China treibt Kupferpreis nach oben
Die chinesische Regierung plant umfassende Infrastrukturprogramme. Noch ist unklar, ob das Angebot die Nachfrage 2013 decken wird. Falls nicht, könnte die 10 000-Dollar-Marke in Sicht kommen.
Regine Palm
Düsseldorf
Anleger, die sich für das Industriemetall Kupfer interessieren, blicken in der Regel erst einmal auf China. Der immense Bedarf der Volksrepublik lässt den Preis des Metalls rasch in die eine oder andere Richtung schnellen. Experten erwarten für das kommende Jahr einen neuerlichen Anstieg der Notierungen, das Potenzial bleibt aber begrenzt.
"Rund 42 Prozent der Weltnachfrage an Kupfer entfällt auf China", sagt Gabor Vogel, Rohstoffexperte der DZ Bank. "Das Land ist wegen der hohen Nachfrage die wichtigste Preisdeterminante am Kupfermarkt." Der Anteil Chinas hat seit dem Jahr 2000 rasant zugenommen; damals lag er bei zehn Prozent. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht.
"Im nächsten Jahr startet in China ein umfangreiches Infrastrukturprogramm", sagt Vogel. Schwerpunkte seien der Ausbau des Schienennetzes und die Modernisierung und Erweiterung des Stromnetzes. Dafür wird Kupfer gebraucht. Zudem sollten die Fiskalpakete in China für eine starkes Wirtschaftswachstum von bis zu neun Prozent ausreichen. Auch dies würde die Nachfrage stärken. Kupfer spielt in vielen Sektoren eine Rolle - vom Bau bis hin zur Elektronik. "Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten machen Kupfer zum wichtigsten Industriemetall, das daher als ein Indikator für die Weltwirtschaft angesehen wird", erklärt Vogel.
Eine konjunkturelle Erholung - in China oder weltweit - würde daher den Kupferbedarf und damit die Preise steigen lassen. Wie stark die Preise auf Nachrichten aus China reagieren, hat sich erst Anfang Dezember gezeigt. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist den dritten Monat in Folge gestiegen. Kupfer verteuerte sich erstmals seit sechs Wochen zeitweise wieder auf über 8 000 Dollar je Tonne. Mitte 2011 waren sogar Preise von 10 000 Dollar erreicht worden. Anfang 2009 hatte das Metall aber nur rund 3 000 Dollar gekostet.
Der Anstieg ist nicht verwunderlich, denn der wachsende Bedarf trifft auf ein relativ knappes Angebot, das zuletzt die Nachfrage nicht deckte. Die International Copper Study Group (ICSG) rechnet für dieses Jahr mit einem Produktionsdefizit von rund 400 000 Tonnen. Doch schon 2013 könnte sogar ein Überhang erreicht werden; die Meinungen darüber gehen allerdings auseinander. Vogel sieht das Defizit aktuell bei etwa 200 000 Tonnen und erwartet für 2013 erneut eine Angebotslücke. Die Folge: Die Lagerbestände schrumpfen und treiben den Preis nach oben. "Die 10 000er-Marke gerät im Laufe des Jahres wieder ins Visier", sagt Vogel.
Mehrheitlich wird hingegen ein Überschuss von 200 000 bis 450 000 Tonnen erwartet. Doch es wachsen die Zweifel. "Die ersten Experten revidieren ihre Überschusse nach unten", meint Daniel Briesemann, Metallspezialist der Commerzbank. "Das Angebot wird vom Markt überschätzt", glaubt er und begründet seine Skepsis zum einen mit dem rückläufigen Metallgehalt in den großen und alten Minen in Chile, dem weltweit wichtigsten Kupferland. Dort sei der Kupfergehalt in den ersten neun Monaten um 19 Prozent gefallen.
Für Überschuss oder Defizit werde zudem entscheidend sein, ob geplante Minenerweiterungen umgesetzt werden und vor allem, ob in der Mongolei die große Kupfermine Oyu Tolgoi im ersten Halbjahr 2013 an den Start gehen wird. Briesemann rechnet angesichts der Unwägbarkeiten mit Preisen von bis zu 9000 Dollar in der ersten Jahreshälfte, danach seien 8 500 bis 8 600 Dollar denkbar.
Wie bei anderen Rohstoffen haben Anleger mehrere Möglichkeiten, sich am Kupfermarkt zu engagieren. Dazu gehören Zertifikate ebenso wie Optionsscheine. Das Angebot bei den Industriemetallen ist aber deutlich kleiner als etwa bei den Edelmetallen. Alternativ bleibt der Weg über den Aktienmarkt. Größter Kupferverarbeiter in Deutschland ist Aurubis. Die Aktie notiert allerdings auf Rekordniveau. Von den Höchstständen noch deutlich entfernt ist hingegen beispielsweise die Aktie der US-Gesellschaft Freeport-McMoRan Copper & Gold Inc.
Regine Palm