Die Deutsche Bank knausert mit den Krediten
Nach einer rigorosen Auslese hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann rund 11000 Unternehmen als erste Wahl identifiziert und für diese ein Premiumsegment geschaffen. Diese Top-Kunden sind nicht nur eine einwandfreie Adresse, sondern auch regelmäßige Abnehmer für die Produkte des bankeigenen Investment-Banking und betreiben ein reges Auslandsgeschäft. Diese Kunden sollen der Bank rege Provisionseinnahmen bescheren.
Alle anderen Kunden aber kommen in ein Standardsegment und werden dem Privat- und Geschäftskundensegment zugeordnet. Dort finden sich unter Umständen honorige Firmenchefs in der großen Masse von knapp 690000 anderen Kunden, Arbeitern und Angestellten. Die werden gleichermaßen mit den alltäglichen Bankdienstleistungen versorgt, ab und an auch mit Krediten. Dort beginnt dann der Auswahlmechanismus von neuem - eine Horrorvorstellung für viele Fabrikanten. Vielen treuen Kunden aus dem Mittelstand kommt diese Einsortierung wie ein Abstieg in die Zweitklassigkeit vor.
Doch davon oder gar von "Aussortieren" will die Deutsche Bank nicht reden: "In welches Kundensegment die Unternehmen kommen, entscheiden sie selbst, je nachdem, wieviel Auslandsgeschäft sie betreiben", sagt ein Sprecher. Niemand solle vergrault werden. "Wir kämpfen um jeden einzelnen Kunden."
Soviel steht jedoch fest: Der Service wird in der Massenbank unpersönlicher und auf Standardmaß gedrückt. Schon hat die Bank viele regionale Firmenkundenzentren geschlossen. Nur noch Hamburg, Düsseldorf, Köln und Stuttgart sind in Zukunft für den Mittelstand zuständig. Kunden in Frankfurt oder Offenbach bekommen einen Betreuer in Köln zugewiesen.
Viele Firmenkundenberater haben bereits die Konsequenz gezogen und sind von der Deutschen Bank abgewandert: Jürgen Bilstein, bislang Bereichsvorstand, begann am 1.Januar bei der Unternehmensberatung Roland Berger in München. Thomas Duhnkrack, als Bereichsvorstand Leiter des Firmen kundengeschäfts, wechselte zur genossenschaftlichen DZ-Bank. Damit hat die Deutsche Bank zwei Top-Manager verloren, die viele Jahre lang für das feste Band mit dem deutschen Mittelstand standen.
Das ist nun vorbei. Wer nur Kredite will, muß sich offenbar eine neue Bank suchen. Vorstandssprecher Ackermann will zur Spitze unter den internationalen Investmentbanken aufrücken - da sind große Risiken im Kreditgeschäft nur hinderlich.
Die neue Strategie im Firmenkundengeschäft kommt allerdings zu einem Zeitpunkt, zu dem die deutschen Banken ohnehin über ihr Kreditgeschäft ganz anders denken als vor einigen Jahren noch. Denn im margenarmen Kreditgeschäft ist für das Geldgewerbe seit langem nicht mehr viel zu holen. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Zinsmarge halbiert. Konnten die privaten Banken 1985 mit der Vergabe von Krediten durchschnittlich noch 2,3 Prozent verdienen, sind es nach Angaben der Deutschen Bundesbank jetzt nur noch 1,15 Prozent.
Auch die Deutsche Bank kann es sich nicht mehr leisten, auf das Kreditgeschäft zu bauen. Diese Zurückhaltung bekommen vor allem kleinere Firmenkunden zu spüren, denen der Weg an die internationalen Kapitalmärkte versperrt ist. Und jetzt rächen sich also für den Mittelstand die Versäumnisse der Vergangenheit: Aufgrund falscher An reize im Steuersystem konnten viele nicht genügend Eigenkapital ansammeln und sind auf die Darlehen der Banken angewiesen.
Heute haben viele Unternehmen kaum eine Alternative und leiden unter den Folgen der Kreditverknappung: Fast jeder dritte Mittelständler mußte im vergangenen Jahr schlechtere Kreditkonditionen oder sogar Darlehenskürzungen hinnehmen. Nur für sechs Prozent hat sich nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages bei mehr als 20000 Betrieben die Lage verbessert. Die Banken verlangen mehr Sicherheiten und höhere Zinsen, verringern die Laufzeiten der Darlehen oder weisen Kreditanträge gänzlich ab.
Der Bundesverband deutscher Banken schätzt, daß die Selektion in diesem Jahr weitergehen wird. Denn die Risiken bei den Unternehmen sind angesichts der schlechten Konjunktur weiter gestiegen. Mehr als ein Prozent Wachstum wird kaum zu schaffen sein. Das sagte unlängst Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und verwies auf die jüngsten Prognosen der Forschungsinstitute von 0,6 bis gerade einmal 1,1 Prozent. Das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin sieht Deutschland sogar vor einer lange anhaltenden Stagnation.
"Wenn marktgerechte Preise durchsetzbar wären, dann wäre die Finanzierungssituation über Kredite sicher eine andere", heißt es beim Bankenverband. Über Jahre hinweg haben die Banken - nicht nur an mittelständische - Unternehmen Kredite zu Konditionen vergeben, die dem Risiko der Ausleihung nicht entsprachen. Nur allzu deutlich wird das bei den Wertberichtigungen: So stieg die Risikovorsorge, also der Puffer für möglicherweise zahlungsunfähige Kunden, in vergangenen Jahr auf 28 Milliarden Euro. Das ist mehr als doppelt soviel wie vor fünf Jahren. Keine Frage, solange es den deutschen Banken schlechtgeht, werden sie bei der Kreditvergabe um so rigoroser sein müssen. Die Zeiten sind vorbei, in denen sie sich mit Sparkassen und Landesbanken einen ruinösen Wettbewerb lieferten. "Bis vor drei Jahren war es in Deutschland möglich, auf der Basis einer drei Jahre alten Bilanz einen Kredit zu bekommen", sagt ein Banker. "Doch das läuft jetzt nicht mehr. Und das wird sich auch nicht ändern, wenn die Konjunktur in Deutschland wieder anzieht." Für den Mittelstand ziehen also noch ungemütlichere Zeiten auf. hlr.
Nach einer rigorosen Auslese hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann rund 11000 Unternehmen als erste Wahl identifiziert und für diese ein Premiumsegment geschaffen. Diese Top-Kunden sind nicht nur eine einwandfreie Adresse, sondern auch regelmäßige Abnehmer für die Produkte des bankeigenen Investment-Banking und betreiben ein reges Auslandsgeschäft. Diese Kunden sollen der Bank rege Provisionseinnahmen bescheren.
Alle anderen Kunden aber kommen in ein Standardsegment und werden dem Privat- und Geschäftskundensegment zugeordnet. Dort finden sich unter Umständen honorige Firmenchefs in der großen Masse von knapp 690000 anderen Kunden, Arbeitern und Angestellten. Die werden gleichermaßen mit den alltäglichen Bankdienstleistungen versorgt, ab und an auch mit Krediten. Dort beginnt dann der Auswahlmechanismus von neuem - eine Horrorvorstellung für viele Fabrikanten. Vielen treuen Kunden aus dem Mittelstand kommt diese Einsortierung wie ein Abstieg in die Zweitklassigkeit vor.
Doch davon oder gar von "Aussortieren" will die Deutsche Bank nicht reden: "In welches Kundensegment die Unternehmen kommen, entscheiden sie selbst, je nachdem, wieviel Auslandsgeschäft sie betreiben", sagt ein Sprecher. Niemand solle vergrault werden. "Wir kämpfen um jeden einzelnen Kunden."
Soviel steht jedoch fest: Der Service wird in der Massenbank unpersönlicher und auf Standardmaß gedrückt. Schon hat die Bank viele regionale Firmenkundenzentren geschlossen. Nur noch Hamburg, Düsseldorf, Köln und Stuttgart sind in Zukunft für den Mittelstand zuständig. Kunden in Frankfurt oder Offenbach bekommen einen Betreuer in Köln zugewiesen.
Viele Firmenkundenberater haben bereits die Konsequenz gezogen und sind von der Deutschen Bank abgewandert: Jürgen Bilstein, bislang Bereichsvorstand, begann am 1.Januar bei der Unternehmensberatung Roland Berger in München. Thomas Duhnkrack, als Bereichsvorstand Leiter des Firmen kundengeschäfts, wechselte zur genossenschaftlichen DZ-Bank. Damit hat die Deutsche Bank zwei Top-Manager verloren, die viele Jahre lang für das feste Band mit dem deutschen Mittelstand standen.
Das ist nun vorbei. Wer nur Kredite will, muß sich offenbar eine neue Bank suchen. Vorstandssprecher Ackermann will zur Spitze unter den internationalen Investmentbanken aufrücken - da sind große Risiken im Kreditgeschäft nur hinderlich.
Die neue Strategie im Firmenkundengeschäft kommt allerdings zu einem Zeitpunkt, zu dem die deutschen Banken ohnehin über ihr Kreditgeschäft ganz anders denken als vor einigen Jahren noch. Denn im margenarmen Kreditgeschäft ist für das Geldgewerbe seit langem nicht mehr viel zu holen. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Zinsmarge halbiert. Konnten die privaten Banken 1985 mit der Vergabe von Krediten durchschnittlich noch 2,3 Prozent verdienen, sind es nach Angaben der Deutschen Bundesbank jetzt nur noch 1,15 Prozent.
Auch die Deutsche Bank kann es sich nicht mehr leisten, auf das Kreditgeschäft zu bauen. Diese Zurückhaltung bekommen vor allem kleinere Firmenkunden zu spüren, denen der Weg an die internationalen Kapitalmärkte versperrt ist. Und jetzt rächen sich also für den Mittelstand die Versäumnisse der Vergangenheit: Aufgrund falscher An reize im Steuersystem konnten viele nicht genügend Eigenkapital ansammeln und sind auf die Darlehen der Banken angewiesen.
Heute haben viele Unternehmen kaum eine Alternative und leiden unter den Folgen der Kreditverknappung: Fast jeder dritte Mittelständler mußte im vergangenen Jahr schlechtere Kreditkonditionen oder sogar Darlehenskürzungen hinnehmen. Nur für sechs Prozent hat sich nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages bei mehr als 20000 Betrieben die Lage verbessert. Die Banken verlangen mehr Sicherheiten und höhere Zinsen, verringern die Laufzeiten der Darlehen oder weisen Kreditanträge gänzlich ab.
Der Bundesverband deutscher Banken schätzt, daß die Selektion in diesem Jahr weitergehen wird. Denn die Risiken bei den Unternehmen sind angesichts der schlechten Konjunktur weiter gestiegen. Mehr als ein Prozent Wachstum wird kaum zu schaffen sein. Das sagte unlängst Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und verwies auf die jüngsten Prognosen der Forschungsinstitute von 0,6 bis gerade einmal 1,1 Prozent. Das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin sieht Deutschland sogar vor einer lange anhaltenden Stagnation.
"Wenn marktgerechte Preise durchsetzbar wären, dann wäre die Finanzierungssituation über Kredite sicher eine andere", heißt es beim Bankenverband. Über Jahre hinweg haben die Banken - nicht nur an mittelständische - Unternehmen Kredite zu Konditionen vergeben, die dem Risiko der Ausleihung nicht entsprachen. Nur allzu deutlich wird das bei den Wertberichtigungen: So stieg die Risikovorsorge, also der Puffer für möglicherweise zahlungsunfähige Kunden, in vergangenen Jahr auf 28 Milliarden Euro. Das ist mehr als doppelt soviel wie vor fünf Jahren. Keine Frage, solange es den deutschen Banken schlechtgeht, werden sie bei der Kreditvergabe um so rigoroser sein müssen. Die Zeiten sind vorbei, in denen sie sich mit Sparkassen und Landesbanken einen ruinösen Wettbewerb lieferten. "Bis vor drei Jahren war es in Deutschland möglich, auf der Basis einer drei Jahre alten Bilanz einen Kredit zu bekommen", sagt ein Banker. "Doch das läuft jetzt nicht mehr. Und das wird sich auch nicht ändern, wenn die Konjunktur in Deutschland wieder anzieht." Für den Mittelstand ziehen also noch ungemütlichere Zeiten auf. hlr.