16.04.2011 Artikel senden | Drucken
Neue Hiobsbotschaft: Griechen ziehen Gelder bei ihren Banken ab
Udo Ulfkotte
Die deutschsprachigen Medien enthalten jenen, die mit ihren Steuergeldern gerade für Athener Schulden bürgen, derzeit offenkundig systematisch vor, was gerade in Griechenland passiert. Deutsche und Österreicher sind weitgehend ahnungslos.
Gerade brechen in Griechenland immer mehr Versicherungen zusammen. Jüngstes Beispiel ist die Versicherungsgesellschaft »Evropaiki Pronia AEGE« (Ευρωπαϊκή Πρόνοια ΑΕΓΑ). Das Unternehmen war in Griechenland seit 1995 auf dem Sektor der Schadenversicherungen tätig. Allein wegen dieses einen Versicherungsbankrotts haben 154.000 Griechen auf einen Schlag ihren Fahrzeug-Versicherungsschutz verloren. Ähnlich schlecht geht es den Telefongesellschaften, weil immer mehr Griechen ihre Rechnungen einfach nicht bezahlen. Wird die Leitung gekappt, dann wechseln sie einfach von einem Anbieter zum nächsten - eine Schufa-ähnliche Auskunftsstelle, die das verhindern könnte, gibt es auf diesem Gebiet in Griechenland nicht.
Es geht steil bergab in Griechenland: Das Privatisierungsprogramm in Höhe von 50 Milliarden Euro, dass die Geldgeber im Gegenzug für den Rettungsschirm von Athen haben wollten, gibt es auch weiterhin nur auf dem Papier. Die Steuereinnahmen gehen zurück. Griechenland schafft die Sparziele nicht - der Staatsbankrott rückt näher. Der griechische Finanzminister, Giorgos Papakonstantinou, gab sich in einem Interview gerade erst skeptisch, dass sein Land die Schuldenkrise meistern könne. Das sehen auch die einfachen griechischen Bürger. Und sie heben ihr Geld bei den Banken ab.
Vor etwa zwei Wochen setzte in Griechenland der Bankrun ein. Man spricht nicht groß darüber in anderen EU-Staaten, weil man Angst hat vor Nachahmern. Die Griechen haben seither Milliarden von ihren Konten abgehoben. Das verwundert kaum, denn die Lage ähnelt jener in Fukushima: Alle öffentlichen Stellen in Athen gestehen die Wahrheit nur scheibchenweise ein. Die Realität lautet: Das öffentliche Leben kommt in Griechenland immer mehr zum Stillstand, immer mehr Krankenhäuser werden beispielsweise über Nacht geschlossen, weil es am Nötigsten fehlt. So haben in Athen zwei Universitätskliniken den Betrieb eingestellt, weil man weder das Personal noch die Medikamente bezahlen kann. Den Sozialversicherungsträgern (in Griechenland sind Kranken- und Rentenklasse identisch) fehlen trotz aller Milliarden-Zuschüssen aus Brüssel schon wieder Milliarden. Und ein Ende ist nicht in Sicht, denn gerade erst haben sie bekannt gegeben, dass die Beitragseinnahmen schon wieder um 15 Prozent zurückgegangen sind.
Die Zinsen auf griechische Staatsanleihen explodieren. Sie liegen bei zwei Jahren Laufzeit jetzt schon bei 18,3 Prozent. Am 15. April 2011 deutete der IWF erstmals an, dass privaten Gläubigern Griechenlands Forderungsausfälle drohen. Der »Schuldenschnitt« wird demnach nicht erst für 2013, sondern schon in den kommenden Monaten erwartet. Zwischen 40 und 50 Prozent der Schulden werden Gläubiger dann nicht mehr von den Griechen zurückbekommen. Die Milliarden, mit denen Länder wie Deutschland oder Österreich für den Athener Rettungsschirm bürgen, müssen dann abgeschrieben werden.
Das einzige, was in Griechenland derzeit noch Zuwachszahlen verzeichnet, ist die Arbeitslosigkeit. Wie das griechische Statistikamt am Donnerstag mitteilte, ist die Arbeitslosigkeit jetzt auf 15,1 Prozent gestiegen, nach 14,8 Prozent im Januar 2011. Das ist der höchste Wert seit Beginn der monatlichen Statistik im Jahre 2004.
„Dass mehrere Minister neue Haushaltskürzungen für ihre Ministerien abgelehnt haben, trübt die bevorstehende Vorstellung des Stabilitätsprogramms 2012-2015“, berichtet die griechische Zeitung Ta Nea. Wie das Athener Blatt berichtet, herrscht innerhalb der Regierung ein immer gereizterer Ton. Jeder Minister droht mit Rücktritt, wenn in seinem Ministerium noch mehr Finanzmittel gekürzt werden. Die Koalition droht auseinanderzubrechen. Schon bald. Dann könnte das Land im Chaos untergehen, denn Neuwahlen fänden dann erst in sechs Monaten statt. Bis dahin wäre jeder Geldhahn zu.
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