Wachstumsmotor läuft sich langsam warm
IT- und Telekommunikationsmarkt: Branchenverbände optimistisch - Investitionsstau in den Unternehmen löst sich nach Jahren aufVDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 10. 04 -Die Informations- und Telekommunikationsindustrie (ITK) hat sich vom Krankenlager erhoben. Studien von Industrieverbänden bescheinigem dem Markt wieder überdurchschnittliches Wachstum. Schon das laufende Jahr will die ITK-Branche mit einem Umsatzplus von 2,5 % abschließen. Wachstumsträger sind IT-Services, Software und Mobilfunkdienste.
Die deutsche Informations- und Telekommunikationsindustrie (ITK) erholt sich langsam. Nach dem Verlust von 2,5 % im Jahr 2002 und einem nur geringen Umsatzzuwachs von 0,2 % in 2003 will die Branche in diesem Jahr ein Plus von 2,5 % erreichen. "Im nächsten Jahr gehen wir sogar von einem Wachstum von 3,4 % aus", meint Dr. Axel Pols, Chefvolkswirt vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) in Berlin."In den vergangenen Jahren haben die Unternehmen sich mit Investitionen zurückgehalten. Jetzt hat die ITK-Branche den Wachstumsmotor wieder angeworfen", kommentiert Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des EITO (European Information Technology Observatory) anlässlich der Vorstellung der neuesten Daten für Europa. Hier sehen die Zahlen sogar noch besser aus: Laut einer Studie, die am Mittwoch vorgestellt wurde, rechnet EITO für dieses Jahr mit einem Umsatzwachstum von 3 % auf 611 Mrd. €. Im nächsten Jahr soll das Wachstum sogar 4 % betragen (636 Mrd. €). Damit wächst der westeuropäische Markt für Informationstechnik und Telekommunikation schneller als die westeuropäische Gesamtwirtschaft.
"Unsere Erhebungen zeigen, dass sich der Investitionsstau in den Firmen allmählich auflöst", formuliert es Pols. Laut dem Branchenverband Bitkom sollen hierzulande zwar Hardware (+1,9 %) und Telekommunikationsdienste (+3,2 %) im nächsten Jahr nur moderat wachsen sollen, dafür geben IT-Services (+4,4 %) und Software (+5,5 %) dem Markt entscheidende Impulse. Das Wachstum 2004 und 2005 werde sowohl durch steigende Nachfrage bei Unternehmen als auch von Privatpersonen generiert.
Der Bitkom hat auch schon die Renner im Hardwaregeschäft ausgemacht. Vor allem MP3-Player (+276 %), Flachbildschirme und Projektions-TV (+109 %) und digitale Fotoapparate (+18 %) haben im ersten Halbjahr kräftig zugelegt. Generell hat der Umsatz mit digitalen Geräten (6,1 Mrd. €) 2004 um 15 % gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Der Markt analoger Produkte ging dagegen um 16 % zurück auf 3,6 Mrd. €.
Der VATM, in dem sich die Konkurrenten der Deutschen Telekom formiert haben, weiß, woran der Markt für Telekommunikationsdienste krankt. Zwar habe, so erklärte Arcor-Chef Harald Stöber Ende vergangener Woche, der DSL-Markt durch die hohe Nachfrage nach breitbandigen Internetdiensten neue Impulse erhalten, doch das Vormachtsmonopol sei weiterhin ungebrochen. Telekomtochter T-Com hält bei direkt geschalteten DSL-Anschlüssen immer noch einen Marktanteil von 86 % (5,7 Mio.).
"Dabei wird sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunkbereich das Marktwachstum wesentlich von den neuen Wettbewerbern getrieben", so Stöber. Sie wollen in diesem Jahr ihren Anteil am Gesamtmarkt um 2,5 Mrd. € auf 28,7 Mrd. € steigern und nähern sich damit sukzessive dem Umsatzvolumen des Ex-Monolisten.
Cash-Kuh der Telekom-Konkurrenten sind allerdings weniger die Festnetzdienste, sondern zu rund zwei Dritteln die Mobilfunkdienste. Und sie dürften es auch bleiben.
Schon 2004 bzw. 2005 soll laut Bitkom mit Mobiltelefondiensten 22,6 Mrd. € bzw. 24,2 Mrd. € umgesetzt werden. Datendienste wie SMS & Co. machen dabei zurzeit einen Anteil von über 19 % aus - Tendenz steigend.
Auch im Festnetz werden zunehmend die Datendienste zu Umsatzträgern. Sprachdienste dagegen verlieren schon seit Jahren: Setzte die deutsche ITK-Branche in 2003 noch 20,6 Mrd. € um, so sind es 2004 nur noch 20,3 Mrd. €. Im nächsten Jahr werden weitere 400 Mio. € weniger im Säckel sein.
Diese Entwicklung wird die Deutsche Telekom zu spüren bekommen - kommen doch drei Viertel ihrer Einnahmen (34,2 Mrd. € in 2004) aus dem Festnetz. "Wir können optimistisch in die Zukunft schauen", bekräftigt VATM-Vize Stöber. Der Telekommunikationsmarkt werde jedoch auf absehbare Zeit nicht ohne Regulierungseingriffe auskommen. Schließlich seien die bisherigen Entwicklungen ausschließlich in einem regulierten Marktumfeld erzielt worden.
R. BÖNSCH/ P. KELLERHOFF
www.bitkom.org
www.eito.com