Gold & Gesellschaft: Axel Webers neuer Wunsch-Job
Bundesbank-Präsident Axel Weber ist mit seinem Dasein innerhalb der Bundesbank nicht zufrieden. Denn alle geldpolitischen Entscheidungen werden von der EZB getroffen. So konzentrieren sich die Aktivitäten von Weber darauf, beispielsweise den political incorrecten Thilo Sarrazin zu maßregeln.
Eigentlich sollte Axel Weber nach Vorstellungen von Angela Merkel der Nachfolger des Franzosen Trichets an der Spitze der EZB werden. Durch einen entsprechenden Kuh-Handel hat man sich schon für einen Vertreter der Südländer als Vize-Präsidenten entschieden. Der ebenfalls gehandelte Kandidat Italiens ist ein ex-Goldman Sachs Vertreter und hat sich wohl wegen der Verwicklungen von GS in den Betrug mit den griechischen Schuldenzahlen selbst aus dem Rennen geschossen.
Vor einigen Wochen hat jedoch der Vertreter der Euro-Gruppe, der Regierungschef des Zwergstaates Luxemburg, Juncker, Stellung gegen Weber bezogen. Seine Ernennung an die Spitze der EZB bleibt also fraglich. Zumal der Deutsche eher als geldpolitischer Falke gilt.
Das konkretisiert sich nun in einem Widerstand der Bundesbank gegen eine Rettung des eigentlich nur noch durch einen Euro-Austritt rettbaren Griechenlands. Während Trichet alle geldpolitischen Dämme der ehemaligen Bundesbank-Doktrin zur Flutung freigibt, scheint sich Weber nun Hoffnungen auf eine gestärkte Bundesbank zu machen.
Nach einem Bericht der linksliberalen Frankfurter Rundschau zerpflückt die Deutsche Bundesbank den von der Bundesregierung maßgeblich gestalteten EU-Rettungsplan für Griechenland. Zitat aus dem Bericht der FR: Wie aus einem internen Papier hervorgeht, das der FR vorliegt, befürchten die Hohepriester des Stabilitäts- und Wachstumspakt, dass der Internationale Währungsfond (IWF) die Griechen zu weniger Haushaltsdisziplin zwingen würde, als es die Euro-Gruppe tun würde.
Und weiter heißt es in dem Bericht: Das Papier zerreißt die in der Öffentlichkeit zumeist gelobte Rettungsaktion für Griechenland unter Einschaltung des IWF. Diese Lösung führe weder dazu, dass der Maastricht-Vertrag eingehalten werde, noch dazu, dass kein deutsches Geld nach Athen flösse. Im Gegenteil: Die Bundesbank liefere am Ende die Euro, mit denen der IWF Griechenland helfe.
Anscheinend bezweifeln die Bundesbanker die bislang harte Ausrichtung des IWF, ein Land durch extreme Sparanstrengungen wieder auf den rechten Weg zu bringen: Die Bundesbank kritisierte die Einschaltung des IWF auch, da die Zeiten vorbei sind, in denen der Fonds Haushaltsdisziplin zur höchsten Tugend der Politik erklärte und hilfesuchende Staaten zu einem strikten Privatisierungskurs zwang. Seit der Franzose Dominique Strauss-Kahn Ende 2007 den Posten des geschäftsführenden Direktors übernahm, hat der IWF einen Kurswechsel vollzogen. Die extrem marktliberale Ausrichtung wurde aufgegeben, sagt Finanzprofessor Marcel Tyrell von der Zeppelin University in Friedrichshafen.
Strauss-Kahn ist kein unbeschriebenes Blatt: Er wurde im Jahr 1991 von dem ersten sozialistischen Präsidenten der Fünften französischen Republik, Francois Mitterrand, ernannt und bekleidete ab 1997 das Amt des Wirtschaft-Ministers. 2007 unterlag er seiner Parteifreundin Segolene Royal als Kandidat um das Amt des französischen Präsidenten. Er vertritt eine stark etatistisch geprägte Wirtschaft-Politik, die man in Frankreich auch unter konservativ-liberalen Regierungen häufig wiederfindet.
Die Frankfurter Rundschau scheint derzeit noch eine der wenigen deutschen Zeitungen zu sein, die nicht finanziell abhängig von den Bailout schreienden deutschen Banken zu sein scheint. Deshalb wurde der FR dieses Papier zugespielt. Erst heute konnten wir wieder einen Pro-Bailout Kommentar im SPIEGEL lesen. Diese Art des Auftrags-Journalismus gefährdet immer mehr die Presse-Freiheit in Deutschland.
Aber auch andere Passagen des Bundesbank-Papiers scheinen Sprengstoff zu sein: So hat der Vorschlag des IWF-Chefökonomen Olivier Blanchard, die Teuerungsrate auf vier Prozent zu verdoppeln die Bundesbank-Führung bis aufs Blut provoziert: Das der FR zugespielte Papier sieht den IMF als zukünftigen Inflation Maximizing Fund. Das ist schon harter Tobak.
Da der IWF nach Ansicht der Bundesbank sowieso nicht über ausreichende Mittel verfügt, um die Rettung Griechenlands zu stemmen, müsste sich der IWF Mittel bei seinen Mitgliedern beschaffen. Die größten Mitglieder (und damit Geldgeber) sind neben den Vereinigten Staaten und Japan dann auch wieder Deutschland. Die Bundesbank erhielte dann als Gegenbuchung sogenannte Sonderziehungsrechte. Dieses IWF-Konstrukt ist eine Kunstwährung, die sich in international anerkannte Währungen eintauschen lässt. Der IWF würde die Euro der Bundesbank nach Athen weiterreichen. Im Prinzip ist das Einschalten des IWF auch nichts anderes, als dass wieder frisches Geld für Griechenland gedruckt würde – diesmal müssten aber auch die USA und Japan für Griechenland mit einstehen.
Dieses Papier, wenn es nur einigermaßen Ernst genommen wird – denn die Inhalte geben meines Erachtens exakt die derzeitige Situation wieder – ist ein klarer Versuch der Bundesbank, ihre geldpolitische Kompetenz zurückzugewinnen. Wenn Trichet mit Hilfe von Frankreich und Italien die Griechen retten und den Euro damit zu einer Schuldengemeinschaft umbauen würde, dann ist ein Austritt Deutschlands aus dem Euro nur noch eine Frage der Zeit.
Vielleicht spekuliert Axel Weber darauf, die Bundesbank als Zentralbank einer wieder neu gewonnenen Deutschen Mark zu leiten. An historischen Vorbildern wie den ersten Bundesbank-Präsidenten Karl Blessing (1958 – 1969) mangelt es ja nicht.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Die Griechenland-Krise spitzte sich heute weiter zu. Experten erwarten, dass zum Wochenende etwas Signifikantes passieren wird. Euro-Gold konnte sich heute Vormittag zum Londoner A.M. Fix mit EUR 863,01 ein neues historisches Hoch erobern. Auch zum Nachmittag fiel der Kurs des gelben Metalls nicht unter die Marke von EUR 860.
Trotzdem konnte sich der Euro gegenüber dem US-Dollar um 0,85 Prozent befestigen. Die 10-jährigen Griechenland-Bonds konnten sich heute auf 7,26 Prozent wieder leicht stabilisieren. Während die Griechen ihr Geld von der Bank holen, monetarisiert die EZB die Griechenland-Bonds, um etwas Druck aus der derzeit explosiven Situation zu nehmen.
Im Sektor des gelben Metalls gibt es nur eines zu berichten: Es geht weiter bergauf. Asien war heute früh wieder einmal unverändert, aber oberhalb der Marke von $1.150. Dafür ging diesmal im Londoner Vormittags-Handel ein Preisimpuls von fünf Dollar nach oben aus. Der A.M. Fix mit $1.156,00 (EUR 863,01) bestätigte dies mit einem Tagesgewinn von zehn Dollar eindrucksvoll.
Nachdem die COMEX seit Tagen der Impulsgeber des Goldpreis-Anstieges war, schien anfangs etwas die Luft raus zu sein. Die COMEX eröffnete unverändert und der Londoner P.M. Fix führte zu einem plötzlichen kurzen Einbruch auf $1.152,50 (EUR 857,26). Dann griffen die Händler aber mit dem wieder fallenden US-Dollar beherzt zu und Gold erreichte die Marke von $1.165.
Dieses Niveau konnte jedoch nicht verteidigt werden, so dass der Schlusskurs der COMEX mit $1.161,00 zustande kam. Mit acht Dollar ist das trotzdem ein erklecklicher Tagesgewinn.
Der US-Dollar-Index (USDX) gab heute um 0,5 Punkte wegen des kräftigen Euro-Anstieges auf 81,0 nach. Die Renditen der 10-jährigen Treasury Bonds verharrten auf ihrem gestrigen Stand bei 3,9 Prozent.
Warten wir das Wochenende ab: Vielleicht haben wir am Montag einen Euro-Staat weniger. Das wäre wohl für alle Beteiligten die beste Lösung.
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