18.02.2002
Der Dow Jones-Index konnte in der Karnevalswoche die Verluste der Vorwoche voll ausgleichen, obwohl es am Freitag zu einem Kursrückgang von einem Prozent kam. Der Wochengewinn betrug beim Indexstand von 9.903 über 1.5 Prozent. Am Donnerstag wurde sogar die 10.000-Marke nach fünfwöchiger Unterbrechung wieder überschritten. Diese Messlatte wurde vor knapp drei Jahren zum ersten Mal erreicht. Die Börse tut sich bei solchen Meilensteinen offensichtlich schwer. Als die 1.000-Marke im Januar 1966 erstmals genommen wurde, dauerte es immerhin 17 Jahre, bis diese Rekordhöhe endgültig überwunden wurde. Auf eine so lange Geduldsprobe werden Anleger diesmal hoffentlich nicht gestellt.
Die Börse kämpft zur Zeit jedoch mit einer Vertrauenskrise. Die fragwürdigen Bilanzierungspraktiken des Energiehändlers Enron haben inzwischen weite Kreise gezogen. Anleger sind verunsichert und fühlen sich teilweise sogar betrogen. Stimmen ausgewiesene Gewinne nicht, so beeinträchtigt dies den Aktienkurs. Selbst IBM wurde am Freitag Opfer solcher Zweifel. Die Aktie fiel um fünf Prozent und war somit für ein Drittel des Tagesverlustes beim Dow Jones-Index verantwortlich.
Auch die Gehälter von Managern stoßen auf Kritik. Die Bereicherung auf Vorstandsebene hat nicht nur bei Enron, sondern auch anderen Unternehmen innerhalb und außerhalb Amerikas in den vergangenen Jahren eine Größenordnung angenommen, die mit der Freien Marktwirtschaft in keiner Relation mehr steht. Verantwortungsgefühl wird hier auf oberster Führungsebene vollkommen ignoriert. Ein Feudalismus größten Ausmaßes kommt zum Vorschein. Mit Leistung haben Vergütungen von doppelstelligen Millionenbeträgen kaum etwas zu tun. Häufig werden sogar mißglückte Strategien noch königlich belohnt. Wer so handelt, beutet die Freie Marktwirtschaft aus. Diese harten Worte beruhen nicht auf Neid, sondern auf der Sorge vor langfristigen Schäden, die eine solche Vertrauenskrise unter Anlegern kreieren kann. Das Vorurteil, daß die Börse nur ein Tummelplatz für Reiche und Spekulanten ist, findet bei solchen Exzessen bedauerlicherweise Nahrung. Der Vergleich mit den Millionengehältern von Spitzensportlern und Künstlern hinkt, da diese nicht bei öffentlichen Gesellschaften arbeiten. Vorstände sind Angestellte der Aktionäre und keine freischaffenden Künstler.
Die Kritik betrifft jedoch nicht alle Unternehmen. Beispielsweise bekommt Bill Gates als Chef von Microsoft ein Jahresgehalt von rund 700.000 Dollar. Der größte Softwarehersteller der Welt verdiente im vergangenen Jahr fast 10 Milliarden Dollar. Dies bedeutet ein Gehalt von einem Dollar für jede 14.000 Dollar Gewinn. Seit dem Börsengang von 1986 hat sich der Unternehmensgewinn verneunzigfacht. Bei einer solchen Leistung wirkt das Gehalt sogar fast bescheiden. Gates, der Microsoft vor 27 Jahren gründete, ist gleichzeitig der größte Aktionär und gilt als reichster Mann der Welt. Der Aktienkurs ist in den vergangenen 15 Jahren von 15 Cents auf inzwischen 60 Dollar gestiegen. Eintausend Dollar 1986 investiert wären heute 400.000 Dollar wert. Somit haben Aktionäre im Laufe der Jahre vom Erfolg des Unternehmens profitieren können. Wer jedoch erst Ende 1999 bei einem Kurs von 120 Dollar kaufte, weist bisher einen Verlust von 50 Prozent auf. Dies bestätigt, daß die Börse trotz aller Erfolge keinesfalls ohne Risiken ist. William Clay Ford Jr. – seit wenigen Monaten Chef des zweitgrößten Autoherstellers Amerikas und Urenkel des Firmengründers Henry Ford – arbeitet sogar für nur einen Dollar Jahresgehalt. Allerdings hat er ein Optionspaket, das vom Gewinn abhängig ist und im Falle eines Erfolges Millionen wert sein kann. Auch hier sollte es rationelle Grenzen geben. Auf keinen Fall erscheint es gerechtfertigt, wenn der Basispreis der Option bei seiner Ausgabe unter dem Aktienkurs liegt bzw. nachträglich reduziert wird, wenn der Kurs nicht gestiegen ist. Dies käme einer ungerechtfertigten Bereicherung gleich.
An diesem Montag ist die Wall Street wegen des Präsidentschaftstages geschlossen. Der erste Präsident der Nation, George Washington, und der beliebteste Präsident, Abraham Lincoln, werden gemeinsam geehrt. Ihre Jahresgehälter von 25.000 Dollar schlossen die Repräsentationskosten mit ein und waren nie Anlaß zur öffentlichen Klage.
Der Dow Jones-Index konnte in der Karnevalswoche die Verluste der Vorwoche voll ausgleichen, obwohl es am Freitag zu einem Kursrückgang von einem Prozent kam. Der Wochengewinn betrug beim Indexstand von 9.903 über 1.5 Prozent. Am Donnerstag wurde sogar die 10.000-Marke nach fünfwöchiger Unterbrechung wieder überschritten. Diese Messlatte wurde vor knapp drei Jahren zum ersten Mal erreicht. Die Börse tut sich bei solchen Meilensteinen offensichtlich schwer. Als die 1.000-Marke im Januar 1966 erstmals genommen wurde, dauerte es immerhin 17 Jahre, bis diese Rekordhöhe endgültig überwunden wurde. Auf eine so lange Geduldsprobe werden Anleger diesmal hoffentlich nicht gestellt.
Die Börse kämpft zur Zeit jedoch mit einer Vertrauenskrise. Die fragwürdigen Bilanzierungspraktiken des Energiehändlers Enron haben inzwischen weite Kreise gezogen. Anleger sind verunsichert und fühlen sich teilweise sogar betrogen. Stimmen ausgewiesene Gewinne nicht, so beeinträchtigt dies den Aktienkurs. Selbst IBM wurde am Freitag Opfer solcher Zweifel. Die Aktie fiel um fünf Prozent und war somit für ein Drittel des Tagesverlustes beim Dow Jones-Index verantwortlich.
Auch die Gehälter von Managern stoßen auf Kritik. Die Bereicherung auf Vorstandsebene hat nicht nur bei Enron, sondern auch anderen Unternehmen innerhalb und außerhalb Amerikas in den vergangenen Jahren eine Größenordnung angenommen, die mit der Freien Marktwirtschaft in keiner Relation mehr steht. Verantwortungsgefühl wird hier auf oberster Führungsebene vollkommen ignoriert. Ein Feudalismus größten Ausmaßes kommt zum Vorschein. Mit Leistung haben Vergütungen von doppelstelligen Millionenbeträgen kaum etwas zu tun. Häufig werden sogar mißglückte Strategien noch königlich belohnt. Wer so handelt, beutet die Freie Marktwirtschaft aus. Diese harten Worte beruhen nicht auf Neid, sondern auf der Sorge vor langfristigen Schäden, die eine solche Vertrauenskrise unter Anlegern kreieren kann. Das Vorurteil, daß die Börse nur ein Tummelplatz für Reiche und Spekulanten ist, findet bei solchen Exzessen bedauerlicherweise Nahrung. Der Vergleich mit den Millionengehältern von Spitzensportlern und Künstlern hinkt, da diese nicht bei öffentlichen Gesellschaften arbeiten. Vorstände sind Angestellte der Aktionäre und keine freischaffenden Künstler.
Die Kritik betrifft jedoch nicht alle Unternehmen. Beispielsweise bekommt Bill Gates als Chef von Microsoft ein Jahresgehalt von rund 700.000 Dollar. Der größte Softwarehersteller der Welt verdiente im vergangenen Jahr fast 10 Milliarden Dollar. Dies bedeutet ein Gehalt von einem Dollar für jede 14.000 Dollar Gewinn. Seit dem Börsengang von 1986 hat sich der Unternehmensgewinn verneunzigfacht. Bei einer solchen Leistung wirkt das Gehalt sogar fast bescheiden. Gates, der Microsoft vor 27 Jahren gründete, ist gleichzeitig der größte Aktionär und gilt als reichster Mann der Welt. Der Aktienkurs ist in den vergangenen 15 Jahren von 15 Cents auf inzwischen 60 Dollar gestiegen. Eintausend Dollar 1986 investiert wären heute 400.000 Dollar wert. Somit haben Aktionäre im Laufe der Jahre vom Erfolg des Unternehmens profitieren können. Wer jedoch erst Ende 1999 bei einem Kurs von 120 Dollar kaufte, weist bisher einen Verlust von 50 Prozent auf. Dies bestätigt, daß die Börse trotz aller Erfolge keinesfalls ohne Risiken ist. William Clay Ford Jr. – seit wenigen Monaten Chef des zweitgrößten Autoherstellers Amerikas und Urenkel des Firmengründers Henry Ford – arbeitet sogar für nur einen Dollar Jahresgehalt. Allerdings hat er ein Optionspaket, das vom Gewinn abhängig ist und im Falle eines Erfolges Millionen wert sein kann. Auch hier sollte es rationelle Grenzen geben. Auf keinen Fall erscheint es gerechtfertigt, wenn der Basispreis der Option bei seiner Ausgabe unter dem Aktienkurs liegt bzw. nachträglich reduziert wird, wenn der Kurs nicht gestiegen ist. Dies käme einer ungerechtfertigten Bereicherung gleich.
An diesem Montag ist die Wall Street wegen des Präsidentschaftstages geschlossen. Der erste Präsident der Nation, George Washington, und der beliebteste Präsident, Abraham Lincoln, werden gemeinsam geehrt. Ihre Jahresgehälter von 25.000 Dollar schlossen die Repräsentationskosten mit ein und waren nie Anlaß zur öffentlichen Klage.