Gold & Gesellschaft: Das Schattenbanken-System
Der Internationale Währungsfond (IWF) hat sich in einem Papier der Struktur des Schattenbanken-Systems gewidmet.
Ein Element dieses Schattenbanken-Systems sind die als Conduits oder SIVs (structured investment vehicle) bezeichneten Zweckgesellschaften, mit denen sich die Banken außerhalb ihrer Bilanzen an Immobilien-Krediten beteiligt haben. Die Beteiligung wurde dabei durch Ausgabe sogenannter Asset Backed Commercial Papers (ABCPs) gegenfinanziert.
Ein Beispiel für so ein Conduit war die irische Ormond Quay, die von der Sächsischen Landesbank gegründet wurde. Die Eigenart dieser Zweckgesellschaften war, dass langfristige Vermögens-Werte wie zum Beispiel Immobilien-Hypotheken durch die Aufnahme kurzfristiger Schulden gegenfinanziert wurden. Das Kredit Risiko für diese Konstruktion verblieb jedoch stets bei der Bank. Solange die Bank gesund war, galten diese Conduits als risikolose Anlage-Klasse. Deshalb erhielten die herausgegebenen Schuld-Titel auch Top-Ratings (AAA) von S&P, Moodys und Fitch.
Aufkäufer der ABCP waren Geldmarkt-Fonds und Investment-Gesellschaften, die höchst liquide Anlageformen wiederum für ihre Kunden benötigten. Aufgrund der Struktur der Gesellschaften wurde ein Top-Rating für alle Investments gefordert. Investoren beispielsweise in Geldmarkt-Fonds erwarteten, dass ihr Geld quasi wie Cash geparkt wird. Sie müssen praktisch täglich über ihre Bestände verfügen können und die Anlageform muss so sicher sein wie Cash.
Betrachtet man die Struktur der Conduits, dann ist das nicht gewährleistet. Da diese in langfristige Papiere investieren, müssen sie stets ihre auf dem Commercial Paper Markt erworbenen (kurzfristigen) Verbindlichkeiten prolongieren. Solange der Commercial Paper Markt groß und liquide war, schien das kein Problem darzustellen.
Der Commercial Paper Markt hat sich nach Zahlen des IWF allerdings von seinem Höhepunkt am 18. Juli 2007 mit $2.200 Mrd auf knapp $1.200 Mrd im April 2009 praktisch halbiert. Der ebenfalls als kurzfristiges Finanzierungs-Instrument verwendete Reverse Repo Markt hat am 15. September 2008 mit $2.800 Mrd seinen Höhepunkt erreicht und hat sich innerhalb von einem halben Jahr auf $1.800 Mrd reduziert.
Ein zweites Problem stellte die Qualität der Assets dar. Nur zum geringen Anteil handelte es sich um Immobilien-Verbriefungen mit AAA-Rating. Und selbst dieses Rating war geschönt, da die Bestände eine Reihe von Hypotheken-Krediten mit Subprime-Qualität enthielten.
Mit dem Zusammenbruch des Subprime-Marktes wurden die Bestände der Conduits zunehmens wertlos. Der Markt für verbriefte Hypotheken-Kredite (ABS) brach gleichzeitig von $550 Mrd im Jahr 2007 auf $20 Mrd im Jahr 2009 völlig zusammen. Fast gleichzeitig standen die Märkte für kurzfristiges Kapital nicht mehr zur Verfügung. Die Bank musste die Verluste ausgleichen und für eine Refinanzierung der auslaufenden Kredite der Zweckgesellschaft sorgen.
Das führte im Falle der Sächsischen Landesbank zu einer konsolidierten Rettungs-Aktion und letztlich zum Ende deren Eigenständigkeit.
Der IWF schätzt, dass das Schattenbanken-System im Jahr 2007 einen Umfang von $10.000 Mrd angenommen hat. Davon war mehr als die Hälfte kurzfristig, zum großen Teil über ABCP ($1.200 Mrd) und Broker-Dealer REPO ($2.500 Mrd) finanziert.
Um das Banken-System zu stützen, haben die FED und andere Notenbanken über Programme, in denen die Notenbanken als Liquiditäts-Geber im Commercial Paper Market auftreten, das Conduit-Unwesen künstlich am Leben erhalten. Diese Zeitbombe tickt also weiterhin neben den Bilanzen des Bankensystems.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Kaum war mein gestriger Bericht mit den Worten Das Gold-Kartell hat heute schon einmal für die morgige Verkündung der Arbeitslosen-Zahlen für den Monat November geübt. Nach anfänglich neuen Rekord-Ständen oberhalb der Marke von $1.220 wurde Gold zum Nachmittag auf bis zu $1.205 gedrückt geschrieben, da setzte gestern die erste Drückungs-Welle im späten Access Handel ein (Gold-Kartell Plan C). Hiermit konnte man Gold um knapp $10 auf einen Schluss-Kurs von $1.207,50 drücken.
Im frühen asiatischen Handel und im Londoner Vormittags-Handel setzte sich die Preis-Drückung fort. Allerdings konnte die Marke von $1.200 noch verteidigt werden. Der A.M. Fix kam mit $1.203,25 (EUR 798,87) um $15 niedriger als noch zum gestrigen A.M. Fix zustande.
Bis zum Handelsbeginn an der COMEX blieb es ruhig. Als dann um 14:30 Uhr MEZ die Arbeitsmarkt-Zahlen für den Monat November vom Wahrheitsministerium BLS verkündet wurden, ging es bergab.
Beziehungsweise erst einmal ging es kräftig aufwärts für den US-Dollar im Vergleich zum Euro. Warum? Ich habe es im Bericht gestern wie folgt formuliert: Morgen nach Verkündung der Arbeitslosen-Zahlen um 14:30 Uhr MEZ werden wir wohl wieder einen steigenden Dollar-Kurs sehen. Warum? Weil sich die monetäre Viererbande darauf im Vorfeld verständigt hat.
Es ist eigentlich egal, ob die Arbeitsmarkt-Daten schlecht, mittel oder gut sind: Jedes mal steigt der Dollar kräftig und Gold fällt. Dementsprechend kommentieren die ahnungslosen Schreiberlinge den Rückgang entweder in die eine oder andere Richtung. Price Action makes Market Commentary !
Der P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ hielt sich trotz dieses Großangriffs noch vergleichsweise gut mit $1.190,25 (EUR 796,95). Ein Rückgang auf 24-Stundenbasis von $19. Das Gold-Kartell hat bis 16:00 Uhr ihren Plan A ausgeführt.
Aber wenn gestern die Aktion mit Plan C begann, dann fehlt jetzt nur noch die Ausführung von Plan B: Der Drückung im COMEX Future-Handel. Und diese ließ nicht lange auf sich warten. Kurz nach 16:00 Uhr wurde Gold in zwei Wellen zuerst unter die Marke von $1.180 und dann schließlich unter die Marke von $1.170 gedrückt. Verstärkt wurde diese Aktion mit einer zweiten Welle der Dollar-Hebung, die ebenfalls kurz nach 16:00 Uhr einsetzte. Der US-Dollar Index stand zu diesem Zeitpunkt bereits mit 75,5 um 0,9 Punkte höher.
Die seit Wochen steigenden Gold-Preise haben wohl eine Reihe von Spekulanten in den Markt getrieben, die bei jedem starken Preis-Rückgang in Panik ihre Positionen auflösen. Zusammen mit dem plötzlichen Einbruch am letzten Freitag um $50 wegen der Dubai-Krise, sollte diese Gruppe wohl aus den Markt herausgewaschen worden sein.
Gold beendete den Handel an der COMEX mit $1.169,00 um $48 niedriger als gestern.
Im Anschluss wurde erneut Plan C angewandt: Gold fiel weiter bis auf $1.150, bevor es sich wieder auf $1.161,00 befestigte.
Der USDX ist heute um astronomische 1,2 Punkte auf 75,8 gestiegen. Der Euro allein verlor heute gegenüber dem US-Dollar 1,3 Prozent, während der Yen sogar um 2,6 Prozent absackte. Die Spuren führen zu der monetären Viererbande, bestehend aus den Notenbank-Chefs der FED, der EZB, der BoJ und der BoE.
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"Die Börse reagiert nur zu 10% auf Fakten, der Rest ist Psychologie!" (Kostolany)
"Ein Dummkopf der zuviel weiß, ist gefährlicher als ein Unwissender!"