Veränderungen der Gewerbesteuer geplant


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Nassie:

Veränderungen der Gewerbesteuer geplant

 
17.01.03 23:32
Die rot-grüne Koalition will die Gewerbesteuer modifizieren

Rot-Grün will Ländern die Bestimmung eines Mindesthebesatz einräumen / Sockelbetrag für Verlustvortrag


mas. BERLIN, 17. Januar. Die rot-grüne Koalition will die Möglichkeit der Kommunen beschränken, den Hebesatz bei der Gewerbesteuer frei festzulegen. Wie die finanzpolitischen Sprecher von SPD und Grünen, Jörg-Otto Spiller und Christine Scheel, nach Beratungen mitteilten, wollen sie dazu die Länder ermächtigen, einen Mindesthebesatz für ihre Kommunen festzulegen. Über diesen Mindesthebesatz hinaus behielten die Kommunen ihr Hebesatzrecht. Die Koalition will damit vermeiden, daß Unternehmen überhaupt keine Gewerbesteuer zahlen - wie in der Gemeinde Norderfriedrichskoog. Diese habe einen Hebesatz von Null, sagte die Grünen-Politikerin dieser Zeitung. "Wir wollen nun die Länder in die Lage versetzen, so damit umzugehen, wie sie es für richtig halten."

Einen Vorgriff auf die Beratungen der Kommission zur Gemeindefinanzreform sah sie darin nicht. Die Fachleute von Bund, Ländern und Kommunen auf der einen Seite sowie Wirtschaft und Wissenschaft auf der anderen Seite beraten zur Zeit, ob die Gewerbesteuer ausgebaut oder durch ein kommunales Zuschlagsrecht auf die abgesenkte Einkommensteuer und leicht erhöhte Körperschaftsteuer ersetzt werden soll. Um dem nicht vorzugreifen, sollen zwei Punkte aus dem Steuerpakt des Finanzministeriums herausgelöst werden, und zwar die Aufhebung der gewerbesteuerlichen Organschaft sowie die Anrechnung von Leasingraten.

Die Finanzpolitiker haben weitere Korrekturabsichten bestätigt. So soll es bei den Investmentfonds keine Doppelbesteuerung geben. Die beiden Politiker teilten mit: "Die im Fonds erzielten Veräußerungsgewinne werden nur dann besteuert, wenn sie tatsächlich an den Anteilseigner ausgeschüttet werden. Ansonsten erfolgt die Besteuerung der Fondsanteile erst beim Verkauf des Anteilsscheins durch den Anteilseigner." Auch die steuerliche Abzugsfähigkeit von Werbegeschenken soll erhalten bleiben. Der abzugsfähige Betrag wird nach ihren Angaben auf 30 Euro festgelegt.

An der Beschränkung des Verlustvortrags halten die Finanzpolitiker fest, wollen aber einen Sockelbetrag einführen, bis zu dem die "überwiegende Mehrheit der Unternehmen" weiterhin frühere Verluste voll geltend machen kann. Auf die Frage, wie groß der Anteil sein solle, antwortete Scheel: "Ich denke, daß wir an die 90 Prozent kommen sollten." Momentan wird geprüft, wieviel Unternehmen unter verschiedene Gewinnschwellen fielen und was das an Steuerausfällen gegenüber dem Gesetzentwurf bedeuten würde.
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flamingoe:

Ober+Untergrenze wäre besser: habe 470 % Hebesatz

 
18.01.03 11:55

wer hat mehr?
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Nassie:

Steueroase ausgetrocknet

 
18.01.03 23:27
Berlin beschließt Aus für Steuer-Oase Norderfriedrichskoog
Norderfriedrichskoog (sh:z) Die Bundesregierung will Steueroasen wie Norderfriedrichskoog in Nordfriesland trockenlegen.
Entsprechende Schritte zum Abbau steuerlicher Schlupflöcher haben die Finanzpolitiker von SPD und Grünen gestern vereinbart. Danach sollen die Länder ermächtigt werden, bei der Gewerbesteuer einen Mindesthebesatz für Städte und Gemeinden festzulegen. Die sind in dieser Frage bisher autonom.
Seit Ende der 90er Jahre boomt der Unternehmensstandort Norderfriedrichskoog auf Eiderstedt wie nie zuvor. Allein zwischen 1997 und 1999 hatte sich die Zahl der Niederlassungen von 119 auf 360 glatt verdreifacht. Von "Unilever" über "Deutsche Bank", "Holzmann" bis zu "Eon" gründete in dem 47-Seelen-Dorf hinterm Deich die erste Garde der deutschen Wirtschaft eine Niederlassung nach der anderen.
Clou der Steuerfreiheit: Gemeinden dürfen nach der Kommunalverfassung nur Steuern erheben, wenn sonstige Einnahmen nicht ausreichen. Das ist aber in Norderfriedrichskoog der Fall: Die Gemeindekasse wird durch Ratenzahlungen der 13 örtlichen Landwirte gefüllt, von denen zehn noch aktiv sind. Die Bauern stottern noch bis 2007 den Kaufpreis für Flächen ab, die sie in den 70er-Jahren aus Gemeindebesitz erworben haben.
Finanziell trösten sich die Hofbesitzer mit den Gewerbemieten, die sie für die Firmenniederlassungen auf ihren Grundstücken kassieren. Deren Höhe wird hinterm Deich gehütet wie ein Staatsgeheimnis — mit der Folge, dass die Spekulationen über die Sätze bis zum City-Niveau Hamburgs reichen. Kehrseite der Medaille: Die Gewerbesteuerausfälle der Metropolen werden auf einen dreistelligen Millionen-Betrag geschätzt.
Die erste Reaktion von Norderfriedrichskoogs Bürgermeister Hinrich Thiesen auf die Berliner Pläne: Sein Ort dürfe nach Erhebung der Gewerbesteuer nicht schlechter gestellt sein als vorher.



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