Trend: Sexy Aktien sind im Kommen


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 356 / Heute: 1
Happy End:

Trend: Sexy Aktien sind im Kommen

 
19.01.02 14:25
Mit Private Media steht am 4. Februar nach langer Zeit wieder ein IPO am Neuen Markt an. Die Spanier vermarkten Sex-Artikel jeglicher Art. Ein Blick in eine Konjunktur-unabhängige Branche.

Der Neue Markt hat Anfang Februar eine gehörige Portion mehr Sex-Appeal. Damit rechnet jedenfalls die spanische Private-Media-Gruppe , die sich für ihren Börsengang am 4. Februar erhöhter Aufmerksamkeit der Investoren sicher sein kann. Schließlich waren Börsengänge in Frankfurt zuletzt so selten wie TV-Auftritte von Dolly Buster ohne tief geschlitztes Kleid. Lediglich elf Unternehmen wagten im Jahr 2001 den Schritt an das deutsche Wachstumssegment.

Die Spanier sind eine feste Größe auf dem Erotikmarkt und produzieren einschlägige Videos, mehrere TV-Programme, Magazine und so genannte "Life-Style"-Artikel. Damit erwirtschafteten die 140 Mitarbeiter in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 33 Mio. $ und erzielten einen stattlichen Nettoerlös von 6,6 Mio. $. Somit hat sich der Gewinn im Vergleich zu den Vorjahresquartalen verdoppelt. Beim Börsengang sollen 5,8 Millionen Aktien platziert werden. "Wir gehen davon aus, dass sich der Preis an unserem jetzigen Nasdaq-Kurs orientieren wird", sagt Phillip Christmas, designierter CFO bei Private Media - was auf einen Emissionserlös von rund 50 Mio. Euro hinausliefe, wenn denn die Lust der Anleger groß genug ist. Gerade Deutschland ist ein lukratives Pflaster für die Spanier. "Deutschland ist mit 15 Prozent Umsatzanteil unser größter europäische Markt; deshalb haben wir auch Frankfurt als Listing-Location ausgewählt", erklärt Christmas.

Dennoch stoßen Unternehmen der Branche auf eine Vielzahl von Vorbehalten. Für viele Anleger ist die ethisch-moralische Hemmschwelle für ein Investment zu hoch. Auch Analysten beschäftigen sich nur sehr ungern mit Aktien von Erotikanbietern. So listet der Branchendienst Bloomberg unter den vielen Hundert amerikanischen Brokerhäusern keinen einzigen Analysten auf, der sich jemals mit Private Media beschäftigte. Für den Konkurrenten New Frontier gilt dasselbe. Und für die Playboy-Aktie interessiert sich nur Robert G. Routh von dem US-Broker Arnold&Bleichroeder:

Playboy als starke Marke im Vorteil

"Playboy ist als Marke wesentlich stärker als Private", sagt Routh. Playboy-Gründer und Mehrheitsaktionär Hugh Heffner könne in jeden Markt wesentlich leichter eindringen und schneller Fuß fassen als die Mitbewerber. Dennoch verzettelte sich Heffner im Bereich New Media und hat vor allem mit dem Web-Angebt Playboy.com bislang nur Verluste eingefahren. 2001 schlug die Online-Sparte auf Grund der hohen Investitionen mit einen Negativ-Saldo von 20 Mio. $ zu Buche. Das Minus soll sich in diesem Jahr auf erträgliche drei Mio. $ reduzieren. Zudem sollen die Investitionen und Beteiligungen für Kabelfernsehprojekte spätestens im Jahr 2003 Früchte tragen. Routh geht dann von einem Gewinn pro Aktie von 0,57 $ aus. "Daran gemessen ist die Playboy-Aktie wesentlich mehr wert als zurzeit", meint Routh. Außerdem habe die Playboy-Gruppe gemessen am Bekanntheitsgrad eine recht niedrige Marktkapitalisierung von knapp 390 Mio. $.

Lust ist relativ konjunkturunabhängig

Verglichen mit anderen Branchen schlugen sich die Kurse der Anbieter im vergangenen Jahr recht wacker. So stieg Playboy um 68,9 Prozent, New Frontier legte um 71,4 Prozent zu, und Private Media hat das Jahr 2001 an der Nasdaq mit einem Plus von 22,5 Prozent beendet. Zum Vergleich: Die Nasdaq selbst tauchte 2001 um mehr als 20 Prozent ab, der S&P 500 um mehr als zwölf Prozent. Der große Vorteil der Sexy Companys: Das Geschäft mit der Lust ist relativ konjunkturunabhängig.

Eine nicht ganz so attraktive Chartkurve zeigte jedoch Europas größter Versender von Erotik-Artikeln, die im MDax notierte Beate Uhse AG . Die Aktie büßte 2001 14,3 Prozent an Wert ein. Das lag vor allem an dem überraschenden Ergebniseinbruch im dritten Quartal 2001, mit dem niemand gerechnet hatte. Am wenigsten scheinbar der Vorstand, der sich noch Ende August sehr zuversichtlich zeigte. "Nicht gerade glaubwürdig, wenn zwei Monate später die Ebit-Erwartung von 20,5 auf 10,2 Mio. Euro mal eben so halbiert wird", urteilt Analyst Kay Strippel von Independent Research.

Ausschlaggebend für die enttäuschende Entwicklung war vor allem der Bereich New Media, der unter Umsatzausfällen der Content-Vermarktung und der Telefondienste zu leiden hatte. Zudem wirkten sich steigende Kosten im Internet sowie technische Pannen aus. Das verlorene Anlegervertrauen zurückzugewinnen dürfte auch angesichts des geschätzten KGV für 2003 in Höhe von 37,4 schwierig werden. Zum Vergleich: Für den Playboy schätzt Analyst Routh ein 2003er-KGV von 29,4.

Online Business bisher wenig attraktiv

Das Online-Business kommt für die Anbieter auch deshalb nicht so richtig in Schwung, weil im Web die Kreditkarte noch das dominierende Zahlungsmedium ist. Viele potenzielle Kunden hält dies aus Furcht vor Kreditkartenmissbrauch vom Kauf von Sex-Artikeln ab. Außerdem tummeln sich eine Vielzahl von Kleinstanbietern auf den Markt, die das Internet mit Sex-Inhalten nahezu randvoll gefüllt haben. Zudem werden auf den Napster-ähnlichen Tauschbösen wie Morpheus oder Gnokster nicht nur mit MP3-Musikstücke ausgetauscht, sondern zunehmend auch die schlüpfrige Filmchen einschlägiger Produzenten. Da das nichts kostet, gerät das Web-Business für die großen Sex-Firmen zur wahren Herausforderung.

Phillip Christmas ist jedoch zuversichtlich, dass "die großen Musik- und Filmproduzenten dafür sorgen können, dass die halblegalen Tauschbörsen austrocknen". Private Media will das Geld aus dem Neuer-Markt-Börsengang daher auch dazu nutzen, um vor allem im Bereich New-Media-Akquisitionen zu wachsen. Mit T-Online schloss Private bereits im vergangenen Jahr eine Vereinbarung über die Nutzung des gigantischen Materialarchivs der Spanier ab. Das soll noch dynamisch wachsen: Die Private-Media Filmproduktion soll sich nach dem Frankfurter Börsengang "erheblich" über die momentan rund 100 Filme pro Jahr erhöhen. Um die anstehende Platzierung am Neuen Markt erfolgreich zu absolvieren, soll auch eine aggressive Werbekampagne helfen, die die Zeichnungsfrist vom 25. Januar bis 1. Februar begleitet soll. Unwahr ist jedoch das Gerücht, dass jedem Verkaufsprospekt ein aktuelles Private-Video beigelegt sein wird, das "dem" Anleger, der nicht nur auf die nackten Zahlen schaut, die Aktie schmackhaft machen soll.


Stark war die 2001-Performance von Private Media, die bereits seit zwei Jahren an der Nasdaq notiert sind. Nach dem Kursloch im Frühjahr ging es kräftig bergauf. Die Playboy-Aktie legte angesichts praller Prognosen für 2003 im Herbst eine beeindruckende Rally hin.

Schwach lief es hingegen für die Beate Uhse AG, nachdem es im 3. Quartal ein kleines Fiasko gab. New Frontier hingegen hat mit gut 70 Prozent Jahresgewinn die Anleger, die ganz am Anfang des Jahres einstiegen, am glücklichsten gemacht.

Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--