Im Brennpunkt: die Feudalherrschaft
Die Themen:
Wer Geld geschickt verkauft,
erwirtschaftet damit Brot, denn Sklaven müssen Arbeiten.
Wir haben ein Urbild im deutschen
Mythos für diesen Griff nach dem Gold.
Für das nächste Jahr spinnt die Verordnungsmacht
neue Fäden. Es sind zwei Gegenstände
des alltäglichen Gebrauchs, die ins Visier
genommen wurden. Das eine ist ein relatives
Nischenprodukt für Gesundheitsbewusste,
und es ist bereits Gesetz: Ab 2009 macht sich
nicht nur der Vertreiber, sondern auch der Nutzer
eines CT1+-Telefons strafbar. Es handelt
sich bei diesem Gerätetyp um strahlungsarme
schnurlose Telefone. Der vorgebliche Grund ist
die Störung, die diese Geräte angeblich für Frequenzen
verursachen sollen, deren Nutzungsrechte
aktuell von der Handyfirma O2 erworben
wurden und die in Zukunft kräftig ausgebaut
werden sollen. In Wirklichkeit ist die elektronische
Emission der Geräte nicht größer als das
Störpotential eines gewöhnlichen PC. Zudem
liegt der Industrie daran – warum auch immer
– die gesunde Alternative zu blockieren und
stattdessen die DECT-Technologie zu forcieren.
Nun droht bereits die Bundesnetzagentur – eigentlich
eine Behörde für die Bürger, nun aber
als Handlangr der Wirtschaft – ab 2009 Peilwagen
in Marsch zu setzen, um die CT1+-Geräte
in Privathaushalten zu orten. Es sei mit Bußgeldern,
Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeit und
erheblichen Zusatzkosten für Personal- und
Materialaufwand zu rechnen. So leicht ist es
aktuell, ein Krimineller zu werden. Die einzige
Alternative sind die hinreichend bekannten,
meterlangen Schnurverwicklungen.
Der zweite Gegenstand, den die Verordnungshoheit
ins Auge gefasst hat und deren Verbot
sie plant, sind die gewöhnlichen Glühbirnen,
deren Lichtqualität dem natürlichen Licht nach
wie vor am nächsten kommt. Hierzu ist zweierlei
bemerkenswert: Einmal die Tatsache, dass
in Deutschland, was kaum realisiert wurde,
das Stromnetz von 220V auf 230V umgestellt
wurde, so dass die preiswerten Glühbirnen ausländischen
Fabrikats, die dafür nicht ausgelegt
sind, entsprechend schneller den Geist aufgeben.
Die teureren Inlandsprodukte, die dafür
angepasst wurden, hätten bei entsprechender
Informationslage der Bevölkerung sicher die
Statistik verändert. Die Energiesparbirnen, die
nun vorgeschrieben werden sollen – als Mittel
zum Zweck der individuellen Weltrettung –,
sind eine Art Ablasshandelsprodukt. Dem Anschein
ethischen Handelns, der damit – wenn
auch gezwungenermaßen – einhergeht, ist wiederum
eine Botschaft mitgegeben. Eine Art globales
schlechtes Weltgewissen wird installiert,
das uns zwingt, ihm willfährig zu sein. Bald
macht sich dann wohl auch der verschwenderische
Lichtnutzer herkömmlicher Glühbirnen
strafbar. Was unter den Tisch der Diskussion
fällt, ist der Abfall. Fleißig wird die Unschädlichkeit
der Energiesparbirnen betont, die jedoch
zugleich als Sondermüll entsorgt werden
müssen. Was auch kaum jemand weiß: Ihre
radioaktiv strahlenden Komponenten sind im
menschlichen Lebensraum angeblich völlig ungefährlich
und werden erst auf der Deponie freigesetzt.
Wer`s glaubt, ist selber schuld. Wer die
trübe, schmutzige Qualität dieses Lichts nicht
wahrnimmt, ebenso. Was eigentlich verblendet
wird, ist der gesunde Menschenverstand.
Das Ganze gemahnt inzwischen an ein Experiment,
wie weit die Bevormundung gehen kann,
ohne dass sich wirkungsvoller Protest zeigt. Ein
schrittweiser Abhärtungs- und Gewöhnungsvorgang:
Was wird morgen geboten sein?
Der Geist des Geldes
Alles zielt auf die Schwächung der Geisteskraft
des denkenden Menschen und auf die Deformation
des Ichgefühls mit der individuellen
Verantwortlichkeit für das eigene Tun. Darum
muss man denken üben und sei es nur zur Ermutigung
des Herzens und gegen den Stumpfsinn.
Manchmal führen probeweise eingeschlagene
Gedankengänge zu überraschenden
Wegbiegungen im Labyrinth der Nachrichten.
Gerade ist es das liebe Geld, das ausgiebig besprochen
wird. Der weltweite Kurssturz, der
Verlust von Werten, die Sanierungsmaßnahmen
... Wie kann man als Laie mitreden wollen? Hat
das unbefangene Denken überhaupt etwas zu
sagen zu diesem Thema? Warum nicht!
Geld ist als Erfindung zunächst ebenso eine Idee
wie Brot – letzteres als Getreidekultivierung
aus Wildgräsern, als Verarbeitungsprozess, als
Zeugnis menschlicher Geisteswerktätigkeit verstanden.
Die Idee von Brot hat sich im Lauf der
Zeit nicht wesentlich verändert, die von Geld
schon. Aus dem ursprünglichen Tauschmittel
Geld wurde zunehmend das »Lebensmittel«
Geld, dem nicht mehr ein realer Gegenwert in
Waren entspricht, sondern das selbst in abstrakter
Zahlengröße einsteht, für das, was es
ist: Geld, ein Eigenwert. Neuerdings begegnen
sich Geld und Brot auf dem Schauplatz der
Börse und scheinen dort ungeheuerlicher Weise
den gleichen Sachzwängen zu unterliegen.
Die Warentermingeschäfte, die Weizen- und
Reispreiswetten und Spekulationen der letzen
Zeit haben überdeutlich gezeigt, wie alle Roh
stoffe des Lebens inzwischen dem Zugriff des
Marktes ausgeliefert sind. Ob Öl oder Brot, es
handelt sich immer um Verbrennung, um Wärme
und Mobilität, also Energieprozesse. Deren
ursprüngliche naturgesetzliche Einbindung gilt
schon lange nicht mehr. Die Kräftewesen wurden
mittels menschlicher Phantasie aus ihrer
gesetzmäßigen Erscheinung gelöst und dem
sogenannten freien Kapitalfluss anvertraut.
Darin schwimmt alles – mit diesem Strom. Sogar
die menschliche Logik kehrt ihre Richtung
darin um. Gesundheit im Sinne des Marktes
ist identisch mit Zerstörung und Abbau, nicht
Aufbau von Potential. Ein Unternehmen wird
gut bewertet, nicht indem es etwas produziert
und damit Kundenbedürfnisse erfüllt, sondern
indem es Leute entlässt und Arbeitsplätze abbaut.
Wenn Strukturen zerschlagen werden
und Gelder eingespart, steigt der Aktienkurs. In
diesem Sinne wäre das wertvollste Unternehmen
eines, das gar nichts mehr herstellt oder
anbietet und sämtliche Kosten einspart – kurz:
ein Unternehmen, das schließt und sich selber
abschafft. Irrsinn, der aber das alltägliche
vernünftige Geschäftsgebaren des Geldmarktes
darstellt, nur in letzter Konsequenz logisch weiter
gedacht.
Die Macht dieses Marktes belehrt uns inzwischen,
wer sie ist und wer wir sind. Nach Öl
und Brot und Nahrungsmitteln kamen die Immobilien
dran. Menschliche Wohnung, Heimstatt,
das individuelle Zuhause: Es bewegt
sich plötzlich nach Maßgabe unergründlicher
Druck- und Zugkräfte wie ein Spielzeug, eine
Marionette an unsichtbaren Fäden, in unkenntlichen
Händen. Und auf einmal ist es weg das
Haus – zurück bleibt ein Obdachloser mit
Schulden. Auch Schulden sind wieder Geld
und Handlungsmasse – nur im Minusbereich
der Zahl. Kann man sich in Sicherheit bringen
vor dieser Macht, vorsorglich selbst Kapital bilden
und mitschwimmen im Fluss? Ja, dachte
man noch gestern; da zeigt sich flugs, dass nun
auch die Versicherungen und die Banken pleite
gehen. Die Geldorte, Geldhorte selbst werden
vom Geld verbrannt. Von der Gier nach seinem
Wachstum. Wir haben ein Urbild im deutschen
Mythos für diesen Griff nach dem Gold. Geld
und Macht sind längst verschmolzen und identisch
geworden.
Das deutsche Herr-der-Ringe-Epos ist die Nibelungesage.
Das Morden endet erst, nachdem
der Schatz im Rhein versenkt wird. Der Geist
des Geldes scheint heute so weit, dass er sogar
den alten Spruch – dass man Geld nicht essen
kann – widerlegt. Wer Geld geschickt verkauft,
erwirtschaftet damit Brot. Umgekehrt gilt das
nicht unbedingt. Der Brotproduktion kann jederzeit
der Garaus gemacht werden.
In den Strukturen der Spekulation könnte ein
Wesen Unterschlupf gefunden haben, gegen das
Rumpelstilzchen buchstäblich ein Waisenkind
ist. Das Grimmsche Männlein konnte bekanntlich
aus Stroh Gold spinnen. Der finstere Engel
des Marktes dagegen macht geradezu noch aus
Dreck, Geld. Aus dem nämlich, was tatsächlich
Abfallprodukt des menschlichen Geistes ist,
aus der Schattenseite des Phantasievermögens;
denn nichts anderes ist der Handlungsstoff der
Börsenkurse.
Der Name des Geldes
Es ist das Urvermögen des Menschen, die Dinge
und Wesen beim Namen zu nennen. In den
Apokryphen zum Alten Testament belehrt Gott
die Engel darüber, dass die ihnen überlegene
Weisheit des Menschen darin besteht, dass er
als einziger im Kosmos über diese Gabe und
Fähigkeit verfügt. Die menschliche Worttreue,
das Beim-Namen-Nennen (wodurch übrigens
auch Rumpelstilzchen überwunden wird), will
geübt sein, damit sie nicht ver(loren)geht. Nehmen
wir also die Nachricht vom Kursverlust
ruhig beim Wort. Was da verloren wurde, ist
das Unrechtgut des eingebildeten Geldes. Denn
wo sollte Gewinn im Sinne der Börse sonst
herkommen? Wer spekuliert, erhofft sich Gewinn
auf Kosten anderer. Dieser Gewinn ist verbrannt,
und Verlierer sind alle in diesem Spiel.
Nun rufen die Nachrichten wieder nach dem
Schiedsrichter. Die Staatsmacht wird angerufen,
neue Spielregeln zu erlassen. Aber Freiheit ist
nicht durch Reglementierung herstellbar. Das
einzige, was die wirkliche Freiheit des Marktes
begründen könnte, ist der Entschluss des in
dividuellen menschlichen Geistes zum brüderlichen
Handeln. In dieser Hinsicht können die
Nachrichten des dunklen Engels auch anders
gelesen werden. Verlorenes Geld, in dem die
falsche Hoffnung verbrannt wird, sich weiter
durch gegenseitige Ausbeutung bereichern zu
können. Wie schmerzlich und existentiell diese
Erfahrung noch werden muss, ehe Besinnung
eintritt, wird sich zeigen. Besinnung darauf,
dass im Kreislauf des Geldes als einziger wirklicher
Souverän das menschliche Wollen lebt.
Dein Wille geschehe, spricht der Dunkelengel
darin jedem von uns zu. Verlust ist ein indogermanisches
Wort und seine Wurzel bedeutet
neben dem Verlieren, auch freisprechen,
freikaufen, lösen. Wie lange es dauern wird,
bis wir das Wirtschaften von den Spielarten
menschlicher Bosheit erlösen, es befreien von
Mächten und Gemeinschaftsbildung begreifen
als Selbstbestimmung durch Machtverzicht?
Wie lange? So lange wir wollen!