Mit dem heutigen Beginn des Weltwirtschaftsforums in New York hat sich Manhattan in eine Festung verwandelt.
Unter massiver Polizeipräsenz und umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen hat am Donnerstag in New York das Weltwirtschaftsforum (WEF) begonnen.
Das Waldorf-Astoria-Hotel an der Park Avenue, wo die rund 3000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bis Montag tagen, war weiträumig abgesperrt, mehrere Hundertschaften der Polizei waren an jeder Straßenecke postiert. „Ich gehe davon aus, dass dieses Treffen friedlich abläuft. Und wenn nicht, werden wir damit schnellstens fertig werden und sie werden es noch nicht einmal merken“, sagte der frühere Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, der als Co-Vorsitzender an dem Forum teilnimmt.
Wie lassen sich Menschenketten aufbrechen?
Die New Yorker Polizei stellt sich auf Störaktionen von einigen tausend Globalisierungsgegnern ein. Wie vergangenes Jahr in Davos haben sich auch dieses Jahr Demonstranten angekündigt. Die New Yorker Polizei hat bereits geprobt, wie sich etwa Menschenketten aufbrechen lassen und wie Angriffe auf Autokolonnen vermieden werden können.
Die Allianz „Another World Possible“ (Eine andere Welt (ist) möglich) hat rund 80 Gruppen zu Demonstrationen beim WEF-Treffen aufgerufen.
Im vergangenen Jahr hatte die Polizei in Davos Wasserwerfer gegen rund 1.000 Demonstranten eingesetzt.
Die größten Protestaktionen waren für Freitag vorgesehen.
Der deutsche Forumsgründer Klaus Schwab wollte die Teilnehmer zusammen mit dem Gouverneur des Bundesstaates New York, George Pataki, nach mitteleuropäischer Zeit in der Nacht auf Freitag offiziell zum diesjährigen Forum begrüßen.
Iran verärgert
Iran sagte seine Teilnahme wegen der jüngsten Vorwürfe von US-Präsident George W. Bush ab. Wie der iranische Nachrichtensender Khabar berichtet, wirft Außenminister Kamal Charrasi den Amerikanern außerdem ein erniedrigendes Verhalten bei der Erteilung von Visa für die iranische Delegation vor.
Bei einer ersten Podiumsdiskussion über die Bedrohung des Weltfriedens durch den Terrorismus und instabile Regime forderten mehrere Wissenschaftler konzertierte Anstrengungen zur Stärkung der Demokratie weltweit.
Den Vorwurf der Arroganz, mit der anderen Kulturen westliche Wertesysteme aufgezwängt werden sollten, wies der ehemalige australische Außenminister Gareth Evans zurück. „Das ist keine Arroganz, Demokratie funktioniert einfach. Sie trägt dazu bei, die Welt sicherer zu machen“, sagte Evans, der heute in Belgien die „International Crisis Group“ leitet.
Zivile Globalisierung
Alain Dieckhoff, Forschungsdirektor des französischen CERI-Instituts für internationale Studien, forderte mehr gemeinsame internationale Anstrengungen, um Konflikte zu entschärfen. „Es gibt eine Globalisierung des Terrors, darauf muss mit einer zivile Globalisierung reagiert werden“, sagte Dieckhoff.
Er nannte als Beispiel den geplanten internationalen Gerichtshof, der unter anderem von den USA abgelehnt wird. „Lasst uns Strukturen bauen, um zu regulieren, was in der Welt passiert“, sagte Diekhoff.
Die Teilnehmer des Forums wollen sich bis nächsten Montag in Podiumsdiskussionen und Arbeitskreisen mit Problemen befassen, die das Forum nach den Terroranschlägen vom 11. September auf die Tagesordnung gesetzt hat: Wie kann ein Kampf zwischen den Kulturen abgewendet werden, wie können die Anforderungen an eine noch engere Vernetzung der Welt mit den neuen Sicherheitsbedürfnissen in Einklang gebracht werden, welche Wachstumsimpulse gibt es in Zeiten einer weltweiten Wirtschaftsflaute.
„Es ist das erste große Treffen von Entscheidungsträgern seit dem 11. September. Die Leute werden erwarten, hier eine Vision oder zumindest eine Vorstellung dessen zu bekommen, wie es weiter geht in dieser neuen Welt“, sagte Schwab.
Zum ersten Mal in 31 Jahren findet das Weltwirtschaftsforum nicht im Schweizerischen Davos sondern in New York statt.
Schwab begründete die Verlegung mit der Solidarität zu New York, wo am 11. September mehr als 3000 Menschen bei Anschlägen mit entführten Passagierflugzeugen gestorben waren.
Das Hotel liegt rund fünf Kilometer vom Trümmerfeld des World Trade Center entfernt. Zur Bedeutung der Globalisierung nach dem 11. September wird Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag eine Rede vor dem Forum halten.
Ideen sammeln, lernen, Ideen hervorbringen
Schwab nannte am Mittwoch die Entscheidung für New York als „die richtige Entscheidung für den richtigen Tagungsort zur richtigen Zeit“. Die Teilnehmer kämen, um „in einer Art riesigen Schmelztiegel“ Ideen zu sammeln, um zu lernen, um Ideen hervorzubringen.
Schwab hatte das Weltwirtschaftsforum 1971 gegründet, damit Gewerkschaftschefs, Politiker und Unternehmer miteinander in Kontakt kommen könnten. Zudem sollte sich Europa damit gegen die industrielle Macht der USA behaupten können.
Neben Bundeskanzler Schröder werden nach Angaben der Bundesregierung auch Bundesinnenminister Otto Schily, Bundesfinanzminister Hans Eichel sowie Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser am WEF teilnehmen.
Schröders Ziel ist es nach den Angaben, nach den Anschlägen vom 11. September einen Beitrag zum Dialog der Kulturen zu leisten und die Chancen der globalen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung auszuloten.
US-Unternehmenssektor verlor Selbstvertrauen
Das diesjährige Weltwirtschaftsforum wird unter besonderer Beobachtung stehen, da die weltweiten Aktienmärkte alles andere als heiter aussehen. Zudem hat die unternehmerische Macht der USA an Selbstvertrauen verloren, seitdem Industriegrößen wie Bethlehem Steel, Enron und Kmart Corp unter Gläubigerschutz arbeiten.
Andererseits haben die jüngsten US-Wachstumszahlen positiv überrascht, und weltweit Hoffnungen auf eine schnellere konjunkturelle Belebung geweckt.
Das Motto des diesjährigen Treffens im Hotel Waldorf Astoria lautet „Führung in unsicheren Zeiten“. Darüber wollen sich rund 1.000 Teilnehmer austauschen.
Offiziell stehen Fragen zur Sicherheit der zivilen Gesellschaft und zur Verständigung der Kulturen ganz oben auf der Tagesordnung. Für Donnerstag sind Sitzungen zur Lage der Weltwirtschaft, zu Fragen der globalen Sicherheit und zur Frage, wie die Kluft zwischen Arm und Reich verringert werden kann, angesetzt.
Doch eigentlich ginge es beim Weltwirtschaftsforum darum, Kontakte zu knüpfen, sagt John Gutfreund von der US-Anlagebank Unterberg and Towbin. Vergangenes Jahr beispielsweise handelten Finanzinvestor George Soros und CNN-Gründer Ted Turner eine Beteiligung an Turners Gebot für den Kauf eines russischen Fernsehsenders aus: Soros erklärte sich bereit, das Gebot mit 300 Millionen Dollar zu unterstützen.
Biotop für Geschäftsideen
„Viele Geschäftsideen entwickeln sich bei diesem Treffen“, sagt Joanna Gallanter, Gründerin von Venture Strategy Partners. Gallanter, ehemals als Unternehmerin im Silicon Valley tätig, arbeitet inzwischen an einem Projekt in Nigeria. Die Idee dafür entstand bei dem WEF-Treffen vergangenes Jahr.
Wie viel in New York letztlich erreicht wird, bleibt für einige aber fraglich. Die Schweiz eigne sich besser als New York als Tagungsort, sagte Gutfreund. „In New York gibt es zu viele Kneipen und Shows."
(sueddeutsche.de/Reuters/dpa)
Unter massiver Polizeipräsenz und umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen hat am Donnerstag in New York das Weltwirtschaftsforum (WEF) begonnen.
Das Waldorf-Astoria-Hotel an der Park Avenue, wo die rund 3000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bis Montag tagen, war weiträumig abgesperrt, mehrere Hundertschaften der Polizei waren an jeder Straßenecke postiert. „Ich gehe davon aus, dass dieses Treffen friedlich abläuft. Und wenn nicht, werden wir damit schnellstens fertig werden und sie werden es noch nicht einmal merken“, sagte der frühere Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, der als Co-Vorsitzender an dem Forum teilnimmt.
Wie lassen sich Menschenketten aufbrechen?
Die New Yorker Polizei stellt sich auf Störaktionen von einigen tausend Globalisierungsgegnern ein. Wie vergangenes Jahr in Davos haben sich auch dieses Jahr Demonstranten angekündigt. Die New Yorker Polizei hat bereits geprobt, wie sich etwa Menschenketten aufbrechen lassen und wie Angriffe auf Autokolonnen vermieden werden können.
Die Allianz „Another World Possible“ (Eine andere Welt (ist) möglich) hat rund 80 Gruppen zu Demonstrationen beim WEF-Treffen aufgerufen.
Im vergangenen Jahr hatte die Polizei in Davos Wasserwerfer gegen rund 1.000 Demonstranten eingesetzt.
Die größten Protestaktionen waren für Freitag vorgesehen.
Der deutsche Forumsgründer Klaus Schwab wollte die Teilnehmer zusammen mit dem Gouverneur des Bundesstaates New York, George Pataki, nach mitteleuropäischer Zeit in der Nacht auf Freitag offiziell zum diesjährigen Forum begrüßen.
Iran verärgert
Iran sagte seine Teilnahme wegen der jüngsten Vorwürfe von US-Präsident George W. Bush ab. Wie der iranische Nachrichtensender Khabar berichtet, wirft Außenminister Kamal Charrasi den Amerikanern außerdem ein erniedrigendes Verhalten bei der Erteilung von Visa für die iranische Delegation vor.
Bei einer ersten Podiumsdiskussion über die Bedrohung des Weltfriedens durch den Terrorismus und instabile Regime forderten mehrere Wissenschaftler konzertierte Anstrengungen zur Stärkung der Demokratie weltweit.
Den Vorwurf der Arroganz, mit der anderen Kulturen westliche Wertesysteme aufgezwängt werden sollten, wies der ehemalige australische Außenminister Gareth Evans zurück. „Das ist keine Arroganz, Demokratie funktioniert einfach. Sie trägt dazu bei, die Welt sicherer zu machen“, sagte Evans, der heute in Belgien die „International Crisis Group“ leitet.
Zivile Globalisierung
Alain Dieckhoff, Forschungsdirektor des französischen CERI-Instituts für internationale Studien, forderte mehr gemeinsame internationale Anstrengungen, um Konflikte zu entschärfen. „Es gibt eine Globalisierung des Terrors, darauf muss mit einer zivile Globalisierung reagiert werden“, sagte Dieckhoff.
Er nannte als Beispiel den geplanten internationalen Gerichtshof, der unter anderem von den USA abgelehnt wird. „Lasst uns Strukturen bauen, um zu regulieren, was in der Welt passiert“, sagte Diekhoff.
Die Teilnehmer des Forums wollen sich bis nächsten Montag in Podiumsdiskussionen und Arbeitskreisen mit Problemen befassen, die das Forum nach den Terroranschlägen vom 11. September auf die Tagesordnung gesetzt hat: Wie kann ein Kampf zwischen den Kulturen abgewendet werden, wie können die Anforderungen an eine noch engere Vernetzung der Welt mit den neuen Sicherheitsbedürfnissen in Einklang gebracht werden, welche Wachstumsimpulse gibt es in Zeiten einer weltweiten Wirtschaftsflaute.
„Es ist das erste große Treffen von Entscheidungsträgern seit dem 11. September. Die Leute werden erwarten, hier eine Vision oder zumindest eine Vorstellung dessen zu bekommen, wie es weiter geht in dieser neuen Welt“, sagte Schwab.
Zum ersten Mal in 31 Jahren findet das Weltwirtschaftsforum nicht im Schweizerischen Davos sondern in New York statt.
Schwab begründete die Verlegung mit der Solidarität zu New York, wo am 11. September mehr als 3000 Menschen bei Anschlägen mit entführten Passagierflugzeugen gestorben waren.
Das Hotel liegt rund fünf Kilometer vom Trümmerfeld des World Trade Center entfernt. Zur Bedeutung der Globalisierung nach dem 11. September wird Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag eine Rede vor dem Forum halten.
Ideen sammeln, lernen, Ideen hervorbringen
Schwab nannte am Mittwoch die Entscheidung für New York als „die richtige Entscheidung für den richtigen Tagungsort zur richtigen Zeit“. Die Teilnehmer kämen, um „in einer Art riesigen Schmelztiegel“ Ideen zu sammeln, um zu lernen, um Ideen hervorzubringen.
Schwab hatte das Weltwirtschaftsforum 1971 gegründet, damit Gewerkschaftschefs, Politiker und Unternehmer miteinander in Kontakt kommen könnten. Zudem sollte sich Europa damit gegen die industrielle Macht der USA behaupten können.
Neben Bundeskanzler Schröder werden nach Angaben der Bundesregierung auch Bundesinnenminister Otto Schily, Bundesfinanzminister Hans Eichel sowie Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser am WEF teilnehmen.
Schröders Ziel ist es nach den Angaben, nach den Anschlägen vom 11. September einen Beitrag zum Dialog der Kulturen zu leisten und die Chancen der globalen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung auszuloten.
US-Unternehmenssektor verlor Selbstvertrauen
Das diesjährige Weltwirtschaftsforum wird unter besonderer Beobachtung stehen, da die weltweiten Aktienmärkte alles andere als heiter aussehen. Zudem hat die unternehmerische Macht der USA an Selbstvertrauen verloren, seitdem Industriegrößen wie Bethlehem Steel, Enron und Kmart Corp unter Gläubigerschutz arbeiten.
Andererseits haben die jüngsten US-Wachstumszahlen positiv überrascht, und weltweit Hoffnungen auf eine schnellere konjunkturelle Belebung geweckt.
Das Motto des diesjährigen Treffens im Hotel Waldorf Astoria lautet „Führung in unsicheren Zeiten“. Darüber wollen sich rund 1.000 Teilnehmer austauschen.
Offiziell stehen Fragen zur Sicherheit der zivilen Gesellschaft und zur Verständigung der Kulturen ganz oben auf der Tagesordnung. Für Donnerstag sind Sitzungen zur Lage der Weltwirtschaft, zu Fragen der globalen Sicherheit und zur Frage, wie die Kluft zwischen Arm und Reich verringert werden kann, angesetzt.
Doch eigentlich ginge es beim Weltwirtschaftsforum darum, Kontakte zu knüpfen, sagt John Gutfreund von der US-Anlagebank Unterberg and Towbin. Vergangenes Jahr beispielsweise handelten Finanzinvestor George Soros und CNN-Gründer Ted Turner eine Beteiligung an Turners Gebot für den Kauf eines russischen Fernsehsenders aus: Soros erklärte sich bereit, das Gebot mit 300 Millionen Dollar zu unterstützen.
Biotop für Geschäftsideen
„Viele Geschäftsideen entwickeln sich bei diesem Treffen“, sagt Joanna Gallanter, Gründerin von Venture Strategy Partners. Gallanter, ehemals als Unternehmerin im Silicon Valley tätig, arbeitet inzwischen an einem Projekt in Nigeria. Die Idee dafür entstand bei dem WEF-Treffen vergangenes Jahr.
Wie viel in New York letztlich erreicht wird, bleibt für einige aber fraglich. Die Schweiz eigne sich besser als New York als Tagungsort, sagte Gutfreund. „In New York gibt es zu viele Kneipen und Shows."
(sueddeutsche.de/Reuters/dpa)