US-Fonds lassen sich nicht gerne in die Karten


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US-Fonds lassen sich nicht gerne in die Karten

 
28.03.01 08:14
US-Fonds lassen sich nicht gerne in die Karten schauen

New York, 26. März (Bloomberg) - Nach dem Crash an den Aktienmärkten sind die meisten Fondsanleger dem Grausen nahe, wenn sie sich den Wert ihrer Fondsinvestments anschauen, der sinkt und sinkt. Und wenn sie dann wissen möchten, wie die Fondsmanager auf den Crash reagiert haben, werden sie nicht sehr viel schlauer. Denn die Investmentfonds geizen mit Informationen. Nach den Vorschriften der amerikanischen Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde SEC müssen die Fonds den Anlegern nur alle sechs Monate berichten. Und selbst dann sind die Daten noch sehr spärlich und oft veraltet.

So rätseln die Investoren, wie ihr Fondsmanager auf den Kursrutsch reagiert haben mag. Hat er ehemalige Überflieger wie Oracle Corp., Amazon.com Inc. und Nokia Oyj abgestoßen? Hält der Fonds jetzt eine höhere Liquidität vor oder wird jetzt in US- Staatsanleihen investiert? Oder wird in Werte wie Fannie Mae umgeschichtet, die weniger stark gefallen sind?

Das sind äußerst wichtige Informationen. Wie könnten Anleger die Fondsmanager besser beurteilen - und entscheiden, ob sie ihnen weiter ihr Geld anvertrauen sollen - als wenn sie wissen, wie die Profianleger unter Druck arbeiten. Leider haben die Fondsbesitzer keine Möglichkeit, das herauszufinden.

Die Investmentfonds profitieren zwar von den quartalsmäßigen Finanzausweisen und einem ständigen Informationsfluss von den Unternehmen, in die sie investiert haben. Selbst geizen sie jedoch mit Informationen, sie berichten nichts Wesentliches. Und selbst in den vorgeschriebenen halbjährlichen Berichten müssen die Anleger noch oft den neuen Bericht mit dem alten vergleichen, um so mühsam herauszufinden, welche Aktien neu im Portefeuille sind, welche Positionen aufgestockt oder abgebaut wurden.

Noch schlimmer ist, dass die Informationen oft veraltet sind, weil in der Regel einige Zeit zwischen dem Datum, wann der Bericht erstellt wurde und dem Versanddatum, verstreicht. Der letzte Bericht des Wachstumsfonds Fidelity Aggressive Growth Fund bezieht sich auf das Jahr bis zum 30. November, aber die Fondsbesitzer erhielten diese Informationen erst 35 bis 45 Tage später. Eine derartige Zeitdifferenz zwischen dem Berichtszeitraum eines Fonds und der Versanddatum ist bei Fidelity normal. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Investitionen des Fonds sich stark geändert haben, recht groß. Die Umschlagrate des Fonds liegt bei 221 Prozent. Das bedeutet, dass das gesamte Portefeuille rund alle fünf Monate komplett anders aussieht.

Die Fondsmanager führen an, dass eine Veröffentlichung in Wirklichkeit den Fondsbesitzern schaden würde. Wenn ein Fonds beispielsweise mitteilen würde, dass er für 175 Mio. Dollar AOL Time Warner Inc. verkaufen und mit den Erlösen Merck & Co. und Unilever NV kauft, würde dies den Markt in allen drei Werten stören. Wenn derartige Informationen bekannt werden, bevor die Transaktionen abgeschlossen sind, würde jeder Anleger rund um den Globus ihrem Beispiel folgen und ihre Anlagestrategie kaputt machen. Nach den Performance-Zahlen vom letzten Jahr sind da wohl leichte Zweifel gestattet.

Immerhin, mit dem Vormarsch des Internets sind die Fonds stärker unter Druck geraten, Informationen zu veröffentlichen. Janus Capital Corp. aktualisiert die Top10-Listen ihrer Fonds sechs Mal pro Jahr, aber mit Daten, die bereits 45 Tage alt sind. Die Top 10-Listen für die Janus Fonds im Internet hatten am letzten Donnerstag den Stichtag 31. Dezember, waren also 82 Tage alt. Aber auch diese Listen enthalten lediglich die zehn Namen und ihren Anteil am Fondsportefeuille - und nicht.

So machten beim Vanguard U.S. Growth Fund beispielsweise am 28. Februar die Top 10-Engagements 41,9 Prozent des Portefeuilles aus. Aber die Fondsgesellschaft gab nicht an, wie viele Aktien sie bei dem jeweiligen Wert hält und ob sie ihre Position im letzten Monat aufgestockt oder abgebaut hat. Und über die anderen 47 Werte im Portefeuille erfährt der Anleger gar nichts.

Würden die Fonds eine so magere Informationspolitik bei den Unternehmen, in die sie investieren, akzeptieren? ,Wir würden von den Unternehmen nicht verlangen, dass sie sensible Informationen veröffentlichen," behauptet Jeff Molitor, Mitglied der Portfolio- Prüfungsgruppe bei der Vanguard Group in Valley Forge.

Es erwartet auch niemand, dass die Fonds Echtzeitlisten ihrer Investments über das Internet verbreiten; ihnen wird durchaus ein gewisser zeitlicher Vorsprung zugestanden, bevor die breite Masse es ihnen nachmachen kann. Aber die Zeitspanne, die zurzeit bis zur Veröffentlichung verstreicht, ist einfach viel zu groß.

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