11. Januar 2006 Trotz eines deutlich besser als erwartet ausgefallenen ZEW Konjunkturerwartungsindex, der am Vormittag zur Veröffentlichung anstand, schloss der DAX gestern mit einem Abschlag von 0,77 Prozent bei 5.494,71 Punkten (LDAX: 5.511,80 Punkte; -0,58 Prozent). Der MDAX büßte 0,36 Prozent auf 7.521,43 Zähler ein. Neben einer schwachen Eröffnung der Wall Street belasteten weitere Faktoren. So zog der Ölpreis wieder an und auch der Atomstreit mit dem Iran drückte zusätzlich auf die Stimmung der Börsianer. Touristikwerte standen daneben aufgrund der Ausbreitung der Vogelgrippe in der Türkei unter Druck.
An die Spitze der kurzen Gewinnerliste kletterten gestern Aktien der Hypo Real Estate mit einem Aufschlag von 1,7 Prozent, um 1,6 Prozent ging es auch für die Deutsche Post nach oben. Grüne Vorzeichen prägten das Geschehen zudem bei Papieren von Volkswagen, DaimlerChrysler und denen von METRO. An das Indexende fielen indes Aktien des Touristikkonzerns TUI mit einem Abschlag von 3,4 Prozent, Anteilsscheine der Deutschen Lufthansa sackten um 2,6 Prozent ab. Anteilsscheine der Allianz, die sich mit einem Minus von 1,8 Prozent in den Feierabend verabschiedeten, litten unter Presseberichten, wonach sechs weibliche Angestellte die Investmentbank-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein wegen Diskriminierung verklagt haben. Der Wert der Sammelklage liegt laut Klageschrift bei 1,4 Mrd. Dollar.
In der zweiten Reihe schlossen gestern Aktien von KarstadtQuelle 1 Prozent fester. Presseangaben zufolge wollen die Großaktionäre das Unternehmen von der Börse nehmen und den freien Aktionären ein Abfindungsangebot unterbreiten. Kräftige Kursgewinne von 2,8 Prozent verbuchten die Papiere von IVG, nachdem das Unternehmen am Vorabend bekannt gab, dass man für 2006 ein verbessertes Ergebnis erwartet. Nach vorläufigen Geschäftszahlen konnte STADA Arzneimittel im vergangenen Jahr erstmals mehr als 1 Mrd. Euro umsetzen, die Anteilsscheine verloren nach einem festen Start dennoch ein halbes Prozent.
Der Markt heute:
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit einem Plus in den Handel starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 5.516 Punkten und HSBC Trinkaus & Burkhardt sieht den DAX bei 5.522 Zählern.
Konjunktur- und Wirtschaftstermine:
In Deutschland stehen heute die Insolvenzen zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Frankreich die Industrieproduktion und in Großbritannien die Handelsbilanz bekannt gegeben. Aus den USA werden die MBA Hypothekenanträge und der EIA Ölmarktbericht gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei LG.Philips LCD Co. Ltd., Mercantile Bankshares Corp., Richardson Electronics Ltd. und SYNNEX Corp. an.
Die US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Dienstag im Plus. Während der Dow Jones mit 11.011 Punkten zunahm, zog die NASDAQ um 0,07 Prozent auf 2.320 Zähler an. Die Futures notieren derzeit im Minus. Gegen 08:00 Uhr tendiert der NASDAQ Future bei 1.758 Punkten (-0,1 Prozent) und der S&P Future bei 1.295 Zählern (0,0 Prozent).
Devisen, Gold und Rohstoffe:
Brent Oil: 62,43 Dollar; Euro: 1,2060 Dollar; Gold: 543,50 Dollar
Wichtige Meldungen:
Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing Co. (ISIN
US0970231058/ WKN
850000) meldete am Dienstag, dass er im vierten Quartal 73 Passagiermaschinen und im Gesamtjahr 2005 insgesamt 290 Flugzeuge ausgeliefert hat. Im vierten Quartal wurden darüber hinaus zehn Kampfflugzeuge vom Typ F/A-18E/F ausgeliefert, im Gesamtjahr waren es 42 Maschinen. Vom Kampfjet des Modells F-15 wurden im vierten Quartal vier ausgeliefert, von insgesamt sechs in 2005.
Der US-Medizintechnikkonzern Guidant Inc. (ISIN
US4016981056/ WKN
893513) teilte am Dienstag mit, dass sein vorläufiger Umsatz im vierten Quartal um 15 Prozent gesunken ist, was mit einer Reihe von Problemen bei seinen Defibrillatoren zusammenhängt. Der Konzern, der zurzeit Gegenstand einer Übernahmeschlacht zwischen der Boston Scientific Corp. (ISIN
US1011371077/ WKN
884113) und Johnson & Johnson (ISIN
US4781601046/ WKN
853260) ist, wies demnach auf vorläufiger Basis einen Umsatz von 828 Mio. Dollar aus. Der bisherige Plankorridor von 790 bis 820 Mio. Dollar wurde damit bereits überschritten, was auf eine höher als erwartete Nachfrage nach implantierbaren Defibrillatoren in den USA zurückzuführen ist. Analysten stellen für das Schlussquartal 2005 derzeit Erlöse in Höhe von 885 Mio. Dollar in Aussicht.
Die größte US-Baumarktkette Home Depot Inc. (ISIN
US4370761029/ WKN
866953) gab am Dienstag bekannt, dass sie die Hughes Supply Inc. (ISIN
US4444821031/ WKN
890683), einen Großhändler für Bau-, Reparatur- und Wartungsprodukten, für insgesamt 3,47 Mrd. Dollar übernehmen wird. Im Rahmen der Transaktion zahlt die weltgrößte Baumarktkette 46,50 Dollar pro Aktie (fast 3,2 Mrd. Dollar) und übernimmt zudem Netto-Verbindlichkeiten in Höhe von 285 Mio. Dollar. Der Kaufpreis entspricht einer Prämie von nahezu 21 Prozent auf den gestrigen Schlusskurs der Hughes Supply-Aktie. Nach der Übernahme wird Hughes Supply Teil der Sparte Home Depot Supply sein, die B2B-Kunden bedient. Durch die Integration wird sich die Größe von Home Depot Supply mehr als verdoppeln, wodurch der Bereich in 2006 einen Umsatz von 12 Mrd. Dollar erwirtschaften soll. Das Konzernergebnis von Home Depot wird durch die Akquisition voraussichtlich im ersten Jahr gesteigert werden.
Der Software-Konzern SAP AG (ISIN
DE0007164600/ WKN
716460) geht für das laufende Fiskaljahr von einem deutlichen Umsatzanstieg aus. Wie der größte europäische Konzern für Unternehmenssoftware am Dienstag bekannt gab, geht man nach der Analyse der vorläufigen Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2005 für das Gesamtjahr von einem Anstieg des Softwarelizenzumsatzes auf rund 2,78 Mrd. Euro aus. Dies entspricht einem Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 2,36 Mrd. Euro. Bislang war SAP von einem Anstieg der Erlöse bei Softwarelizenzen um 12 bis 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ausgegangen. Für das vierte Quartal rechnet SAP mit einem Softwarelizenzumsatz von rund 1,18 Mrd. Euro, was einer Steigerung von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (1,003 Mrd. Euro) entspricht. Damit baut SAP seinen Marktanteil auf Basis dieser vorläufigen Zahlen im Bereich betriebswirtschaftlicher Unternehmenssoftware gegenüber den wichtigsten Wettbewerbern auf 63 Prozent aus. 3 Prozentpunkten gegenüber dem dritten Quartal 2005 und einem Anstieg von 8 Prozentpunkten gegenüber dem vierten Quartal 2004. SAP erwartet in den USA im vierten Quartal 2005 mit einem Softwarelizenzumsatz von 315 Mio. Euro, was einer Steigerung von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die gesamte Region Amerika (USA, Kanada und Lateinamerika) verzeichnete im vierten Quartal einen Softwarelizenzumsatz von 424 Mio. Euro, was einer Steigerung von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Der Gesamtumsatz im vierten Quartal liegt voraussichtlich bei 2,75 Mrd. Euro, was einem Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (2,40 Mrd. Euro) gleichkommt. Für das Gesamtjahr 2005 erwartet die SAP einen Gesamtumsatz von rund 8,5 Mrd. Euro, nach 7,5 Mrd. Euro im Vorjahr. Auf Grundlage der vorläufigen Zahlen erwartet SAP, dass die Steigerung der Pro-forma-operativen-Marge im Gesamtjahr 2005 am oberen Ende des veröffentlichten Ausblicks (Steigerung um 0,0 bis 0,5 Prozentpunkte) liegen wird. Die Pro-forma-operative-Marge wird übergeleitet auf die operative Marge, indem das operative Ergebnis um die anteiligen Aufwendungen für aktienorientierte Vergütungsprogramme (rund 46 Mio. Euro) und akquisitionsbedingte Aufwendungen (rund 33 Mio. Euro) bereinigt wird. arüber hinaus geht SAP davon aus, dass das Pro-forma-Ergebnis je Aktie am oberen Ende des für 2005 veröffentlichten Ausblicks von 4,85 Euro bis 4,95 Euro je Aktie liegen wird.