Weiterer Konzernchef von Investoren abgesetzt


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quantas:

Weiterer Konzernchef von Investoren abgesetzt

 
05.06.05 10:11

Kaum hat der unverhofft ausgebrochene Wahlkampf in Deutschland die «Heuschrecken» aus der wirtschaftspolitischen Debatte vertrieben, da macht erneut ein angelsächsischer Finanzinvestor Furore.

Die Hauptversammlung des im Mittelwerte- Index M-DAX aufgeführten Industriekonzerns IWKA hat am Freitag dem Vorstand die Entlastung knapp verweigert. Kurz zuvor hatte Konzernchef Hans Fahr nach neun Jahren den Rücktritt erklärt.

Fahr und die ganze Konzernleitung waren vom amerikanischen Investor Guy Wyser-Pratte, der gut 6% der Aktien hält, scharf kritisiert worden, weil der Konzern angeblich die falsche Strategie fahre, zu wenig profitabel sei und einzelne Kunden begünstige. Zudem forderte der Investor die Abwahl von zwei Aufsichtsräten, darunter der frühere DaimlerChrysler- Vorstand Jürgen Hubbert.

Nicht nur durch den erzwungenen Rücktritt weist der Fall IWKA - immerhin ein Unternehmen mit 13 000 Mitarbeitern und 2,4 Mrd. Euro Umsatz - verblüffende Parallelen zu den jüngsten Vorgängen um die Deutsche Börse auf.

Die Konzernleitung hat die Vorwürfe zurückgewiesen und, wie die Börse, das Festhalten an der Strategie bekräftigt; die Abwahl der Aufsichtsräte gelang nicht.
Wie bei der Börse erscheint die Notwendigkeit eines Strategiewechsels fraglich, da IWKA mit einer Betriebsmarge von 5% und einer Kapitalrendite (Roce) von 15% zu den profitableren deutschen Industriekonzernen gehört; die Interessen des Investors werden nicht ganz klar. Allerdings weinte der Markt dem abgetretenen Konzernchef keine Träne nach und bewertete die Aktie um 2% höher - auch das erinnert an die Deutsche Börse.

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Kicky:

Milliardär Wyser Pratt mit 6,6% Stimmanteil

 
05.06.05 12:07
Der US-Investor Guy Wyser-Pratte hat Gerüchten widersprochen, er plane die Zerschlagung des im M-Dax gelisteten Maschinen- und Anlagenherstellers
Der Milliardär, mit 6,6 Prozent an IWKA beteiligt, ist ein scharfer Widersacher des Vorstands. Der Amerikaner fordert eine stärkere Konzentration des Konzerns, der 2,35 Milliarden Euro Umsatz erzielt, auf die mit 400 Millionen Euro vergleichsweise kleine Robotertechnik. Entnervt vom Clinch mit dem Großaktionär war der bisherige IWKA-Vorstandschef Hans Fahr kurz vor Beginn der Hauptversammlung überraschend mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.

Wyser-Pratte hatte in einem Gegenantrag zur Hauptversammlung angekündigt, dem Vorstand die Entlastung verweigern zu wollen. Der US-Investor sagte, Fahrs Rücktritt sei richtig gewesen. Er wünsche dem Manager für die Zukunft alles Gute. Weitere Umbesetzungen im Vorstand forderte Wyser-Pratte nicht. Er erneuerte allerdings seine Kritik, der IWKA-Vorstand habe die «Perle» Robotertechnik in der Vergangenheit schlecht geführt. Umsatzpotenziale außerhalb Europas seien vernachlässigt worden.
Auf der Hauptversammlung hatte er den Gegenantrag gestellt, Aufsichtsratschef Reinhard Engel und Aufsichtsrat Jürgen Hubbert abwählen zu lassen. Wie IWKA mitteilte, boten Engel und Hubbert ihren Rücktritt an, die übrigen Mitglieder des Kontrollgremiums hätten beide aber gebeten, «im Interesse des Unternehmens im Aufsichtsrat zu verbleiben».

IWKA kündigte an, möglicherweise gegen bestimmte Äußerungen von Wyser-Pratte rechtlich vorzugehen. Der US-Investor habe in Interviews die Behauptung aufgestellt, «die IWKA-Quartalszahlen, insbesondere des Geschäftsbereiches Robotertechnik, seien manipuliert worden». Finanzvorstand Hans Lampert verwahrte sich auf der Hauptversammlung gegen diese Vorwürfe. Er verteidigte zudem die Strategie mit drei Geschäftsbereichen als richtig. Wyser-Pratte erwiderte am Rednerpult, einer Klage sehe er gelassen entgegen: «Sie wissen: So leicht fürchte ich mich nicht.»

Er verteidigte sein Vorgehen bei der M-Dax-Gesellschaft. Er wisse, dass es in der deutschen Aktienkultur eher ungewöhnlich sei, eine Kampfabstimmung gegen das eigene Management anzustreben. Er sei seit 40 Jahren Investor und seit 20 Jahren in Europa aktiv. «Für uns ist Shareholder Value keine leere Phrase.»

Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte indes den Vorstoß des US-Großinvestors. Er habe den Eindruck, dass hier eine «schnelle Mark» gemacht werden solle. Wyser-Pratte habe kein Interesse an der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens.

«Wir spielen hier nicht Monopoly. Es geht nicht um die Schlossallee, sondern um das Unternehmen, die Aktionäre und die Mitarbeiter», so der DSW-Vertreter. Wyser-Pratte schade dem Ruf von IWKA und habe selbst nur «nebulöse» Strategien im Angebot. Auch der Aktionärsschützer wies den Vorwurf der Bilanzmanipulation zurück. Ein erboster Kleinaktionär gab dem US-Milliardär noch den Anlagetipp: «Wenn sie zocken wollen, gehen sie ins Kasino nach Baden-Baden.» (nz)
www.netzeitung.de/wirtschaft/unternehmen/342065.html
und hier nähere Einzelheiten zu IWKA:                          boerse.ard.de/content.jsp?go=meldung&key=dokument_106126
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Kicky:

Gerüchte um Zerschlagung von IWKA

 
05.06.05 23:22
Karlsruhe - Die Turbulenzen beim Karlsruher Maschinenbauer IWKA werden dessen Ergebnis-Zahlen in diesem Jahr belasten. Denn allein der Sturz des Konzernchefs Hans Fahr wird das Unternehmen zwischen drei und fünf Mio. Euro kosten. Nach Informationen der WELT erhält Fahr seinen noch knapp vier Jahre laufenden Vertrag als Abfindung ausgezahlt, zudem noch Sonderzahlungen. Dies soll sich Fahr vom Aufsichtsratschef Reinhard Engel bereits zugesichert haben lassen, heißt es aus dem Gremium. In den nächsten zwei Wochen fänden bereits Verhandlungen über einen Abfindungsvertrag statt. Fahr stand seit 1996 an der Spitze des MDax-Wertes. Das Unternehmen kommentierte die Zahlen nicht.


Fahr war am Freitag überraschend auf Druck ausländischer Fondsgesellschaften und Privatinvestoren zurück getreten. Auch aus dem Aufsichtsrat selbst wurde "Fahr zum Rückzug ermuntert", sagte ein Mitglied des Kontrollorgans. Der Konzernchef wollte an der Drei-Säulen-Strategie festhalten, Großaktionäre hingegen forderten die Fokussierung auf einen Geschäftsbereich.


Dieses Zerschlagungs-Szenario erhält nun neue Nahrung. Denn der britische Vermögensverwalter Hermes fordert nach dem Rücktritt von Fahr in einer ersten Reaktion, daß "die Strukturen des Konzerns ohne vorgefertigte Meinung auf den Prüfstand gestellt werden", heißt es in London. Ziel der Überprüfung müsse sein, eine "nachhaltige operative Verbesserung zu erzielen." Denn es sein klar, daß IWKA derzeit unter operativen und strategischen Management-Schwächen leide, "die die Profitabilität des Konzerns belasten und Arbeitsplätze gefährden".


Nachbesserungen fordert Hermes-Manager Stefan Howaldt vor allem bei der wichtigen Robotersparte. Hier müßten die in der Vergangenheit vernachlässigten Investitionen nachgeholt werden. Gleiches gelte für den Geschäftsbereich Antriebstechnik. Offen ließ der Aktionär aber, was mit der Verpackungssparte geschehen soll. Hermes hatte bereits in der Vergangenheit Strategie-Konzepte vorgelegt und mit dem Vorstand diskutiert - anders etwa als der Wortführer der rebellierenden Fonds Wyser-Pratte. Er zielte vor allem auf eine Steigerung des Aktienkurses durch offene Kritik ab.


Zusammen haben Hermes, Wyser-Pratte und der US-Hedge-Fonds K Capital am späten Freitag abend die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat verweigert. 51 und 52 Prozent des anwesenden Aktienkapitals hatten gegen die Entlastung votiert.
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