"Leider muss auch ich der These zustimmen, dass die Rettung Griechenland unmöglich ist."
Darüber scheint sich ja ein zunehmender Konsens zu bilden. Wir machen Fortschritte hier. Und genau deshalb , weil die "Rettung Griechenlands" wahrscheinlich nicht gelingen wird, sollte man auch keine VOREILIGEN Schlussfolgerungen ziehen ("Es gab ja hier im Thread viele die vor einem Jahr immer schrieben, dass Staaten gewollt inflationieren oder sogar eine Staatsinsolvenz in Kauf nehmen."). Dieses Drama "Griechenland" ist ja längst nicht beendet, sondern bestenfalls der erste Akt. Daher ist es auch kein Faktum, sondern offensichtlich nur deine Meinung, lieber Steg, dass man zukünftige "Inflationierung oder in Kaufgenommene Staatsinsolvenz" ausschließen kann. Diese Meinung steht dir selbstverständlich zu. Ob es richtig ist, daran habe nicht nur ich meine Zweifel.
Die Frage ist nur welche realistischen Lösungen bleiben dann noch übrig, wenn man so wie Steg meint, man könne die 3 Möglichkeiten ausschließen: "Rettung wird nicht gelingen, keine Staatsinsolvenz und keine langfristige Entschuldung über Inflationierung, keine in Kauf genommene Staatsinsolvenz ? mmhhh
Träumereien wie die Weiterentwicklung zu einem "föderalen Bundesstaat" mit ständigen Transferzahlungen, einer Wirtschaftsregierung und einer Harmonisierung der Steuersysteme quer durch die EU (?) Das halte ich für nassfeuchte Wunschträume von sehr wenigen wie Juncker, naivsten - aber von mir aus "ehrlichen" Europäern, und natürlich von manchen Bankkreisen und internationalen Konzernen, und eben ganz wenigen hier. Ein solches Szenario erscheint so realistisch wie Fussball-Weltmeister BELGIEN in Südafrika 2010. Die überwältigende Mehrheit der Menschen in Europa will schlicht keine gemeinsame Steuer- und Sozialpolitik. Warum sollte man in D die Sozialleistungen verringer, damit man sie Griechenland erhalten oder in Portugal erhöhen kann ? Das ist politisch nicht durchzubekommen. Da sind Millionen selbst in D auf den Strassen. Das halte ich für die nächsten 10 Jahre und wahrscheinlich auch darüber hinaus für völlig ausgeschlossen. Geh doch auf die Strasse (oder frag im Bekanntenkreis (halt nicht unbedingt in Bankenkreisen oder in einer Brüsseler Institution) ob sie gemeinsam mit Griechenland, Spanien, Frankreich die Steuer und Sozialpolitik teilen wollen; ob sie einen SOLI-Beitrag nach Portugal und Süditalien leisten wollen unter einem irischen, italienischen oder österreichischen EU-Finanzminister... Ob die Franzosen, Österreicher und Deutschen für Spanien's Immobilienwahn bezahlen sollen ? Wollen ? mmmhhh
Wohl, - keiner weiss was in 20 oder 40 Jahren sein wird, aber dazu - sofern überhaupt jemals Realität - bedarf es zumindest einer, eher 2 Generationen. Für eine solche "Lösung" bekäme man in Deutschland im Moment keinen nennenswerten Stimmenanteil und das wird wohl überall in Europa so sein. Wie unrealistisch eine solche "europäische Lösung" ist, hat nicht zuletzt die Medienschlacht (geführt von Menschen) gezeigt, zwischen Deutschland und Griechenland. Die Venus von Milos (ein Heiligtum der Griechen) mit Stinkefinger auf dem Titelblatt eines seriösen (?) Deutschen Wochenmagazin - und die prompte griechische Antwort per Nazi-keule, Boykottaufrufe deutscher Waren, und Forderungen nach Reparationszahlungen noch aus WK-2. Deutschland...
Griechenland, Spanien, Irland, Finnland und Portugal mit einer gemeinsamen Steuerpolitik, stetigen Transferzahlungen von Nord nach Süd, gemeinsamen EU-Finanzminister und ein gemeinsames Budget, welches Steuer, Sozialleistungen etc inkludiert..... Feuchte europäische Juncker(ein) sind das. Das wage ich auszuschließen, das dies die Lösung der immer grösser werdenden Probleme der PIIGS sein wird. In 40 Jahren ? Who knows. Im Übrigen wäre das keine Lösung an sich, die Schulden würden bleiben, wären nur noch stärker - dann auf den sprichwörtlichen €uropäischen Steuerzahler sozialisiert. Man hätte wieder nur Zeit geschunden, aber vielleicht macht es einigen ja mehr Spass, wenn alle gemeinsam untergehen.... Das wäre daher nicht einmal theoretische "Lösung", nur Zeitgewinn und würde die Wahrscheinlichkeit inkludieren, dass die Politiker mit diesem Zeitgewinn das herangehen an tatsächliche - wohl schmerzhafte - Lösungen nur hinauszögern.
Wie absurd solche Träumereien für die nächsten Jahre und als Lösung der aktuellen Probleme sind, zeigt alleine schon die Situation in Deutschland und Italien, wo im Zuge der Einigung D die Solidarität weit getestet wurde in D. Aber die Unterschiede sind enorm zu Europa: die gemeinsame D Geschichte - "Ost und West"deutschlands, dessen Trennung nach WK-2, und vorallem die Tatsache, das es ein Volk mit einer Sprache ist. Diese Trennung galt nur für ein paar Jahrzehnte. Italien gilt die Lega Nord als völlig Partei it völlig legitimen Forderungen (legitim nicht mehr in Rom & südwärts), die über Jahre für die Spaltung des Landes eintrat. Würde man heute vom Brenner bis zur Toskana (oder gar bis Umbrien) abstimmen lassen, die Norditaliener hätten eine gute Chance auf einen eigenen Staat. Und das sind längst keine "Extremen" die die Spaltung Italiens befürworten. Die (reichen, und hart arbeitenden) Leute im Norden Italiens sind es satt, seit Jahrzehnten den Milliarden-Transfer nach Calabrien und Sizilien an die Mafia und korrupte Politiker zu finanzieren. Und die Deutschen, Österreicher, Finnen etc würden das gerne tun und für die Norditaliener einspringen - im Rahmen eines EU-Bundesstaates ? Solche Träumereien, die finde ich amüsant!! Und das hat gar nichts mit einer "anti-europäischen Gesinnung" meinerseits zu tun. Der wirkliche Grund, warum sich Italien sich nicht längst selbst gespalten hat, liegt daran, dass die Mehrheit Italiens eben südlich von Perrugia (Rom und südlich) lebt - wo sich natürlich keine Mehrheit findet für eine Trennung des Nordens, wo die Lega Nord grösstenteils nicht einmal auf den Wahllisten zu finden ist (wen wundert's?).
Aber scheint ja zunehmend Konsens geworden zu sein, dass die "Griechenlands wohl unmöglich ist" - anders als noch vor wenigen Monaten, als manche hier eine Insolvenz eines €U-Staates wegen Überschuldung in absehbarer Zeit für "wirklichen Unsinn" hielten....
Als Unsinn halte ich viel mehr, wenn jemand meint er könnte Inflationierung oder eine in Kauf genommene Insolvenz jetzt schon als "wirklichen Unsinn" bezeichnen. Abwarten, mein lieber Steg, abwarten. Wie gesagt, das griechische Drama und das der PIIGS ist ja längst noch nicht zu Ende, oder habe ich über Nacht den Schlussakt des Dramas verpasst (?....), wohl kaum.
Natürlich nicht. Gerade erst hat die EZB einen ihrer so hehren, bis vor kurzem noch von wenigen hier gefeierten „Schönwetter“-Grundsatz über Board geworfen und akzeptiert griechische Staatsanlei(c)en als Sicherheiten. Anderenfalls wären die griechischen Banken wohl schon ohnehin im Reich des Hades. BTW, mein griechischer Kollege, mit seiner Frau mit Beziehungen in höchste griechischen Bankenkreise, hat in den letzten Wochen den Grossteil seines Geldvermögens auf ein US-Konto (Minespec wird hier „bravo“ sagen) und wie viele seiner Landsleute auf eine Bank in Zypern gebracht (Sprache geht vor Ratio…). Ja, das halte ich für naiv- und gutgläubig, was ich ihm auch gesagt habe, denn wenn Griechenland fällt, dann gibt es auch Panik auf Zypern. Und Gold hat er wieder nur per ETF gekauft (manche interessieren sich ja sehr für das wohl meines Kollegen, falls manche hier mitschreiben wollen ;-) Manche lernen es eben nie….
Und da das alleine (gr. Ramschanleihen als Sicherheit akzeptiert) auch nicht reichen wird, werden schon die nächsten Schritt diskutiert: Eurobonds und der Kauf von griechischen Ramschanleihen vom durch die EZB. Es stimmt wohl, man wird nicht alleine wegen Griechenland den Inflationsweg gehen wird. Aber Griechenland ist ja längst nicht mehr alleine, wie der Bond gerade wieder in dieser Woche sehr eindrucksvoll gezeigt hat. Die Yields der 10-jährigen von Irland, Italien, Spanien und vorallem Portugals sind wieder deutlich gestiegen - und zeigt nicht nur das Temperatur des Schweinefiebers an, sondern treibt zugleich die Schweissperlen auf die Stirn der Politiker, längst nicht nur mehr in Griechenland, Portugal und jener in Brüssel, sondern quer durch die Bank.
Zurück zu Griechenland: Es passiert ja wieder genau das, was wir Goldbullen seit Anbeginn des Threads schreiben: Es wird mit allen Mitteln versucht die Löcher provisorisch zu stopfen, das System künstlich am Leben zu erhalten wie nur irgendwie möglich. Seit Anbeginn dieser Krise sind die Politiker sind immer mindestens 2 Schritte den Geschehnissen hinterher. Und dann passiert eines immer nach dem gleichen Schema: unter Geiselhaft der Banken, wird Politiker „gezwungen“ die evidente oder drohende Verluste der Banken zu sozialisieren. Das Feuer wird aber immer grösser und immer mehr "Löschwasser" ist notwendig. Muss dazusagen, wer das Löschwasser bezahlt ? Ich denke nicht. Und wer entledigt sich der abbrennendes Hölzer - wie jetzt der Tzatziki bonds - natürlich die Banken, die vielfach wieder neue fröhliche Milliardengewine schreiben.
Wie das Griechen-, das PIIGS und das Verschuldungsdrama tatsächlich enden WIRD, ist daher längst noch nicht entschieden. Jetzt schon eine zukünftige Inflationierung oder eine in Kauf genommene Staatsinsolvenzen als „wirklichen Unsinn“ bezeichnen, zeugt nicht gerade für Weitblick, Verständnis der Probleme oder historischer Kenntnisse.