Kaum hat der unverhofft ausgebrochene Wahlkampf in Deutschland die «Heuschrecken» aus der wirtschaftspolitischen Debatte vertrieben, da macht erneut ein angelsächsischer Finanzinvestor Furore.
Die Hauptversammlung des im Mittelwerte- Index M-DAX aufgeführten Industriekonzerns IWKA hat am Freitag dem Vorstand die Entlastung knapp verweigert. Kurz zuvor hatte Konzernchef Hans Fahr nach neun Jahren den Rücktritt erklärt.
Fahr und die ganze Konzernleitung waren vom amerikanischen Investor Guy Wyser-Pratte, der gut 6% der Aktien hält, scharf kritisiert worden, weil der Konzern angeblich die falsche Strategie fahre, zu wenig profitabel sei und einzelne Kunden begünstige. Zudem forderte der Investor die Abwahl von zwei Aufsichtsräten, darunter der frühere DaimlerChrysler- Vorstand Jürgen Hubbert.
Nicht nur durch den erzwungenen Rücktritt weist der Fall IWKA - immerhin ein Unternehmen mit 13 000 Mitarbeitern und 2,4 Mrd. Euro Umsatz - verblüffende Parallelen zu den jüngsten Vorgängen um die Deutsche Börse auf.
Die Konzernleitung hat die Vorwürfe zurückgewiesen und, wie die Börse, das Festhalten an der Strategie bekräftigt; die Abwahl der Aufsichtsräte gelang nicht.
Wie bei der Börse erscheint die Notwendigkeit eines Strategiewechsels fraglich, da IWKA mit einer Betriebsmarge von 5% und einer Kapitalrendite (Roce) von 15% zu den profitableren deutschen Industriekonzernen gehört; die Interessen des Investors werden nicht ganz klar. Allerdings weinte der Markt dem abgetretenen Konzernchef keine Träne nach und bewertete die Aktie um 2% höher - auch das erinnert an die Deutsche Börse.