US-Anleger klagen wegen Manipulationen bei Technologie-IPOs
New York, 7. Mai (Bloomberg) - In den USA rollt auf Technologieunternehmen und Investmentbanken eine Prozesslawine von über 100 Klagen zu. Die Kläger werfen ihnen vor, in den neunziger Jahren den Run auf Internet-Börsenneulinge künstlich angeheizt zu haben. Die Konsortialbanken hätten Neuemissionen an Anleger zugeteilt, die versprachen, später zu höheren Kursen nachzukaufen. Derartige Kopplungsgeschäfte würden eine künstliche Nachfrage nach neuen Aktien schaffen, so die Kläger. In vielen Fällen verdoppelten oder verdreifachten sich die Aktienkurse innerhalb weniger Stunden, so dass Investoren, die früh eingestiegen waren, fett absahnen konnten. Staatliche Aufsichtsbehörden sind bereits tätig geworden und untersuchen die Vergabepraxis der Konsortialbanken bei IPOs. Die Kläger streben den Status einer Gemeinschaftsklage an.
Die Rechtsanwälte der Kläger schätzen, dass die Schadensersatzforderungen auf Milliarden von Dollar lauten dürften. Einige Rechtsexperten waren jedoch vor übertriebenen Hoffnungen. Selbst wenn der Vorwurf der Manipulation gerechtfertigt sei, gäbe es zahlreiche Verteidigungsstrategien für die Banken und Internetgesellschaften. "Ich wäre überrascht, wenn hier große Entschädigungssummen fließen würden," erklärt Larry Hamermesh, Professor an der Widener University Law School.
Der Rechtsanwalt der Kläger, Melvyn Weiss von der Kanzlei Milberg Weiss Bershad Hynes & Lerach in New York führt an, dass Anleger die Aktien bei Neuemissionen zu einem Kurs von 15 Dollar bekamen, während andere bereits wenige Stunden nach Handelsbeginn für die Aktie 80 Dollar hinlegen mussten. "Sie kauften damit zu einem stark überhöhten Preis in einem falschen Markt."
Bisher wurde Klage gegen ein Dutzend Technolgieunternehmen wie Ariba Inc., VA Linux Systmes Inc., Avici Systems Inc., Autoweb.com Inc., Calico Commerce Inc., Digimarc Corp., NetZero Inc., Red Hat Inc. und PlanetRX.com Inc. erhoben. Bei den Konsortialbanken sitzen Merrill Lynch & Co., CSFB, eine Tochtergesellschaft der Credit Suisse First Boston und BancBoston Robertson Stephens Inc., eine Tochtergesellschaft der FleetBoston Financial Corp. auf der Anklagebank. Außerdem gibt es eine Wettbewerbsklage gegen die Investmentbanken. "Dies ist der größte Skandal in der Geschichte der Wall Street," sagt Anwal Sirota. "Wenn es wahr ist."
Gegen Credit Suisse und einige ihrer Mitarbeiter läuft eine Untersuchung durch die Vereinigung der US-Wertpapierhändler NASD, die ihre Untersuchungen auf die angeblichen Unregelmäßigkeiten bei den Neuemissionen ausweitet.
Anfang des Jahres war Alex Makaron aus Brooklyn, New York, einer der ersten, die VA Linux verklagten. "Ich habe 6.000 Dollar verloren, das ist mein größter Verlust," beklagt er. "Ich habe die Aktienum die 30 oder 35 gekauft. Dann schnellten sie auf 50. Ich dachte, das ist eine gute Aktie." VA Linux notierten am Freitag bei 4,88 Dollar an der Nasdaq. Die amerikanische Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde SEC hat von Linux die Unterlagen zum Börsengang angefordert, was der Unternehmenssprecher allerdings mit den Worten kommentierte: "Wir sind zuversichtlich, dass wir nicht im Mittelpunkt der Untersuchung stehen werden." Die Sprecherin von Avici, Esmeralda Swartz, sagt, die Anschuldigungen gegen ihr Unternehmen "entbehren jeder Grundlage."
Finanzprofessor Jay Ritter von der University of Florida schätzt, dass auf die Banken hohe Schadensersatzzahlungen zukommen, sollten sich die Anschuldigungen beweisen lassen. Aber ohne starke Beweise dürften die Kläger Probleme haben, ihre Klage durchzubekommen, sagt er. "Es ist nichts Illegales, wenn ein Kunde mehr kaufen will." Juraprofessor Steve Thel von der Fordham University erwartet, dass die Verteidiger die Existenz derartiger Vereinbarungen abstreiten werden und argumentieren werden, dass es nichts Ungesetzliches sei, den besten Kunden der Bank Aktien bei einer Neuemission zuzuteilen. Hamermesh rechnet damit, dass die Verteidigung auf den generellen Zusammenbruch der Technologiewerte im letzten Jahr verweisen werde. "Wenn der ganze Markt einbricht, wird es schwer werden, den Emittenten oder die Konsortialbank haftbar zu machen," erklärt er.
Auch bezweifelt Ritter, ob die Anleger beweisen können, dass sie von den Investmentbanken geschädigt wurden, weil diese Schmiergelder in Form höherer Provisionen verlangten, zwar nicht für die gekauften Neuemissionen, sondern bei anderen Wertpapiertransaktionen. Dennoch könnten die Banken zivilrechtlich oder strafrechtlich angeklagt werden. "Dann hätte die SEC ein sehr starkes Argument," schätzt er.
New York, 7. Mai (Bloomberg) - In den USA rollt auf Technologieunternehmen und Investmentbanken eine Prozesslawine von über 100 Klagen zu. Die Kläger werfen ihnen vor, in den neunziger Jahren den Run auf Internet-Börsenneulinge künstlich angeheizt zu haben. Die Konsortialbanken hätten Neuemissionen an Anleger zugeteilt, die versprachen, später zu höheren Kursen nachzukaufen. Derartige Kopplungsgeschäfte würden eine künstliche Nachfrage nach neuen Aktien schaffen, so die Kläger. In vielen Fällen verdoppelten oder verdreifachten sich die Aktienkurse innerhalb weniger Stunden, so dass Investoren, die früh eingestiegen waren, fett absahnen konnten. Staatliche Aufsichtsbehörden sind bereits tätig geworden und untersuchen die Vergabepraxis der Konsortialbanken bei IPOs. Die Kläger streben den Status einer Gemeinschaftsklage an.
Die Rechtsanwälte der Kläger schätzen, dass die Schadensersatzforderungen auf Milliarden von Dollar lauten dürften. Einige Rechtsexperten waren jedoch vor übertriebenen Hoffnungen. Selbst wenn der Vorwurf der Manipulation gerechtfertigt sei, gäbe es zahlreiche Verteidigungsstrategien für die Banken und Internetgesellschaften. "Ich wäre überrascht, wenn hier große Entschädigungssummen fließen würden," erklärt Larry Hamermesh, Professor an der Widener University Law School.
Der Rechtsanwalt der Kläger, Melvyn Weiss von der Kanzlei Milberg Weiss Bershad Hynes & Lerach in New York führt an, dass Anleger die Aktien bei Neuemissionen zu einem Kurs von 15 Dollar bekamen, während andere bereits wenige Stunden nach Handelsbeginn für die Aktie 80 Dollar hinlegen mussten. "Sie kauften damit zu einem stark überhöhten Preis in einem falschen Markt."
Bisher wurde Klage gegen ein Dutzend Technolgieunternehmen wie Ariba Inc., VA Linux Systmes Inc., Avici Systems Inc., Autoweb.com Inc., Calico Commerce Inc., Digimarc Corp., NetZero Inc., Red Hat Inc. und PlanetRX.com Inc. erhoben. Bei den Konsortialbanken sitzen Merrill Lynch & Co., CSFB, eine Tochtergesellschaft der Credit Suisse First Boston und BancBoston Robertson Stephens Inc., eine Tochtergesellschaft der FleetBoston Financial Corp. auf der Anklagebank. Außerdem gibt es eine Wettbewerbsklage gegen die Investmentbanken. "Dies ist der größte Skandal in der Geschichte der Wall Street," sagt Anwal Sirota. "Wenn es wahr ist."
Gegen Credit Suisse und einige ihrer Mitarbeiter läuft eine Untersuchung durch die Vereinigung der US-Wertpapierhändler NASD, die ihre Untersuchungen auf die angeblichen Unregelmäßigkeiten bei den Neuemissionen ausweitet.
Anfang des Jahres war Alex Makaron aus Brooklyn, New York, einer der ersten, die VA Linux verklagten. "Ich habe 6.000 Dollar verloren, das ist mein größter Verlust," beklagt er. "Ich habe die Aktienum die 30 oder 35 gekauft. Dann schnellten sie auf 50. Ich dachte, das ist eine gute Aktie." VA Linux notierten am Freitag bei 4,88 Dollar an der Nasdaq. Die amerikanische Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde SEC hat von Linux die Unterlagen zum Börsengang angefordert, was der Unternehmenssprecher allerdings mit den Worten kommentierte: "Wir sind zuversichtlich, dass wir nicht im Mittelpunkt der Untersuchung stehen werden." Die Sprecherin von Avici, Esmeralda Swartz, sagt, die Anschuldigungen gegen ihr Unternehmen "entbehren jeder Grundlage."
Finanzprofessor Jay Ritter von der University of Florida schätzt, dass auf die Banken hohe Schadensersatzzahlungen zukommen, sollten sich die Anschuldigungen beweisen lassen. Aber ohne starke Beweise dürften die Kläger Probleme haben, ihre Klage durchzubekommen, sagt er. "Es ist nichts Illegales, wenn ein Kunde mehr kaufen will." Juraprofessor Steve Thel von der Fordham University erwartet, dass die Verteidiger die Existenz derartiger Vereinbarungen abstreiten werden und argumentieren werden, dass es nichts Ungesetzliches sei, den besten Kunden der Bank Aktien bei einer Neuemission zuzuteilen. Hamermesh rechnet damit, dass die Verteidigung auf den generellen Zusammenbruch der Technologiewerte im letzten Jahr verweisen werde. "Wenn der ganze Markt einbricht, wird es schwer werden, den Emittenten oder die Konsortialbank haftbar zu machen," erklärt er.
Auch bezweifelt Ritter, ob die Anleger beweisen können, dass sie von den Investmentbanken geschädigt wurden, weil diese Schmiergelder in Form höherer Provisionen verlangten, zwar nicht für die gekauften Neuemissionen, sondern bei anderen Wertpapiertransaktionen. Dennoch könnten die Banken zivilrechtlich oder strafrechtlich angeklagt werden. "Dann hätte die SEC ein sehr starkes Argument," schätzt er.