Wie läuft eine derartige Manipulation in der Praxis auf globaler Ebene ab?
Größtenteils findet sie an den Futures-Märkten statt; ebenso am Londoner Over-the-Counter-Markt (OTC-Markt). Die verwendeten Mechanismen sind Goldswaps und -leasing zwischen Zentral- und Bullionbanken, zudem auch der Verkauf von Futureskontrakten.
Wir haben einige Blitzeinbrüche des Goldpreises erlebt, doch in letzter Zeit treten sie alle paar Wochen auf. Irgendjemand wird Goldfutures im Wert von einer Milliarde Dollar oder mehr an der New Yorker Börse los. Das kann nur von jemandem getan werden, der unendliche Ressourcen und Geld besitzt und natürlich starkes Interesse daran hat, den Goldpreis zu drücken.
Niemand, der daran interessiert ist, Geld zu machen, würde derartig viel Gold auf einmal verkaufen. Man würde es vielmehr nach und nach über eine bestimmte Zeitspanne hinweg verkaufen. Ich denke, dass diese Blitzeinbrüche unbestreitbarer Beweis für die Preisdrückung sind.
Gibt es irgendwelche öffentlichen Dokumente, die auf all das hindeuten?
Ja, in den Archiven des Finanzministeriums und der Federal Reserve gibt es allerhand Dokumente über Goldpreisdrückung als US-Politik. Jelle Zijlstra - ehemaliger Präsident der niederländischen Zentralbank, der zeitgleich als Präsident der BIZ diente - schrieb in seinen Memoiren, dass der Goldpreis schon immer auf Geheiß der Vereinigten Staaten mithilfe von internationalen Handlungen gedrückt worden sei.
Man kann dabei zurück in die 1960er Jahre reisen, als der Londoner Goldpool existierte und die Kontrolle des Goldpreises via internationaler Handlungen öffentlich dokumentiert und von der Bank of England (BoE) durchgeführt wurde.
Es gibt ein äußerst erstaunliches Transkript von einem Treffen im April 1974 zwischen Außenminister Henry Kissinger und Thomas Enders, assistierender Staatssekretär für Wirtschaft. Enders erklärte Kissinger, dass es die politische Agenda der US-Regierung sei, Gold aus dem weltweiten Finanzsystem zu treiben und europäische Regierungen daran zu hindern, das Metall auf irgendeine Art und Weise erneut zu monetisieren.
Der Zweck dieser Agenda sei es, den US-Dollar als weltweite Reservewährung zu unterstützen und - wenn nicht den Dollar - dann die Sonderziehungsrechte (SDR) des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Meine nächste Frage hat etwas mit Zentralbanken und ihrem Verbrauch von Gold zu tun. Seit 2010 waren sie Nettokäufer. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin größter Goldbesitzer des Planeten. Wie bringen wir das unter einen Hut? Wenn sie all dieses Gold besitzen, wäre es dann nicht entgegen ihres Eigeninteresses, den Preis zu drücken?
Vor einigen Jahren schien das für GATA noch ein Paradox zu sein, doch das glauben wir nicht mehr. Um den Goldpreis zu drücken, braucht man eine bestimmte Bestandsmenge, um den Markt nach unten zu drücken. Das kann man nicht alleine mit dem Aufbau von Short-Positionen erreichen, was man an den Futuresmärkten unternimmt. Man braucht zudem immer eine bestimmte Menge des Metalls, um die Illusion eines Goldmarktes zu erhalten. Da reicht es nicht, nur mit Papier zu handeln.
Die US-amerikanischen Volkswirtschaftler Paul Brodsky und Lee Quaintance schrieben vor einigen Jahren einen Bericht, der eine plausible Hypothese darüber aufstellte, was genau passiert. Die beiden vermuteten, dass es in den letzten Jahren an der Tagesordnung stand, die weltweiten Goldreserven unter den Zentralbanken zu verteilen, damit sich die Banken, die zu viel US-Dollar und Staatsanleihen besitzen, in Erwartung einer unausweichlichen Entwertung des Dollar und Aufwertung des Goldes, absichern können.
Zentralbanken, so behaupten die Zwei, greifen gemeinsam in die Futuresmärkte ein, um den Nominalpreis nach unten zu drücken und den Kauf von Gold zu vereinfachen. Sie würden es bevorzugen, die Öffentlichkeit aus dem Kauf des Metalls herauszuhalten.
www.goldseiten.de/artikel/...ldpreismanipulation.html?seite=2