US-Ermittl.: Die krummen Deals der Emissionsbanken


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US-Ermittl.: Die krummen Deals der Emissionsbanken

 
27.04.02 06:57
Die Exzesse des Nasdaq-Booms haben für zwei weitere renommierte Wall-Street-Häuser ein potenziell kostspieliges Nachspiel. Der Verband der Wertpapierhändler verdächtigt sie, als Gegenleistung für die Zuteilung überzeichneter Aktien exorbitante Provisionen kassiert zu haben.

New York - Ins Visier der Kontrolleure sind nun J.P. Morgan und die FleetBoston-Financial-Sparte Robertson Stephens geraten. Beide Institute gehörten zu den Konsortialführern bei der Ausgabe von Technologie-Aktien in den heißen Jahren des Internet-Booms, 1999 und 2000. Das "Wall Street Journal" schreibt bereits von der "bisher größten Ermittlungswelle" wegen der Börsen-Exzesse der späten neunziger Jahre.
Ebenso wie zuvor bei Credit Suisse First Boston (CSFB) werden Broker der beiden Emissionsbanken verdächtigt, von ihren Kunden bei stark überzeichneten Technologie-Börsengängen weit überhöhte Provisionen gefordert zu haben, so genannte "Kick backs". Als Gegenleistung seien ihnen große Kontingente von überzeichneten Aktien zugeteilt worden, die sie später mit hohem Gewinn wieder verkaufen konnten. Die Klienten, so der Verdacht, zahlten diese Provisionen Schritt für Schritt bei anderen Wertpapiergeschäften nach dem betreffenden Börsengang an die Banken. So sei versucht worden, die Bestechungszahlungen zu kaschieren.

Tatsächlich gab bei den begehrten Börsengängen viel zu verteilen. Aktien von Internet-Firmen, wie zum Beispiel VA Linux Systems, brachten noch am Tag des Börsengangs das Siebenfache des Ausgabekurses. Ob die Verdächtigen am Ende dingfest zu machen sind, steht noch keineswegs fest. Beide Finanzhäuser wollten sich bisher nicht zu den Vorwürfen äußern.

Mit CSFB hatten die Ermittler des Wertpapiesverbandes - unterstützt von Untersuchungen der Wertpapieraufsicht SEC und privaten Klagen - allerdings schon ein Wall-Street-Schwergewicht in die Enge getrieben. Das Bankhaus trennte sich in Folge der Untersuchungen von drei Brokern, der Chef der Wertpapiersparte kündigte selbst. Einer der Broker soll sich allein im Jahr 1999 mit einer Million Dollar illegitim kassierter Provisionen persönlich bereichert haben. Credit Suisse First Boston bezahlte im Januar eine Geldbuße in Höhe von 100 Millionen Dollar an den Berufsverband - ohne jedoch damit ein Schuldeingeständnis zu verbinden.

Ähnlich profitabel werden die Fischzüge dieses Mal wohl nicht ausfallen - selbst wenn sie erfolgreich sein sollten. Denn gegen die Umsätze, die CSFB mit Börsengängen von Technologiefirmen gemacht hat, nehmen sich die von Robertson Stephens oder J.P. Morgan bescheiden aus. Der Ruf der Wertpapierhäuser an der Wall Street aber hat abermals schweren Schaden genommen.


Quelle: spiegel.de
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