Der deutsche Aktienmarkt ist am letzten Handelstag einer von Unternehmenszahlen geprägten Woche mit Kursgewinnen in die Sitzung gestartet. Der Dax eröffnete am Freitag 0,25 Prozent höher bei 6.055 Punkten und baute damit seine Vortagesgewinne aus.
Gefragt waren die Aktien der Deutschen Börse, die 1,8 Prozent zulegten. Der Frankfurter Börsenbetreiber, der Gespräche über einen Zusammenschluß mit der Vierländerbörse Euronext führt, ist dank boomender Kapitalmärkte mit einem Rekordquartal in das Geschäftsjahr 2006 gestartet. Auf der Verliererseite standen nach der Vorlage von Geschäftszahlen mit einem Minus von 2,8 Prozent hingegen die Papiere des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate.
Bei den Nebenwerten im MDax ragten mit einem Anstieg von 4,2 Prozent die Anteilsscheine der Fernsehsendergruppe ProSiebenSat.1 heraus. Einem Zeitungsbericht zufolge haben sich ProSiebenSat.1-Eigentümer Haim Saban und das Management des Senders Mitte der Woche mit Interessenten getroffen, um über einen Verkauf der Sendergruppe zu sprechen. Im Zuge der laufenden Hauptversammlungssaison werden am Freitag zahlreiche Aktien deutscher Unternehmen ex Dividende gehandelt. Einen Abschlag werden unter anderem Linde, Eon, BASF, Hugo Boss, T-Online und MPC hinnehmen müssen.
Rentenmärkte tendieren praktisch unverändert
Nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen nicht anzuheben, haben die Rentenmärkte ihre Konsoliderungstendenz nicht aufgeben. Der Juni-Kontrakt des Bund-Future gewinnt zwei Basispunkte auf 115,05 Prozent. Der Bobl-Future verliert zwei Basispunkte auf 109,20 Prozent.
Händler sprechen von einer „Gemengelage“ an Nachrichten, die den Markt belaste. So seien die amerikanischen Lohnstückkkosten deutlich stärker als erwartet angestiegen und hätten somit Inflationsängste erneut angeheizt. Die Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hätten zwar keine wirklichen Überraschungen gebracht, aber die Betonung anhaltender Preisrisiken sorge auch nicht für Beruhigung und bestätige die Erwartung einer Anhebung im Juni.
Euro nach starken Gewinnen seitwärts
Der Euro tendiert am Freitag morgen während des Übergangs aus dem asiatischen in den europäisch geprägten Handel seitwärts. Aktuell liegt er mit 1,2689 Dollar eng an der Marke von 1,27 Dollar, die er am Donnerstag im späten Geschäft erstmals seit fast einem Jahr überwunden hatte. Händler sprechen von einer Verschnaufpause vor dem amerikanischen Arbeitsmarktbericht am Nachmittag. Richtung 1,2740 bis 1,2750 Dollar dürfte Verkaufsdruck im Euro aufkommen, bei 1,2630 bis 1,2620 Dollar sei der Euro unterstützt.
Die amerikanische Währung war bereits am Nachmittag im europäischen Handel unter Druck geraten, nachdem sich EZB-Präsident Trichet stärker im Sinne einer straffen Zinspolitik geäußert hat als manche Teilnehmer erwartet hatten. Die „starke Wachsamkeit“ hinsichtlich der latenten Inflationsgefahren und der Hinweis, daß die Leitzinsen auch außerhalb von Frankfurt verändert werden könnten, die nächste Sitzung findet in Madrid statt, seien Signale für eine Anhebung im Juni gewesen, so ein Volkswirt.
Aktien Japan
Aufgrund eines Feiertags bleiben die Börsen in Japan geschlossen.
Aktien Hongkong
Aufgrund eines Feiertags bleibt am Freitag die Börse in Hongkong geschlossen.
Nachbörsliche Meldungen aus Amerika
Die Kurse an der Wall Street zeigten sich am Donnerstag nachbörslich praktisch unverändert. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator stieg um 0,03 Punkte auf 1.701,49 Punkte.
McKesson haben sich um 2,6 Prozent auf 48,50 Dollar verteuert, nachdem der Pharmagroßhändler über den Erwartungen liegende Viertquartalszahlen mitgeteilt hatte. Der Gewinn ging zum Vorjahresquartal zwar auf 0,85 Dollar zurück, lag damit aber deutlich über der Durchschnittsprognose von 0,68 Dollar. Auch beim Umsatz lag McKesson über den Schätzungen des Marktes, ebenso mit der Spanne für den Gewinnausblick 2006.
FoxHollow Technologies brachen um knapp 25 Prozent ein auf 23,55 Dollar. Der Hersteller medizinischer Geräte hatte für das erste Quartal eine Verlustausweitung gemeldet und für das zweite Quartal einen Umsatz in Aussicht gestellt, der hinter den Erwartungen des Marktes zurückbleibt. SafeNet legten um 1,8 Prozent auf 20,35 Dollar zu, gestützt von Plänen des Sicherheits-Software-Herstellers, Aktien im Volumen von 50 Millionen Dollar zurückzukaufen. Mit seinem Erstquartalsergebnis hatte Safenet unterdessen die Prognosen von Analysten verfehlt.
Wall Street schließt etwas fester
Gute Einzelhandelszahlen und ein rückläufiger Ölpreis haben unter den Investoren an Wall Street eine freundliche Stimmung verbreitet. Der Dow-Jones-Index (DJIA) für 30 Industriewerte gewann 39 Punkte oder 0,3 Prozent auf 11.439. Der S&P-500 schloß mit einem Plus von 0,3 Prozent oder vier Punkten auf 1.312. Der Nasdaq Composite verzeichnete einen Aufschlag von 0,9 Prozent oder 20 Punkten auf 2.324.
Die guten Unternehmenszahlen hätten alle anderen Bedenken - etwa Inflations- und Zinssorgen - in den Hintergrund gedrängt, sagte ein Händler. Er geht davon aus, daß der Aktienmarkt weiter eher nach oben wolle, da die Verbraucher die Konjunktur in Schwung hielten. Vor Handelsbeginn waren Produktivitätsdaten mitgeteilt worden, die als zweischneidiges Schwert gesehen wurden. Die Produktivität lag zwar über den Erwartungen, doch auch die Arbeitskosten waren deutlich gestiegen. Positiv wurde hingegen der rückläufige Ölpreis registriert, der unter die Marke von 70 Dollar fiel.
Mit guten Zahlern wartete der Einzelhandel auf. Wal-Mart hat im April flächenbereinigt ein Umsatzplus von 6,8 Prozent erzielt. Zwar seien die Daten ordentlich, aber die Prognose einer Abschwächung im Mai, wo nur noch zwei bis vier Prozent Wachstum erwartet werden, führe zu den Verlusten, sagte ein Händler. Nach einer Achterbahnfahrt gab die Aktie 0,6 Prozent auf 46,40 Dollar ab. Costco kletterten dagegen um 2,9 Prozent auf 55,53 Dollar. Der Einzelhändler hat im April einen Umsatzanstieg von 7 Prozent verbucht und damit die Erwartungen übertroffen.
Starbucks stiegen um 3,9 Prozent auf 38,79 Dollar. Die Kette erwartet im zweiten Quartal einen Gewinnanstieg von 17 Prozent auf 0,16 Dollar je Aktie, mehr als Analysten erwarten. Tyco International gewannen 3,6 Prozent auf 27,92 Dollar. Das Unternehmen hat ein gutes Quartalsergebnis ausgewiesen und einen Aktienrückkauf im Volumen von zwei Milliarden Dollar angekündigt. International Paper berichtete dagegen einen Quartalsverlust von über 1,2 Milliarden Dollar. Der Kurs gab 0,2 Prozent auf 36,97 Dollar ab.
Amerikanische Anleihen uneinheitlich
Wenig verändert haben sich die amerikanischen Anleihen am Donnerstag gezeigt, da die Investoren sich im Vorfeld des April-Arbeitsmarktberichts am Freitag zurückgehalten haben. Zweijährige Anleihen verloren 0,016 Punkte auf 99,262 Punkte. Sie rentierten mit 4,954 Prozent. Fünfjährige Anleihen gaben 0,02 Punkte auf 99,102 Punkte ab und rentierten mit 5,024 Prozent. Richtungsweisende zehnjährige Anleihen fielen um 0,01 Punkte auf 95,01 Punkte. Sie rentierten mit 5,148 Prozent. Schatzanweisungen mit einer Laufzeit von dreißig Jahren stiegen um 0,013 Punkte auf 88,3 Punkte. Sie rentierten mit 5,234 Prozent.
Im frühen Handel hatten die Notierungen Gewinne verbucht, die jedoch im weiteren Verlauf abschmolzen. Das übergeordnete negative Sentiment bleibe bestehen, sagten Teilnehmer. Dies treffe auch mit Blick auf den Arbeitsmarktbericht am Freitag zu, da dieser angesichts der in jüngster Zeit gut ausgefallenen Konjunkturdaten ebenfalls positive Überraschungen mit sich bringen könnte. Volkswirte rechnen mit einer Beschäftigungszunahme von 205.000. Sollten die Daten besser ausfallen, könnten weitere Verkäufe einsetzen.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.