Gute Antwort, danke. Zur Ergänzung meiner Sicht und Meinung:
Die Praxis sieht sogar aus, dass die heutigen ABS-Marktpreise ziemlich realitätsnah sind. Die Risiken für den Käufer sind nicht erst heute raus. Wenn die EZB die ABS zu Marktpreisen erwirbt, ist das für den Steuerzahler völlig jucke.
Das geschieht seit Jahren bei den Bad Banks, kein Käufer geriet in Gefahr. Einige Hedgefonds sind voll davon und es geht ihnen blendend. Richtig fett gefressen.
Allerdings -und da beißt sich die Katze in den Schwanz- ist es doch völlig offen, was nun mit den Risiken des Neugeschäfts wird. Hat eine Bank ein ABS-Paket verkauft, werden 8 Prozent Eigenkapitalunterlegung (seit Basel II ist das so) frei. Das freigewordene Eigenkapital wird ja zur erneuten Kreditauskehrung genutzt.
Am besten mit entsprechender Refinanzierung der Kreditsumme über die EZB. Das möchte Draghi gerne und das war ja auch der Haken an Draghis Weg der letzten Jahre. Er konnte den Banken das Geld billig zur Verfügung stellen. Ich kann aber als Bank billiges Geld nicht abrufen, wenn mir für die Kreditvergabe dieses Geldes die Mittel aus dem Eigenkapital (für die Unterlegung) fehlen.
Beispiel: Theoretisch ist es schön, eine Milliarde bei der EZB abrufen und als Kredit vergeben zu können. Das allein ist aber graue Theorie, ohne Ahnung vom Bankgeschäft. Praktisch ist es als klamme Bank nämlich sehr, sehr schwierig, das Geld zwecks Kreditvergabe abzurufen, weil ich dazu 80 Millionen als Eigenkapitalunterlegung brauche. Draghi als Goldman-Sachs Banker weiß das.
Das alles ist von ihm auch gut gemeint, aber da glimmt eben schon wieder was. Wenn nun mit der „dicken Berta“ unkontrolliert ABS aufgekauft werden, folgt aus den ABS-Papieren kein Risiko, wenn man die zu Marktpreisen kauft. Das Risiko besteht darin, dass in Südeuropa eine Lawine an fragwürdigen Kreditvergaben losgetreten werden könnte. Genau damit begibt sich die EZB dahin, wo sie nicht hingehört. Sie läuft Gefahr, den Aufbau neuer Risiken zu fördern.
Und SG, da hast Du natürlich recht: Das operative Geschäft der Banken kann die EZB gar nicht steuern. Europaweit schon gar nicht. Sollte sie auch nicht. Das ist nach den EU-Verträgen auch nicht ihre Aufgabe.
Mich persönlich interessiert, ob der Rechnungshof der EU (ja, die haben ja auch einen) die Ankaufpreise der ABS überprüfen kann. Kennt jemand das diesbezügliche EU-Recht? Eine Antwort würde mich sehr freuen, denn eine gewisse Überprüfung der Ankäufe wäre angezeigt. Ich hege kein Misstrauen gegenüber der EZB, die wollen nichts schlechtes. Großes Vertrauen habe ich aber auch nicht mehr und finde, dass da Transparenz rein muss. Wenn die EZB nämlich über dem Marktpreis ankauft, dann ist eine verkappte Subvention. Ich kann nämlich auch dadurch subventionieren, dass ich etwas für 70 kaufe, was nur 60 wert ist. Das darf die EZB schon gar nicht, dann verliert sie jede Neutralität.
Das sind einige der Gefahren und Haken der EZB-Politik. Sie konkret zu benennen ist hilfreicher als dauernd „Scheiß-EU“ rauszuplärren oder in verklärte Deutschtümelei zu verfallen. Konstruktive Kritik ist greifbarer als ewig wiederkehrende Geschichten über Mondlandungen oder sonstige Verschwörungstheorien.
**Nur meine Meinung.
So, nun aber Feuer frei zur Jagd auf den Mainstream, zu den Videos über die Mondlandung und diesem ganzen verklebten Drumherum, das einem klaren Denken im Wege steht. Ich setze mich derweil in den Keller zu meinen lieben Unzen.