Und dann hört der Fonds plötzlich auf zu existieren
- Nach dem Börsencrash ist Luft für kleine Technologiefonds dünn
- Anlegern wird meist kostenloser Wechsel angeboten
Von Martin Trauth =
Berlin, 3. August (AFP) - In unruhigen Börsenzeiten empfehlen
Anlageberater ihren Kunden häufig, nicht in einzelne Aktien,
sondern in Fonds zu investieren. Der Vorteil: Das Risiko wird auf
mehrere Werte verteilt, geht es einem Unternehmen schlecht, macht
ein anderes vielleicht Gewinn. Die Zahl der Fonds stieg seit dem
vergangenen Jahr dann auch rapide an. Die steigende Tendenz täuscht
aber darüber hinweg, dass auch immer wieder Fonds geschlossen
werden. Besonders bei einigen kleineren Wachstum- und
Technologiefonds sei «die Luft raus», sagt Volker Pietsch von der
Verbraucherzentrale Berlin. Zwar gebe es bislang in Deutschland«keine Massenschließungen». Es sei aber offen, ob einige Fonds «die
Kursverluste der letzten Monate je wieder rausholen können».
Der Wettbewerb auf den Fondsmärkten nimmt ständig zu, der Kampf um
die Gelder der Anleger wird härter. Seit Anfang 2000 stieg die Zahl
der Wertpapierfonds nach Zahlen des Bundesaufsichtsamtes für das
Kreditwesen (BAKred) um rund tausend auf zuletzt 6700. Insgesamt
sind in Deutschland 7002 Fonds aller Arten angemeldet. Eine
Statistik über die Schließung von Fonds führt die Behörde bislang
nicht. «Früher hat es praktisch keine Schließungen gegeben», sagt
BAKred-Sprecher Oliver Struck. Zuletzt sei die Zahl der vom Markt
genommenen Fonds jedoch etwas gestiegen. Ein «erschreckendes
Ausmaß» sei damit aber nicht erreicht.
Für Privatanleger ist die Schließung häufig ein Schock. Vor allem,
wer mit einem Fonds hohe Verluste erlitten habe, fühle sich oft
getäuscht, sagt Pietsch. «Die Chance, dass sich der Fonds dann
wieder erholt, ist mit der Schließung weggeschnitten.» Für die
Banken und Fondsgesellschaften ist die Entscheidung konsequent:
Fällt das Kapitalvolumen eines Fonds unter eine gewisse Grenze,
werden die Kosten für die Verwaltung zu hoch. Auch wenn sich
Fondsverwalter zusammenschließen, kann es zu Schließungen kommen.
Dann lohnt es sich meist nicht mehr, etwa zwei spezialisierte Fonds
für chinesische Anleihen im Angebot zu haben.
Anders als in den USA, wo die Fondsschließung längst zum Alltag
gehören, bleibt sie in Deutschland ein Politikum. Immer wieder gab
es Gerüchte, auch ein größerer Neuer-Markt-Fonds stehe vor dem Aus.
Bislang kam es aber zu keiner Schließung. Die Gesellschaften
fürchten einen Schneeballeffekt: Ist erst ein Fonds dicht, könnten
die Anleger verunsichert sein und ihr Geld aus ähnlichen Fonds
abziehen.
Häufige Alternative ist deshalb eine Änderung der Anlagepolitik.
«Sie können einen Fonds dann anders steuern», sagt Matthias Jansen
von der Dresdner-Bank-Investment-Tochter DIT. «Das wird eher
gemacht, als dass man einen Fonds schließt.» Aus einem reinen
Deutschland-Fonds könnte dann ein europäisch ausgerichteter Fonds
werden. Damit steigen die Möglichkeiten, Kapital von schwachen
Märkten auf Länder mit robusterer Konjunktur zu verlagern.
Zuweilen ist es für solche Rettungsaktionen aber zu spät. Regeln,
aus welchen Gründen eine Gesellschaft dann einen Fonds dicht machen
darf, gibt es keine. Von heute auf morgen darf die Schließung aber
nicht erfolgen. Nach Paragraf 13 Kapitalanlagegesetz müssen die
Gesellschaften dies mindestens drei Monate vorher im Bundesanzeiger
ankündigen. «Kürzer darf die Kündigungsfrist nicht sein.»
Nach der Schließung wird das Vermögen des Fonds auf die Anleger
verteilt. Die Gesellschaften bieten den Kunden dann regelmäßig an,
das Geld in einem anderen Fonds anzulegen. Ein erneuter
Ausgabeaufschlag wird für den Wechsel meist nicht berechnet.
«Gesetzliche Vorgaben gibt es hier aber nicht», sagt Struck. Sollte
doch eine Gebühr verlangt werden, rät Pietsch zum Protest: «Die
Fondsschließung hat in erster Linie die Bank zu vertreten. Dadurch
dürfen dem Verbraucher keine zusätzlichen Nachteile entstehen.»
- Nach dem Börsencrash ist Luft für kleine Technologiefonds dünn
- Anlegern wird meist kostenloser Wechsel angeboten
Von Martin Trauth =
Berlin, 3. August (AFP) - In unruhigen Börsenzeiten empfehlen
Anlageberater ihren Kunden häufig, nicht in einzelne Aktien,
sondern in Fonds zu investieren. Der Vorteil: Das Risiko wird auf
mehrere Werte verteilt, geht es einem Unternehmen schlecht, macht
ein anderes vielleicht Gewinn. Die Zahl der Fonds stieg seit dem
vergangenen Jahr dann auch rapide an. Die steigende Tendenz täuscht
aber darüber hinweg, dass auch immer wieder Fonds geschlossen
werden. Besonders bei einigen kleineren Wachstum- und
Technologiefonds sei «die Luft raus», sagt Volker Pietsch von der
Verbraucherzentrale Berlin. Zwar gebe es bislang in Deutschland«keine Massenschließungen». Es sei aber offen, ob einige Fonds «die
Kursverluste der letzten Monate je wieder rausholen können».
Der Wettbewerb auf den Fondsmärkten nimmt ständig zu, der Kampf um
die Gelder der Anleger wird härter. Seit Anfang 2000 stieg die Zahl
der Wertpapierfonds nach Zahlen des Bundesaufsichtsamtes für das
Kreditwesen (BAKred) um rund tausend auf zuletzt 6700. Insgesamt
sind in Deutschland 7002 Fonds aller Arten angemeldet. Eine
Statistik über die Schließung von Fonds führt die Behörde bislang
nicht. «Früher hat es praktisch keine Schließungen gegeben», sagt
BAKred-Sprecher Oliver Struck. Zuletzt sei die Zahl der vom Markt
genommenen Fonds jedoch etwas gestiegen. Ein «erschreckendes
Ausmaß» sei damit aber nicht erreicht.
Für Privatanleger ist die Schließung häufig ein Schock. Vor allem,
wer mit einem Fonds hohe Verluste erlitten habe, fühle sich oft
getäuscht, sagt Pietsch. «Die Chance, dass sich der Fonds dann
wieder erholt, ist mit der Schließung weggeschnitten.» Für die
Banken und Fondsgesellschaften ist die Entscheidung konsequent:
Fällt das Kapitalvolumen eines Fonds unter eine gewisse Grenze,
werden die Kosten für die Verwaltung zu hoch. Auch wenn sich
Fondsverwalter zusammenschließen, kann es zu Schließungen kommen.
Dann lohnt es sich meist nicht mehr, etwa zwei spezialisierte Fonds
für chinesische Anleihen im Angebot zu haben.
Anders als in den USA, wo die Fondsschließung längst zum Alltag
gehören, bleibt sie in Deutschland ein Politikum. Immer wieder gab
es Gerüchte, auch ein größerer Neuer-Markt-Fonds stehe vor dem Aus.
Bislang kam es aber zu keiner Schließung. Die Gesellschaften
fürchten einen Schneeballeffekt: Ist erst ein Fonds dicht, könnten
die Anleger verunsichert sein und ihr Geld aus ähnlichen Fonds
abziehen.
Häufige Alternative ist deshalb eine Änderung der Anlagepolitik.
«Sie können einen Fonds dann anders steuern», sagt Matthias Jansen
von der Dresdner-Bank-Investment-Tochter DIT. «Das wird eher
gemacht, als dass man einen Fonds schließt.» Aus einem reinen
Deutschland-Fonds könnte dann ein europäisch ausgerichteter Fonds
werden. Damit steigen die Möglichkeiten, Kapital von schwachen
Märkten auf Länder mit robusterer Konjunktur zu verlagern.
Zuweilen ist es für solche Rettungsaktionen aber zu spät. Regeln,
aus welchen Gründen eine Gesellschaft dann einen Fonds dicht machen
darf, gibt es keine. Von heute auf morgen darf die Schließung aber
nicht erfolgen. Nach Paragraf 13 Kapitalanlagegesetz müssen die
Gesellschaften dies mindestens drei Monate vorher im Bundesanzeiger
ankündigen. «Kürzer darf die Kündigungsfrist nicht sein.»
Nach der Schließung wird das Vermögen des Fonds auf die Anleger
verteilt. Die Gesellschaften bieten den Kunden dann regelmäßig an,
das Geld in einem anderen Fonds anzulegen. Ein erneuter
Ausgabeaufschlag wird für den Wechsel meist nicht berechnet.
«Gesetzliche Vorgaben gibt es hier aber nicht», sagt Struck. Sollte
doch eine Gebühr verlangt werden, rät Pietsch zum Protest: «Die
Fondsschließung hat in erster Linie die Bank zu vertreten. Dadurch
dürfen dem Verbraucher keine zusätzlichen Nachteile entstehen.»