Hallo!
eigentlich bin ich eher auf dem wallstreet-onlin-Forum aktiv. Ich bin überrascht, dass hier auch eine rege und gute Diskussion stattfindet.
Ich fass kurz zusammen was ich letzte Woche dort geschrieben habe (kritik erwünscht):
FUNDAMENTAL:
Am 3.Juni veröffentlichte k+s eine neue Prognose fürs Gesamtjahr bei der "mindestens 1,1 Mrd Euro" erwartet werden. Geteilt Durch die Aktienanzahl wären das 26,7 Euro pro Aktie. Das entspricht einem diesjährigem KGV von nur 11 (bei 300 euro).
Allerdings hat der Vorstand im Interview vor wenigen Tagen durchblicken lassen, dass eine weitere Gewinnprognosen erhöhung nach den Quartalszahlen möglich wäre. Seit dem 3. Juni sind die Kalipreise ja auch weiter gestiegen. Realistisch könnte wohl ein Gewinn von 28-30 Euro pro Aktie sein. Das wäre dann nur noch ein kgv von 10.
Bei etwa gleichbleibenden Kalipreisen von 900 bis 1000 UDS kann man für 2009 ca. 42 bis 48 euro Gewinn pro Aktie erwarten (Vergleiche aktuelle Studien von Citigroup u deutsche Bank). Bei einem Kurs von 300 entspricht dies einem kgv von 6 bis 7.
Das ganze Investment von k+s steht und fällt mit dem Kalipreis. Diesen sollte man sehr genau im Auge behalten. Neue greenfield Minen erhöhen erst ab Anfang 2013 das Angebot. Grund sind die extremen Investitionskosten und langwierigen& kostspieligen Explorationsbohrungen (kail findet sich meist erst in 1000m tiefe). Die Nachfrage dürfte laut Branchenspezialisten wie Ferticon dagegen jährlich 3-5% zunehmen. Die neu geplante Mine von Potash wird ab 2013 z.B. 2,7 Mio Tonnen Kali produzieren. Man würde jährlich 1-2 solcher neuer Minen benötigen um die wachsende Weltnachfrage zu befriedigen.
Grund sind hier vor allem die Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien die ihre Ernährung in zukunft immer proteinhaltiger gestalten. Für die Produktion eines kilos Fleisch benötigt man jedoch 7kg Getreide! Weitere Gründe sind eine jährliche wachsende Bevölkerung von 80 Mio menschen und eine rege Nachfrage nach Biofuel.
Die Biofuel Beimischungen sind in Ländern wie USA, Europa und Brasilien nun gesetzlich vorgeschrieben um die Abhängigkeit vom Erdöl zu forcieren. Der Ölpreis hat darauf keinen direkten einfluss. In Brasilen fahren z.b. schon 85% der Autos mit Ethanol aus Zuckerrüben.
Auch der Weizenpreis hat keinen direkten Einfluss auf die Entwicklung des Kalipreises. Der Weizenpreis fiel seit März z.B. von 1400 auf 800 Usd. Die Kalipreise stiegen dagegen in diesem Zeitraum. Grund ist, dass ein Bauer bei aktuellen Preisen nur zirka 3-5% seines Umsatzes für Dünger benötigt. Er schränkt den Düngerverbrauch nicht ein, wenn der Weizenpreis mal 100 USD steigt oder fällt. Die jüngste Flut den USA führte kurzfristig zu steigenden Getreidepreisen. Bei einer Flut wird jedoch auch kein Dünger benötigt. Der Weizenpreis fällt nun wieder, weil gute Wettervorhersagen eine gute Ernte ermöglichen werden. Dies bedeutet aber auch einen vermehrten Einsatz von Düngern.
Der kalipreis wird nicht über Futures von Spekulanten gehandelt, sondern bei jedem Vertrag nach Angebot und Nachfrage neu festgesetzt.
Der Düngermarkt wird von einem Oligopol beherrscht. Die kanadischen Anbieter wie Pot, Mos und AGU haben sich z.B. in einem Vertriebskonsortium mit dem Namen Canpotex zusammengeschlossen. Dieses hat erst am 17. Juli die Kalipreise für den asiatischen Markt auf 1000 USD pro Tonne erhöht. Ein solches Konsortium besteht auch in Russland. Es gibt also nur eine Handvoll Anbieter, bei knappen Angebot und reger Nachfrage.
In diesem Oligopol hält k+s übrigens einen Weltmarktanteil von 12% (k+s besitzt 6 von weltweit 35 produzierenden Kaliminen).
KURZFRISTIG/CHARTTECHNISCH sollte man beachten,
- dass die niedrigen Kurse am Freitag mit dem Verfallstag an der Eurex zusammenhingen
- dass Freitag fast jeder Spekulant short ging (guter Kontraindikator, siehe rekordverdächtiger Umsatz an der Eurex bei einem Put-Call Ratio von 4,5 bis 5,5)
- dass der RSI im überverkauftem Bereich ist (schon unter 40) und wir Freitag einen sell-off mit rekordverdächtigen Umsätzen sahen (1,6 Mio stück!). Wer an diesen überverkauften, umsatzstarken sell-off "peaks" kaufte, hat bei k+s fast immer die tiefstkurse erwischt => siehe Chart
- dass die Zahlen am 13. August bekanntgegeben werden und am 14. August eine Roadshow in Frankfurt stattfinden wird
- dass internationale und große daxorientierte Fonds schon bald mit größeren Stückzahlen in k+s einsteigen müssen
- dass das Vorstandsmitglied Thoma Nöcker am Freitag zuletzt bei 305 Euro kaufte
übrigens: Alle aktuellen stop-loss order werden von den meisten Brokern kommentarlos bei einem Split gelöscht => Bei Bedarf evtl. Neueingabe.
(Verkleinert auf 58%)

