Was ist denn nu los mit den Deutschen Medien. Schreiben die hier ab oder woher kommt der Sinneswandel?
Kernschmelze des Geldes
Der globale Schuldenstrudel nimmt immer bedrohlichere Dimensionen an. Inzwischen geraten auch zentrale Volkswirtschaften wie Italien und die USA in den Sog der Krise. Doch in Europa wie in den USA scheint die Politik wie gelähmt. Wohin führt das alles? Ein Szenario für die nächsten Stufen der Krise.
Es sieht so aus, als habe das Endspiel begonnen. Nicht nur um den Euro, sondern um das internationale Finanzsystem insgesamt. Das mag auf den ersten Blick übertrieben erscheinen. Aber die Fakten lassen Schlimmes erwarten:
- Die USA flirten mit einer Staatspleite. Selbst wenn es doch noch zu einer Einigung kommen sollte, wird Amerikas Bonität durch das Gewürge der vergangenen Wochen dauerhaft beschädigt bleiben.
- In Europa greift die Vertrauenskrise von der Peripherie auf den Kern der Währungsunion über. Italien stellt einen Wendepunkt dar: Ein Land dieser Größe lässt sich nicht mehr mit den bisherigen Rettungsschirmen stabilisieren.
- Die demokratischen Systeme in vielen westlichen Ländern sind gelähmt. Finanziell wie politisch scheinen die Handlungsspielräume erschöpft.
- Als einzige staatliche Institutionen sind noch die Notenbanken handlungsfähig. Aber auch ihr Spielraum wird allmählich eng.
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Und nun?
Nun sind eigentlich nur noch die Notenbanken vollständig handlungsfähig. Die Vermutung liegt nahe, dass sie - entgegen anders lautender Beteuerungen - einspringen werden, falls die Zinsen für Staatsanleihen deutlich steigen. Nicht weil sie wollen, sondern weil ihnen am Ende gar nichts anderes übrig bleibt. Wenn die Banken große Abschreibungen vornehmen müssen, sind sie gezwungen ihre Kredite zurückzufahren; die Wirtschaft kann dann leicht in eine Kreditklemme und in eine sehr schmerzhafte Schuldendeflation abrutschen. Dieses sehr hässliche Szenario werden die Notenbanken mit aller Macht verhindern müssen - sie werden Bonds kaufen, um die langfristigen Zinsen zu drücken. Das läuft dann unter Euphemismen wie "Quantative Easing" (Fed) oder "Securities Market Programme" (EZB).
Zwar haben beide großen Notenbanken ihre Bond-Aufkauf-Programme eigentlich beendet, um ihre Unabhängigkeit und ihre Glaubwürdigkeit zu schützen. Aber diese Linie werden sie bei weiterem Fortschreiten der Krise kaum halten können. Dann werden sie vor der Frage stehen: Welches Ziel ist uns wichtiger - Geldwertstabilität oder Finanzmarktstabilität? Die Antwort wird eindeutig ausfallen: Niemand will Schuld sein an einem Komplettzusammenbruch. Also werden sie, solange es irgend geht, die Anleihemärkte stützen. Wenn Italien an den Rand gerät, wird auch die EZB nicht umhin können, italienische Anleihen zu kaufen. Ob sie will oder nicht.
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Werden also die Notenbanken die westliche Welt vor dem finanziellen Armageddon retten?
Eine zeitlang vielleicht. Doch je mehr die Qualität der Anleihen schwindet - je weiter die Bonität der Staaten erodiert -, desto mehr geraten die Notenbanken in die Klemme. Irgendwann müssten sie nämlich wertlose Assets gegen Geld tauschen.
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So könnte es laufen, das Endspiel. Und wo endet das Szenario?
Völlig losgelöst von der Realwirtschaft würden die Notenbanken die Wirtschaft mit Geld fluten und die größte Schuldenkrise der Geschichte auf bewährte Weise lösen: durch Inflation.
Wenn irgendwann die Preise zu steigen beginnen, werden die Notenbanken angesichts ihrer aufgeblähten Bilanzen die Inflationsdynamik kaum wieder einfangen können. Folgen: Schulden würden entwertet, Währungen ruiniert.
Danach beginnt ein neues Spiel. Nach neuen Regeln - vielleicht chinesischen.
http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/0,2828,774977-2,00.html
Der Zinseszinseffekt ist das achte Weltwunder.
Wer eine Wahrheit verbergen will, braucht sie nur offen auszusprechen - sie wird einem ja doch nicht geglaubt.