Akhenate :
>> Betreffend dem Euro erschließt sich mir Nichtökonom nicht, warum er in den Südländern zur Verelendnung führen soll, nur weil er "der Euro" ist? <<
Nein, es ist nicht "der Euro". Es ist der Wert des Euros. Da passt der Anzug nicht. Griechenland konnte über ein Jahrzehnt "preiswerter" importieren, eben durch den Außenwert der Währung. Aufgrund fehlenden Reformwillens wurde es verschiedentlich billiger, im Ausland zu kaufen als im Inland zu produzieren. Der Schiffbau ist ein Beispiel. Hier gab es einst das, was man hier als "Schwerindustrie" bezeichnet hat. Das wurde in Griechenland immer teurer und (noch wichtiger) das Land produzierte so teuer, dass von außen die Nachfrage ausblieb. Anders in Deutschland: Auch hier gab es eine Krise, aber dank des Maschinenbaus und erstklassiger Qualität, kauft die ganze Welt z.B. Schiffe der Meyer Werft. Einfach besser und preiswerter als in Griechenland zu kaufen.
Der fehlende Reformwille hindert auch Investitionen: Kein Katasterwesen und vor allem Korruption. Da weichen Investoren eben aus und kommen erst gar nicht. Es müssen doch alle Alarmglocken schrillen, wenn bei einer hohen Arbeitslosigkeit alles so teuer bleibt, dass Investoren ausweichen.
Dabei hat Griechenland den Standardvorteil des EU-Binnenmarktes. Von hier aus könnte man als Investor z.B. zollfrei in die EU exportieren. Aber alles schöne Theorie: Große Unternehmen meiden Griechenland, weil es unter dem Strich viel günstiger ist, in anderen Staaten zu investieren.
Weiterhin ist Griechenland seit langer Zeit Netto-Empfänger von EU-Subventionen (Deutschland, Niederlande u. a. sind Nettozahler). Das hat auch nichts genutzt. Dadurch angestrebte Modernisierungen sind ausgeblieben. Das Geld versickerte in den alten Strukturen.
Herrschaft weniger, aber unsagbar reicher Familien, dadurch kartellartige Märkte. Auch das schreckt Investoren ab.
>> Hätten sie ihre alten Währungen, könnten sie alle paar Jahre abwerten aber ging es ihnen damals etwa besser? Ihr Lebensstandard war wesentlich geringer, ihre Infrastruktur im Vergleich zu heute marode. <<
Eben, Lebensstandard war wesentlich geringer, was durch die Kaufkraft nach außen besser wurde. Da hat man sich eingerichtet. Und die Infrastruktur geht auf EU-Subventionen zurück, bleibt aber ungenutzt. Alles über Jahre verschleppt.
>> Falls der Euro das Problem ist ... ja, warum hängen sie denn alle so am Euro? <<
Der Euro ist nicht das Problem, siehe oben. Es ist der Umgang damit.
>> Meine Antwort: Weil sie der EZB (Bundesbank) mehr trauen, als ihren eigenen Zentralbanken, die nicht mehr selbst Geld drucken können und durch Inflation die Spareinlagen der kleinen Leute vernichten können. Darum. <<
Richtig, die Griechen trauen ihrem System gar nicht mehr. Würde neues ELA-Geld fließen, würde sofort alles abgehoben.