustande. Das ist wichtig, da Gold sich damit einen soliden Abstand zur gestern hart erkämpften Marke erarbeiten konnte.
Zum Schluss der New Yorker COMEX schloss Gold mit $1.309,50 sogar knapp unterhalb der Marke von $1.310. Wer hätte das vor wenigen Tagen noch gedacht.
Der US-Dollarindex (USDX) bleibt unter Druck und verlor weitere 0,3 Punkte auf 78,7 Zähler. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen beendeten ihren Höheflug erst einmal und tendierten mit einer Real-Rendite von 2,5 Prozent unverändert.
Im 12-Monatvergleich hat Gold mit einem Zuwachs von knapp $320 einen Jahresanstieg um 32 Prozent zulegen können. Auf Euro-Basis entspricht der Zuwachs von nominell €280 sogar einem Jahresanstieg von 41 Prozent. Wir Eurogold-Investoren brauchen uns bei unserer Performance überhaupt nicht hinter unseren amerikanischen Kollegen verstecken. Wir sind zwar knapp €70 von dem Höchststand Anfang Juni entfernt, aber zu diesem Zeitpunkt herrschte Panik und nackte Überlebens-Angst um unsere Euro-Anlagen. Und wer in Panik kaufen muss, der kauft eben teurer ein als andere.
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"Heute geht es uns schlechter als gestern, aber besser als morgen!"
"In Zeiten der universellen Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zur revolutionären Tat!" (George Orwell)