Unsichtbare Hausse (Heiko Thieme i.d. FAZ)


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zit1:

Unsichtbare Hausse (Heiko Thieme i.d. FAZ)

 
30.04.02 01:11
29.04.2002
Unsichtbare Hausse
Börsianer sind frustriert. Wall Street erlitt die größte Verlustwoche seit den Terrorangriffen auf New York und Washington im September vergangenen Jahres. Der Abwärtstrend, der nur in der Vorwoche kurz unterbrochen wurde, setzte sich seit Mitte März unerbittlich fort. Anleger fühlen sich teilweise wie bei einer chinesischen Wasserfolter, die durch ständiges Tropfen das Nervensystem zermürbt. Hoffnungen, daß die Unternehmensergebnisse vom ersten Quartal, die überwiegend positive Überraschungen brachten, Kaufinteresse wecken würden, erfüllten sich nicht. Die vier Aprilwochen brachten beim Dow Jones einen Verlust von rund 5 Prozent. Erstmals seit Ende Februar fiel dieser Index am Freitag mit 9911 wieder unter die 10 000-Punkte-Marke. Der primär vom Technologiesektor geprägte Freiverkehrsmarkt mußte im launischen April bisher sogar einen Verlust von knapp zehn Prozent hinnehmen. Somit ist der schnelle Aufschwung unmittelbar nach den Tiefständen vom vergangenen September hier nur von kurzer Dauer gewesen.

Selbst die erste Hochrechnung des Wirtschaftswachstums, die den Anstieg für
das erste Quartal auf fast sechs Prozent bezifferte, vermochte am Freitag
die Stimmung auf dem Börsenparkett nicht zu beleben, obwohl dieses
Quartalsergebnis das beste seit Ende des vergangenen Jahrzehnts war.
Allerdings beruht mehr als die Hälfte der Wachstumsbeschleunigung auf
Veränderungen bei den Lagerbeständen und dem höchsten Anstieg der
Verteidigungsausgaben in 35 Jahren. Gemessen an der Konsumnachfrage, war
die Verbesserung nicht einmal halb so hoch. Erfreulich war, daß die
Inflationsrate - gemessen am Deflator - unter der Ein-Prozent-Marke lag.

Somit kann die Notenbank in ihrer nächsten Ratssitzung am siebten Mai
zinsneutral bleiben, zumal sich das Verbrauchervertrauen im April leicht
abgeschwächt hat.

Unter dem Strich sind die Börsianer mit der Entwicklung der ersten vier
Monate in diesem Jahr kaum zufrieden. Während das Minus beim
Dow-Jones-Index mit gut einem Prozent nicht unbedingt alarmierend ist, sind
die Verluste des Standard & Poor's-500-Index mit mehr als sechs Prozent und
beim Freiverkehrsmarkt mit fast 15 Prozent recht besorgniserregend.
Skeptiker sprechen bereits vom dritten negativen Börsenjahr in Folge. Eine
dreijährige Verluststrähne hatte es zuletzt vor mehr als 60 Jahren mit
Beginn des Zweiten Weltkrieges gegeben. Der S&P-500-Index, der die 500
größten Unternehmen in Amerika repräsentiert, fiel wieder auf das Niveau
vom Herbst 1998 zurück. Die seit dem Frühjahr 2000 erlebte Börsenbaisse
erstreckt sich jedoch keinesfalls auf alle Marktsegmente. Mittlere und
kleinere Unternehmen, deren Marktkapitalisierung meist deutlich unter fünf
Milliarden Dollar liegt, befinden sich seit dreieinhalb Jahren in einem
Aufwärtstrend, der durch die Ereignisse vom September vergangenen Jahres
nur kurz unterbrochen wurde. Diese im Standard & Poor's-400-Mid-Cap- und im
S&P-600-Small-Cap-Index zusammengefaßten 1000 Unternehmen erreichten Mitte
April neue Höchststande. Beide Indizes weisen seit Oktober 1998 ein Plus
von rund 90 Prozent auf. Insgesamt liegt die Marktkapitalisierung dieser
1000 Gesellschaften bei 1,3 Billionen Dollar, was nur knapp 15 Prozent vom
S & P-500-Index ausmacht.

Nur wenige deutsche Anleger sind jedoch mit diesen mittleren und kleinen
Werten vertraut. Auch auf der Prioritätenliste führender Brokerhäuser waren
sie bisher kaum zu finden. Das Kaufinteresse hatte sich gerade vor der
Jahrtausendwende auf nur wenige große Technologiewerte wie Cisco Systems,
Microsoft, Oracle, IBM und EMC sowie auf Internetwerte wie Yahoo und
Amazon.com konzentriert. So spektakulär der Anstieg hier auch gewesen sein
mag, so ernüchternd sah der anschließende Kurseinbruch aus, der teilweise
sogar zu Verlusten von 80 Prozent oder mehr geführt hat.

Die unsichtbare Hausse der mittleren und kleinen Werte kann sich auch in
den nächsten Monaten fortsetzen, während die meisten Marktteilnehmer mit
ihren Verlustpositionen in den großen Titeln weiterhin frustriert bis zur
endgültigen Aufgabe kämpfen werden. Wer an der Börse mit der Masse geht,
hat selten Erfolg. Wer aber gegen den Strom schwimmt, muß analytisches
Gespür und Ausdauer beweisen, um belohnt zu werden. Das hat die Börse mit
dem Lebensalltag gemeinsam.

Ihr Heiko Thieme



Ich schreibe besser nichts dazu...

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hjw2:

iss ja geil..unsichtbare hausse o.T.

 
30.04.02 01:18
Antworten
zit1:

Hi hjw!

 
30.04.02 01:29
Sicher kennst du unseren Heiko, der würde auch bei Dow 3500 noch eine bullishe Umschreibung finden. Hahaha...
Aber ein ausgezeichneter Verkäufer...
Antworten
hjw2:

Zit, alte Nachteule..

 
30.04.02 01:41
unser heiko ist wortschöpferisch tätig..hehe
nicht ganz falsch, es gibt sie wirklich..die Renner von ath zu ath.
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