18.12.2006 19:59
Dax verfehlt runde Marke
von Karsten Leckebusch
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Am Ende fehlten nur knapp drei Punkte zur runden 6.600-Punktemarke. Die deutschen Aktienmärkte notierten am Montag freundlich, allerdings fehlte es am Nachmittag an eindeutig positiven Impulsen aus den USA.
An der Wall Street notierten die Aktien am Abend uneinheitlich. Während die Standardwerte weiter im Plus notierten, gaben der Technologieindex Nasdaq leicht ab. Die einzige Konjunkturnachricht des Tages fiel außerdem wie erwartet aus. Das US-Leistungsdefizit im dritten Quartal erhöhte sich 225.6 Milliarden Dollar.
Der Dax beschloss den Handel mit einem Plus von nur 0,1 Prozent bei 6.597 Punkten, nachdem er den größten Teil des Tages über 6.600 Zählern notiert hatte. Die Papiere von Thyssenkrupp und der Deutschen Börse gewannen etwa zwei Prozent hinzu. Analysten begründeten dies mit Positionsbereinigungen von Fondsmanagern, die sich Aktien, die über das Jahr sehr gut gelaufen waren, kauften.
Der Reisekonzern Tui verlor abermals ein Prozent. Der angekündigte Sparplan und die Gewinnwarnung vom Freitag belasteten die Aktie weiter. Die Deutsche Telekom ging ebenfalls um 0,9 Prozent leichter aus dem Handel.
Der Aktienkurs des Softwarekonzerns SAP verbesserte sich um 0,8 Prozent. Nachbörslich legt US-Konkurrent Oracle seine Quartalszahlen vor, wobei Experten auf ein deutliches Gewinn- und Umsatzwachstum spekulieren. SAP führt am Mittwoch zudem einen Aktiensplit durch. Für jede SAP-Aktie, die aktuell knapp 160 Euro kostet, gibt es dann drei Gratisaktien, wodurch sich der Aktienkurs um drei Viertel verbilligt.
Die Bayer-Aktie stieg um 0,9 Prozent, nachdem der Konzern seine Tocher Wolff Walsrode an den US-Konzern Dow Chemical verkauft hatte. Stützend wirkte auch eine positive Studie der Deutschen Bank.
MDax-Gewinne
Im MDax stieg die Aktie des Motorenherstellers Deutz um 5,3 Prozent. Die Kölner Firma hat ein Joint Venture mit dem chinesischen Autobauer FAW angekündigt. Gemeinsam werde man Dieselmotoren bauen und vermarkten. Das Unternehmen bekomme dadurch einen Wachstumschub für die nächsten Jahre, urteilen Branchenkenner. Der Klinikbetreiber Rhön Klinikum erhöhte seine Geschäftprognose, woraufhin die Aktie zunächst um zwei Prozent stieg. Zum Handelsschluss steht allerdings nur ein Plus von 0,5 Prozent zu Buche.
Die Papiere von Heidelberger Druckmaschinen legten um 2,2 Prozent zu. Hier waren Übernahmefantasien der Auslöser. Konzernchef Bernhard Schreier hatte in der "Welt" gesagt, dass sein Unternehmen ein akktraktives Übernahmeziel sei. Anleger griffen vorsichtshalber jetzt schon mal zu. Die aus dem SDax aufgestiegene Immobilienfirma Gagfah verteuerte sich um 1,5 Prozent. Die Aktie profitiert von einer positiven Erststudie der deutschen Bank.
TecDax und SDax
Im Technologieindex TecDax stehen nachrichtenlos GPC Biotech (plus 5,3 Prozent) und Tele Atlas (drei Prozent) an der Spitze. Nachrichten gab es vom Anbieter für Kartenzahlungssystem WireCard. Die Deutsche Bank hat das Unternehmen auf die Beobachtungsliste genommen und ein Kursziel von neun Euro herausgegeben. Die Aktie stieg um 1,3 Prozent.
Auf der Verliererseite sind die Gewinner der vergangenen Woche. Die Solarwerte verbilligen sich, der größte Verlierer Ersol gab 2,4 Prozent ab. Der Windkraftanbieter Nordex verlor trotz eines neuen Auftrages aus Großbritannien 1,4 Prozent.
Im SDax legen ohne Nachrichten Rational 4,2 Prozent zu. Beim Brillenhersteller Fielmann sind Aktionäre offensichtlich erleichtert, dass das Unternehmen seit Montag nicht mehr im MDax notiert ist. Der SDax-Abstieg hätte seit Jahren wie ein Damoklesschwert über dem Unternehmen geschwebt, sagen die Börsianer blumig. Die Aktie verteuert sich um 2,9 Prozent.
Keine Auswirkung auf den Aktienkurs mehr hatte die abendliche Ankündigung des schwäbischen Automobilzulieferers Elringklinger, die Gewinnprognose zu übertreffen. Die Firma erwartet einen Jahresgewinn von etwa 50 Millionen Euro, 20 Prozent mehr als vor einem Jahr, sowie einen Sonderertrag von fünf Millionen Euro durch die Änderungen bei der Körperschaftssteuer.
Henkel bekommt neuen CEO
Der Kosmetikkonzern Henkel schickt im April 2008 seinen Vorstandsvorsitzenden Ulrich Lehner in den Ruhestand. Lehner scheide nach Erreichen der internen Altersgrenze von 62 Jahren als Vorstandschef aus, teilte Henkel mit. Nachfolger wird Kaspar Rorsted, der seit April 2005 Mitglied der Geschäftsführung ist und für Personal, Einkauf, IT und Infrastruktur zuständig ist.
Verbio baut neue Bioethanolanlage
Der Biosprithersteller Verbio will im Rostocker Seehafen eine Bioethanolanlage bauen. Die etwa 100 Millionen Euro teure Anlage soll im vierten Quartal 2008 an den Start gehen und dann etwa 200.000 Tonnen Ethanol jährlich produzieren. Zugleich konkretisierte das Unternehmen seine Geschäftsziele für 2006. Demnach erwartet Verbio einen Jahresumsatz von 450 Millionen Euro sowie eine operative Umsatzrendite von elf bis zwölf Prozent. Die Aktie ging nahezu unverändert aus dem Handel.
Googles Zinsprobleme
Der US-Internetkonzern Google könnte im kommenden Jahr deutlich schwächere Gewinne erwirtschaften. Das Wall Street Journal berichtet, dass die Zinseinnahmen des Konzerns 2007 nicht mehr so stark zulegen würden wie noch in diesem Jahr. Google hat einen großen Teil seines Barvermögens von etwa 10 Milliarden Dollar in Zinspapieren, vor allem Bonds, angelegt, und daraus seit etwa einem Jahr kontinuierlich wachsende Einnahmen erzielt. Befürchtungen über nachlassendes Wachstum hatten immer mal wieder zu Kurseinbußen bei der Google-Aktie geführt.
börse-ARD