jetzt der langersehnte Aufschwung?
FAZ-Artikel vom 17.7.02
Charttechniker streiten über die Folgen des Dax-Trendbruchs
Hoher V-Dax deutet auf Ausverkauf hin / September-Tiefs in Reichweite / "Antizyklische Kaufkurse"
ham. FRANKFURT, 16. Juli. Der deutsche Aktienmarkt steckt wahrscheinlich mitten im Ausverkauf. Der langfristige Aufwärtstrend, der seit 1982 intakt war, ist gebrochen. "Mit dem Unterschreiten des bisherigen Jahrestiefs von 3947 Punkten hat der Dax seine letzte Chance auf Stabilisierung und Kurserholungen, die über ein kurzes Intermezzo hinausgehen, fürs erste verspielt", sagt Holger Struck, technischer Analyst bei dem Bankhaus M.M. Warburg & Co. Und Staud Research warnt: "Von weiteren Abschlägen muß ausgegangen werden." Das durch den Trendbruch ausgelöste Abwärtspotential reiche mittelfristig über die Tiefstände von September 2001 hinaus, die der Dax nach den Terroranschlägen bei 3539 Punkten (am 21. September im Handelsverlauf) und 3780 Punkten (am 21. September zu Handelsschluß) erreichte.Nach Ansicht von Michael Riesner, technischer Analyst bei der DZ Bank, wird es hingegen schon in der kommenden Woche eine "reflexartige Erholung" geben. "Der Dax markiert in dieser Woche das Tief für die nächsten ein bis zwei Jahre", erwartet er. Schon seit Anfang dieses Jahres prognostiziert Riesner unbeirrt "das zyklische Tief" für Mitte Juli. "Negative Ausreißer bis auf 3700 Punkte sind in den nächsten Tagen drin; der Markt wird dann aber von diesem tiefen Niveau aus eine starke Sommerrally starten."Entsprechend fällt Riesners Empfehlung aus: "Aktienkurse unter 4000 Dax-Punkten sind antizyklische Kaufkurse." Der Dax werde nach dem Bruch des Aufwärtstrends, der derzeit bei rund 4100 Punkten verläuft, sehr schnell wieder über die Trendlinie springen. "Die hohe Volatilität gemessen am V-Dax zeigt, daß sich der Markt endlich in der lange erwarteten Ausverkaufsphase befindet", sagt Riesner.Der V-Dax zeigt, mit welchen Schwankungen des Dax die Akteure am Terminmarkt im Schnitt für die kommenden Monate rechnen. Bei der Berechnung verwendet die Deutsche Börse die impliziten Volatilitäten von Optionen auf den Dax. Je höher die Schwankungen sind, desto teurer ist der Kauf von Optionen. Da viele professionelle Anleger Optionen zur Absicherung ihrer Aktienpositionen verwenden, ist der V-Dax ein Maß für die vorhandene Verunsicherung. Die Unsicherheit gemessen am V-Dax hat jetzt ein Ausmaß erreicht, wie sie in diesem Zeitraum nur nach den Terroranschlägen im September 2001 und beim Ausbruch der Asien-Krise im Herbst 1998 gemessen wurde. Zu beiden Zeitpunkten erfolgte in dieser extremen Situation eine Wende am Aktienmarkt nach dem Motto: Ein Aufschwung wird geboren in größter Unsicherheit. Zu dieser Unsicherheit gehören auch hohe Tagesschwankungen, Gerüchte um Interventionen von Notenbanken, erzwungene Verkäufe von Versicherungen, angebliche Vorgaben der Banken an ihre Händler, ihre Aktienrisiken abzubauen, und eine starke Aktivität von Hedgefonds.Daß der Dax trotz der sehr guten Vorgaben der Wall Street am Dienstag mittag wieder unter Druck geriet, wertet Riesner als Zeichen, daß der Ausverkauf (Sell-Out) tatsächlich im Gange ist. "Bislang waren die angeblichen Sell-Outs auf einen Tag beschränkt. Am folgenden Tag setzte stets eine Erholung ein. Wenn nun die Erholung sofort wieder verpufft und die Kurse weiter fallen, dann macht sich Panik breit. Diese Panik brauchen die Märkte, um gereinigt aus der Baisse hervorzugehen." Riesner rechnet damit, daß Technologiewerte im Dax die seiner Ansicht nach bevorstehende Aufwärtsbewegung anführen werden.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2002, Nr. 163 / Seite 17
FAZ-Artikel vom 17.7.02
Charttechniker streiten über die Folgen des Dax-Trendbruchs
Hoher V-Dax deutet auf Ausverkauf hin / September-Tiefs in Reichweite / "Antizyklische Kaufkurse"
ham. FRANKFURT, 16. Juli. Der deutsche Aktienmarkt steckt wahrscheinlich mitten im Ausverkauf. Der langfristige Aufwärtstrend, der seit 1982 intakt war, ist gebrochen. "Mit dem Unterschreiten des bisherigen Jahrestiefs von 3947 Punkten hat der Dax seine letzte Chance auf Stabilisierung und Kurserholungen, die über ein kurzes Intermezzo hinausgehen, fürs erste verspielt", sagt Holger Struck, technischer Analyst bei dem Bankhaus M.M. Warburg & Co. Und Staud Research warnt: "Von weiteren Abschlägen muß ausgegangen werden." Das durch den Trendbruch ausgelöste Abwärtspotential reiche mittelfristig über die Tiefstände von September 2001 hinaus, die der Dax nach den Terroranschlägen bei 3539 Punkten (am 21. September im Handelsverlauf) und 3780 Punkten (am 21. September zu Handelsschluß) erreichte.Nach Ansicht von Michael Riesner, technischer Analyst bei der DZ Bank, wird es hingegen schon in der kommenden Woche eine "reflexartige Erholung" geben. "Der Dax markiert in dieser Woche das Tief für die nächsten ein bis zwei Jahre", erwartet er. Schon seit Anfang dieses Jahres prognostiziert Riesner unbeirrt "das zyklische Tief" für Mitte Juli. "Negative Ausreißer bis auf 3700 Punkte sind in den nächsten Tagen drin; der Markt wird dann aber von diesem tiefen Niveau aus eine starke Sommerrally starten."Entsprechend fällt Riesners Empfehlung aus: "Aktienkurse unter 4000 Dax-Punkten sind antizyklische Kaufkurse." Der Dax werde nach dem Bruch des Aufwärtstrends, der derzeit bei rund 4100 Punkten verläuft, sehr schnell wieder über die Trendlinie springen. "Die hohe Volatilität gemessen am V-Dax zeigt, daß sich der Markt endlich in der lange erwarteten Ausverkaufsphase befindet", sagt Riesner.Der V-Dax zeigt, mit welchen Schwankungen des Dax die Akteure am Terminmarkt im Schnitt für die kommenden Monate rechnen. Bei der Berechnung verwendet die Deutsche Börse die impliziten Volatilitäten von Optionen auf den Dax. Je höher die Schwankungen sind, desto teurer ist der Kauf von Optionen. Da viele professionelle Anleger Optionen zur Absicherung ihrer Aktienpositionen verwenden, ist der V-Dax ein Maß für die vorhandene Verunsicherung. Die Unsicherheit gemessen am V-Dax hat jetzt ein Ausmaß erreicht, wie sie in diesem Zeitraum nur nach den Terroranschlägen im September 2001 und beim Ausbruch der Asien-Krise im Herbst 1998 gemessen wurde. Zu beiden Zeitpunkten erfolgte in dieser extremen Situation eine Wende am Aktienmarkt nach dem Motto: Ein Aufschwung wird geboren in größter Unsicherheit. Zu dieser Unsicherheit gehören auch hohe Tagesschwankungen, Gerüchte um Interventionen von Notenbanken, erzwungene Verkäufe von Versicherungen, angebliche Vorgaben der Banken an ihre Händler, ihre Aktienrisiken abzubauen, und eine starke Aktivität von Hedgefonds.Daß der Dax trotz der sehr guten Vorgaben der Wall Street am Dienstag mittag wieder unter Druck geriet, wertet Riesner als Zeichen, daß der Ausverkauf (Sell-Out) tatsächlich im Gange ist. "Bislang waren die angeblichen Sell-Outs auf einen Tag beschränkt. Am folgenden Tag setzte stets eine Erholung ein. Wenn nun die Erholung sofort wieder verpufft und die Kurse weiter fallen, dann macht sich Panik breit. Diese Panik brauchen die Märkte, um gereinigt aus der Baisse hervorzugehen." Riesner rechnet damit, daß Technologiewerte im Dax die seiner Ansicht nach bevorstehende Aufwärtsbewegung anführen werden.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2002, Nr. 163 / Seite 17