Nach deutlichen Gewinnen kurz nach Handelsbeginn schlug der DAX eine lustlose Seitwärtsbewegung ein, die er auch fast bis Handelsende beibehielt. Mit Sorge schauten die Marktteilnehmer auf Hurrikan \"Rita\", der die US-amerikanische Südküste und die dortige Ölindustrie bedroht. In der letzten Handelsstunde gewann der DAX dank freundlicherer US-Börsen noch einmal an Fahrt und verabschiedete sich mit einem Plus von 0,69 Prozent auf 4.882,58 Punkte in das Wochenende. Der MDAX kletterte um 0,66 Prozent auf 6.918,62 Zähler.
Trotz aller Unsicherheiten scheint der Markt "Rita" zum Großteil bereits verarbeitet zu haben. Die direkt betroffenen Unternehmen tendierten heute meist freundlich. BASF und Bayer schlossen bereits ihre Produktionsstandorte in der bedrohten US-Region. Die BASF-Aktie verbuchte deutliche Gewinne, Bayer gab deutlicher ab. Die Versicherer Münchener Rück und Allianz standen auf der Gewinnerseite.
Die Aktie von Volkswagen fand zum Handels! ende zurück zu alter Stärke und beendete den Tag erneut mit an der Spitze des DAX. Im Markt halten sich Gerüchte über eine Beteiligung eines ausländischen Investors. Darüber hinaus prüft das Unternehmen auch den Börsengang zweier seiner Töchter. DaimlerChrysler beendet den Tag ebenfalls stark, bei BMW gab es kaum Veränderungen. SAP rückte nach Quartalszahlen des US-Konkurrenten Oracle ins Blickfeld, die Aktie gehörte zu den größten Verlierern. Die Versorgen E.ON und RWE beendeten den Tag uneinheitlich. Während E.ON abgeben musste, konnte RWE einen leichten Gewinn verbuchen. Beim Chipproduzenten Infineon könnte laut einem Pressebericht ein massiver Arbeitsplatzabbau drohen, die Aktie ging knapp behauptet in das Wochenende.
In der zweiten Reihe konnte Salzgitter, deren gesellschaftsrechtliche Struktur verändert werden soll, die deutlichen Verluste aus dem frühen Handel komplett abbauen und ging nahezu unverändert in den Feierabend. Eine technische Gegenreaktion auf die Verl! uste der vergangenen Tage ließ die Aktie der Hannover-Rück an die Spit ze des MDAX steigen. Ähnliche starke Zuwächse erreichte das Papier des Rüstungskonzerns Rheinmetall.
Schlusskurse (17:38 Uhr):
DAX: 4.882,58 (+0,69 Prozent)
MDAX: 6.918,62 (+0,66 Prozent)
Tagesgewinner: Volkswagen, Commerzbank, DaimlerChrysler
Tagesverlierer: TUI, Bayer, Henkel
Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet beim Halbleiterhersteller Infineon Technologies AG (ISIN
DE0006231004/ WKN
623100) im Falle eines möglichen Verkaufs der Speicherchip-Sparte einen massiven Verlust von Arbeitsplätzen. Die Gewerkschaft rechnet im Falle eines ausländischen Aufkäufers der Konzernsparte, dass bis zu 4.500 Stellen gefährdet sein könnten. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass es ein Gefährdungspotenzial in dieser Größenordnung geben könnte, sollte ein möglicher Käufer der Sparte seinen Sitz nicht in Europa haben, sondern aus Asien kommen", sagte Dieter Scheitor, Vertreter der Gewerkschaft im Aufsichtsrat von Infineon, laut dem "Handelsblatt". Infineon wollte selbst keine ! Angaben darüber machen, wie viele der insgesamt 16.000 Mitarbeiter in Deutschland in der Speichersparte beschäftigt sind. Scheitor rechnet, dass in dem Infineon-Werk in Dresden 3.000 bis 3.500 Beschäftigte der defizitären Sparte zuzuordnen seien, in der Münchner Zentrale rund 1.000. Das "Handelsblatt" hatte zuvor berichtet, dass auf der Sitzung des Aufsichtsrats von Infineon am 17. November über die Zukunft der Speichersparte entschieden werden sollte. Ein Börsengang sei dabei wahrscheinlicher als der Verkauf an einen Finanzinvestor.
Der Nutzfahrzeughersteller MAN AG (ISIN
DE0005937007/ WKN
593700) ist Presseangaben zufolge an der Übernahme des Dieselmotorenherstellers MTU Friedrichshafen interessiert. Wie das "Handelsblatt" heute berichtet, ist MAN-Konzernchef Hakan Samuelsson nach wie vor an der Übernahme der Tochter des Automobilherstellers DaimlerChrysler AG (ISIN
DE0007100000/ WKN
710000) interessiert. MTU baut Dieselmotoren mittlerer Größe, womit eine strategische L! ücke in der Angebotspalette von MAN gefüllt werden würde. Nachdem der im Bereich Nutzfahrzeuge und Druckmaschinen tätige Mischkonzern bereits im Frühjahr Interesse an einer Übernahme der MTU Friedrichshafen bekundet hatte, machte ein Streit zwischen DaimlerChrysler und den Minderheitsaktionären des Dieselmotorenherstellers die Übernahmepläne zunichte. Nach der Einigung zwischen DaimlerChrysler und den Gründerfamilien werden dem MAN-Chef gute Chancen eingeräumt. Laut dem Bericht will MAN jedoch bei der Übernahme keine Extra-Prämie bezahlen, wobei die Schmerzgrenze bei rund 1,2 Mrd. Euro liegen dürfte. Auch wenn angelsächsische Finanzinvestoren mehr böten, die Bundesregierung hätte beim Verkauf eines im Rüstungsgeschäft tätigen deutschen Unternehmens ins Ausland ein Vetorecht. Da MTU auch Motoren für den Panzer Leopard baut, hat Samuelsson gute Karten, hieß es weiter.
Der Technologiekonzern Siemens AG (ISIN
DE0007236101/ WKN
723610) meldete heute, dass der Geschäftsbereich Power Generation (PG) über sein neues Geschäftsgebiet Wind Power ein e! rstes Offshore-Projekt in Großbritannien errichten und dabei die neue 3,6 Megawatt (MW)-Turbine einsetzen wird. Die Siemens-Sparte PG hat dafür von der SeaScape Energy Ltd., einem Joint Venture der dänischen Elsam A/S und der französischen EDF Energies Nouvelles, einen Auftrag über die Lieferung von 25 Windturbinen erhalten. Die Turbinen sind für einen Offshore-Windpark in der Liverpool Bay an der britischen Westküste vorgesehen. Der Auftragswert liegt bei mehr als 90 Mio. Euro. PG wird für den Wind Park "Burbo Banks Offshore" 25 Windturbinen mit einer Leistung von je 3,6 MW liefern. Die Gesamtleistung des Windparks von 90 MW reicht aus, um rund 75.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Mit dem Bau soll im Frühjahr 2006 begonnen werden, die Fertigstellung ist für Herbst 2007 geplant.
Der Industriekonzern ThyssenKrupp AG (ISIN
DE0007500001/ WKN
750000) bündelt seine Geschäftsaktivitäten im Bereich Dienstleistungen für die Prozessindustrie. Wie der im DAX30 notierte Konzern ! heute bekannt gab, werden die PeinigerRöRo-Gruppe und ThyssenKrupp Pla nt Services zum 1. Oktober zur ThyssenKrupp Xervon GmbH verschmolzen. Diese neue Gesellschaft mit Sitz in Gelsenkirchen konzentriert sich dabei auf zukunftsorientierte Dienstleistungen in der Chemie/Petrochemie, Energiewirtschaft und anderen ausgewählten Bereichen der Prozessindustrie. Die Leistungspalette reicht von den Basisdienstleistungen Gerüstbau, Isolierung, Oberflächenschutz und Piping über die Maschinen- und Anlagentechnik sowie EMSR und deren flexible Bündelung zu so genannten Dienstleistungsmodulen bis hin zur Übernahme kompletter Standortdienstleistungen. Das zur ThyssenKrupp Services AG, Düsseldorf, gehörende Unternehmen ist in Deutschland flächendeckend vertreten und verfügt international über Standorte in der Schweiz, Österreich, Benelux, Spanien, Skandinavien, im Mittleren Osten und Asien. ThyssenKrupp Xervon beschäftigt insgesamt 9.200 Mitarbeiter und hat einen Gesamtumsatz von 890 Mio. Euro. Die Geschäftsführung besteht aus Rolf-Bernd Maas (Vorsitzender), G! eorg Kürfgen und Hans-Rudolf Orgs.
Der Industriekonzern ThyssenKrupp AG trennt sich im Rahmen der laufenden Portfoliooptimierung von der Hoesch Contecna Systembau GmbH. Wie der Konzern heute erklärte, wird die zum Geschäftsbereich ThyssenKrupp Steel gehörende Gesellschaft mit Sitz in Oberhausen an die mittelständischen Unternehmensgruppe Franzen Holding GmbH & Co. KG veräußert. Finanzielle Einzelheiten der Transaktion wurden nicht bekannt gegeben. Bei der Hoesch Contecna Systembau handelt es sich um ein zur ThyssenKrupp Hoesch Bausysteme GmbH gehörendes Tochterunternehmen, welches auf das Leistungsgeschäft mit Dach- und Wandverkleidungen aus Stahlbauelementen spezialisiert ist. Insgesamt erwirtschaftet die Gesellschaft einen Umsatz von rund 40 Mio. Euro und beschäftigt 57 Mitarbeiter.
Der Automobilhersteller Volkswagen AG (ISIN
DE0007664005/ WKN
766400) schreckt Presseangaben zufolge aus Kostengründen vor Werksschließungen zurück. Wie die "Financial Times Deutschland" ! unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, haben interne Berechungen des größten europäischen Automobilherstellers ergeben, dass die Schließung des VW-Werks in Brüssel zu hohe Kosten verursacht, wobei die Amortisation viele Jahre in Anspruch nehmen würde. Dabei würden sich die fälligen Abschreibungen sowie die Kosten für den Sozialplan laut dem Bericht erst nach acht bis neun Jahren rechnen. Damit sei dieser Schritt "betriebswirtschaftlich unsinnig", erfuhr die FTD aus dem Management. Um die konzernweiten Überkapazitäten zu reduzieren, will Volkswagen nun Mitarbeiter verteilt auf alle Niederlassungen in ganz Europa abbauen. Der Autokonzern hat nach früheren Angaben seines Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder Überkapazitäten in der Größenordnung von 400.000 bis 500.000 Fahrzeugen pro Jahr und einen Stellenüberhang von "mehreren tausend Mitarbeitern". VW produzierte im Jahr 2004 mit weltweit 343.000 Beschäftigten 5,1 Millionen Fahrzeuge.
Der Automobilhersteller Volkswagen AG prüft für seine Tochtergesellschaften gedas AG sowie Europcar Intern! ational S.A. verschiedene strategische Optionen. Wie der Konzern heute bekannt gab, hat der Aufsichtsrat in seiner heutigen Sitzung den Vorstand dazu ermächtigt, für beide Konzerntöchter alle Optionen von einem strategischen Ausbau bis zu einem Börsengang oder Verkauf zu prüfen. Diese Entscheidung steht dabei in Zusammenhang mit dem Vorhaben, alle Unternehmensaktivitäten einer Überprüfung zu unterziehen. Im Rahmen dieser Maßnahmen ergeben sich keine Auswirkungen auf den bisherigen Ausblick des Vorstands zur Ergebnisentwicklung im laufenden Fiskaljahr 2005. In diesem Zusammenhang geht man nach wie vor von einer Verbesserung beim operativen Ergebnis nach Sondereinflüssen sowie beim Vorsteuerergebnis gegenüber dem Fiskaljahr 2004 aus.
Der Spezialchemiekonzern Degussa AG (ISIN
DE0005421903/ WKN
542190) geht in Zusammenhang mit dem anstehenden Konzernumbau von erheblichen Einmalbelastungen aus und zieht möglicherweise eine Schließung größerer Standorte in Betracht. Vorstandsc! hef Utz-Hellmuth Felcht bezifferte die für den Konzernumbau notwendige n Einmalbelastungen gegenüber der "Financial Times Deutschland" auf einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe. Felcht geht damit auf das Umbauprogramm Degussa 2008 ein, das die Unternehmensberatung McKinsey für das drittgrößte deutsche Chemieunternehmen ausgearbeitet hat. Degussa war Anfang 2001 aus der Fusion von Degussa-Hüls mit SKW Trostberg entstanden. Im Anschluss daran trennte sich der drittgrößte deutsche Spezialchemiekonzern von Geschäftsbereichen mit einem Gesamtumsatz von 6 Mrd. Euro. Das verbleibende Kerngeschäft wurde restrukturiert, wobei die daraus resultierenden Einmalbelastungen auf 500 Mio. Euro beziffert wurden. Mit dem Programm Degussa 2008 soll das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) bis 2008 um 300 Mio. Euro gegenüber dem Fiskaljahr 2004 gesteigert werden. Dabei zeichnen sich laut dem Bericht jedoch bisher nicht berücksichtigte Sondereffekte in bislang unbekannter Höhe ab. Analysten gehen in diesem Zusammenhang von Aufwendungen in Höhe von mindesten! s 300 Mio. Euro aus, berichtet die "FTD" weiter.
Der Stahlkonzern Salzgitter AG (ISIN
DE0006202005/ WKN
620200) gab gestern nach Börsenschluss bekannt, dass die Führungsgremien des Unternehmens beschlossen haben, der Hauptversammlung vorzuschlagen. Nach der bisherigen Struktur können den Angaben zufolge die von den einzelnen Konzerngesellschaften jährlich erzielten Gewinne und Verluste untereinander sowie mit bestehenden steuerlichen Verlustvorträgen nur eingeschränkt verrechnet werden. Bei Aufrechterhaltung dieser Struktur würden dem Konzern im Geschäftsjahr 2005 und den folgenden Geschäftsjahren Nachteile in Höhe von voraussichtlich insgesamt 130 bis 150 Mio. Euro entstehen. Außerdem ist wegen der bisherigen Struktur ein uneingeschränktes zentrales Finanzmanagement nichtmöglich. Mit einer neuen Struktur könnte dies vermieden werden. An der bisherigen Führungsstruktur des Konzerns ändert sich aber nichts. Die Änderung bedarf der Zustimmung der Hauptversammlung. Um siche! rzustellen, dass die Änderung noch für das Geschäftsjahr 2005 wirksam wird, ist vorgesehen, diese Zustimmung in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 17. November 2005 einzuholen, so die Mitteilung von Salzgitter weiter.
Gruß Moya 