Till Eulenspiegel kann es besser!
Es ist schon ein erstaunliches Phänomen: Als die Aktien an den Neuen Märkten himmelweit überbewertet waren, hat nahezu jeder, der auch nur annähernd einen Computer bedienen konnte, seinen eigenen Börsenbrief herausgegeben. Und alle Börsenbriefe kannten nur ein Credo: Kaufen! Seit der Markt jedoch in eine ernste Krise geraten ist, sind plötzlich alle skeptisch geworden.
Stimmt es daher überhaupt, dass die Aktienmärkte, wie uns immer wieder versichert wird, die Zukunft tatsächlich antizipieren? Ich denke hierbei an unseren Gefährten Till Eulenspiegel, der Zeit seines Lebens immer gerne bergauf gegangen ist, weil er sich doch sicher sein konnte, anschließend wieder eine leichtere Wegstrecke den Berg hinunter vor sich zu haben. Hätten wir deshalb nicht lieber Till Eulenspiegel die Aktienbewertung überlassen sollen? Oder haben wir das etwa sogar getan?
Fakt ist auf jeden Fall, dass jeder, der sich gegen einen Trend stemmt, stets bestenfalls als ein Narr bezeichnet wird. Erinnert sich heute noch jemand an Hans A. Berneckers These aus dem Frühjahr, dass der Neue Markt erst dann bereinigt ist, wenn sich EM.TV halbiert hat? Und hat jemand daraufhin einmal die gehässigen Kommentare in den Internet-Boards gelesen? Nun gut, jetzt hat sich EM.TV nicht halbiert, sondern gezehntelt, doch was macht das schon? Denn wenn man sich einmal umhört, gibt es niemanden, der mit EM.TV tatsächlich Verluste gemacht hat. Ebenso wie mit allen anderen vergleichbaren Aktien auch. Sie ist eben wirklich eine Welt voll von Wundern, diese Börse. Die Kurse rauschen in den Keller, dass selbst die Performance zu Zeiten der Tulpenspekulation noch unterboten wird, aber alle sind immer rechtzeitig vorher ausgestiegen.
Eine Sache ist mir allerdings dennoch aufgefallen: Alle Haussen haben nämlich anscheinend die Tendenz, in ihrer Endphase sogar ihre schärfsten Gegner - nein, nicht zu belohnen, sondern vielmehr sogar zu fressen! Als unerschütterlicher Kostolany-Fan verfolge ich beispielsweise stets die Anlagestrategie des Fiduka-Fonds von Gottfried Heller. Es gibt sicherlich in diesem Lande niemanden, der den Neuen Märkten skeptischer gegenüber gestanden hat als Heller. Umso erstaunlicher ist es, was sich per 30.9.2000 so alles als Neuanschaffung in diesem Fonds findet: 1,04 Prozent Heyde-Aktien, 1,70 Prozent Intershop, 1,58 Prozent Singulus, 1,19 Prozent Affymetrix, 1,38 Prozent Dell Computer, 1,60 Prozent Worldcom und 2,17 Prozent Millenium Pharmaceuticals.
Man kann es sich so richtig lebendig vorstellen: Da hat jemand die ganze Hausse der Hightechs verpasst - und kann es nun beim ersten Zurückkommen der Kurse gar nicht erwarten, selbst doch noch mit dabei zu sein. Doch genau damit tappst er in die Falle der Bären. Das ist zwar tragisch, doch menschlich durchaus sympathisch. Denn kein Mensch von Fleisch und Blut wird es schaffen, sich einem psychologischen Massentrend auf Dauer zu entziehen. Das Gleiche gilt nun jedoch auch in umgekehrter Richtung. Und das heißt: Die Baisse wird erst dann zu Ende sein, wenn diejenigen, die immer noch an eine reibungslose Fortsetzung der Hausse denken, selbst "short" gegangen sind.
Wie weit sind wir nun in dieser Hinsicht? Ich sehe einen positiven und einen negativen Effekt. Der positive lautet: Es wurde lange nicht mehr über die Zinsen gesprochen. Doch diese sind deutlich gefallen, was unbedingt positiv für die Aktien zu werten ist. Verbunden ist damit allerdings auch ein negativer Aspekt: Bisher haben die Märkte nur die Gewinnerwartungen der Hightechs nach unten korrigiert. Sollte es demnächst ? aufgrund erster rezessiver Anzeichen in der Old Economy - jedoch nicht nur in den Erwartungen, sondern auch in den tatsächlichen Gewinnen Korrekturen nach unten geben, dann könnte sich das gegenwärtige Grummeln an den Neuen Märkten in Wirklichkeit nur als erstes Wetterleuchten eines noch bevorstehenden Gewitters entpuppen.
Doch damit ergäben sich natürlich für jeden weitsichtigen Till Eulenspiegel wieder wunderbare Chancen. Denn hagelt es jetzt auch noch schlechte gesamtwirtschaftliche Zahlen, dann ist sicherlich recht bald selbst aus dem letzten Optimisten bereits ein Pessimist geworden.
Es ist schon ein erstaunliches Phänomen: Als die Aktien an den Neuen Märkten himmelweit überbewertet waren, hat nahezu jeder, der auch nur annähernd einen Computer bedienen konnte, seinen eigenen Börsenbrief herausgegeben. Und alle Börsenbriefe kannten nur ein Credo: Kaufen! Seit der Markt jedoch in eine ernste Krise geraten ist, sind plötzlich alle skeptisch geworden.
Stimmt es daher überhaupt, dass die Aktienmärkte, wie uns immer wieder versichert wird, die Zukunft tatsächlich antizipieren? Ich denke hierbei an unseren Gefährten Till Eulenspiegel, der Zeit seines Lebens immer gerne bergauf gegangen ist, weil er sich doch sicher sein konnte, anschließend wieder eine leichtere Wegstrecke den Berg hinunter vor sich zu haben. Hätten wir deshalb nicht lieber Till Eulenspiegel die Aktienbewertung überlassen sollen? Oder haben wir das etwa sogar getan?
Fakt ist auf jeden Fall, dass jeder, der sich gegen einen Trend stemmt, stets bestenfalls als ein Narr bezeichnet wird. Erinnert sich heute noch jemand an Hans A. Berneckers These aus dem Frühjahr, dass der Neue Markt erst dann bereinigt ist, wenn sich EM.TV halbiert hat? Und hat jemand daraufhin einmal die gehässigen Kommentare in den Internet-Boards gelesen? Nun gut, jetzt hat sich EM.TV nicht halbiert, sondern gezehntelt, doch was macht das schon? Denn wenn man sich einmal umhört, gibt es niemanden, der mit EM.TV tatsächlich Verluste gemacht hat. Ebenso wie mit allen anderen vergleichbaren Aktien auch. Sie ist eben wirklich eine Welt voll von Wundern, diese Börse. Die Kurse rauschen in den Keller, dass selbst die Performance zu Zeiten der Tulpenspekulation noch unterboten wird, aber alle sind immer rechtzeitig vorher ausgestiegen.
Eine Sache ist mir allerdings dennoch aufgefallen: Alle Haussen haben nämlich anscheinend die Tendenz, in ihrer Endphase sogar ihre schärfsten Gegner - nein, nicht zu belohnen, sondern vielmehr sogar zu fressen! Als unerschütterlicher Kostolany-Fan verfolge ich beispielsweise stets die Anlagestrategie des Fiduka-Fonds von Gottfried Heller. Es gibt sicherlich in diesem Lande niemanden, der den Neuen Märkten skeptischer gegenüber gestanden hat als Heller. Umso erstaunlicher ist es, was sich per 30.9.2000 so alles als Neuanschaffung in diesem Fonds findet: 1,04 Prozent Heyde-Aktien, 1,70 Prozent Intershop, 1,58 Prozent Singulus, 1,19 Prozent Affymetrix, 1,38 Prozent Dell Computer, 1,60 Prozent Worldcom und 2,17 Prozent Millenium Pharmaceuticals.
Man kann es sich so richtig lebendig vorstellen: Da hat jemand die ganze Hausse der Hightechs verpasst - und kann es nun beim ersten Zurückkommen der Kurse gar nicht erwarten, selbst doch noch mit dabei zu sein. Doch genau damit tappst er in die Falle der Bären. Das ist zwar tragisch, doch menschlich durchaus sympathisch. Denn kein Mensch von Fleisch und Blut wird es schaffen, sich einem psychologischen Massentrend auf Dauer zu entziehen. Das Gleiche gilt nun jedoch auch in umgekehrter Richtung. Und das heißt: Die Baisse wird erst dann zu Ende sein, wenn diejenigen, die immer noch an eine reibungslose Fortsetzung der Hausse denken, selbst "short" gegangen sind.
Wie weit sind wir nun in dieser Hinsicht? Ich sehe einen positiven und einen negativen Effekt. Der positive lautet: Es wurde lange nicht mehr über die Zinsen gesprochen. Doch diese sind deutlich gefallen, was unbedingt positiv für die Aktien zu werten ist. Verbunden ist damit allerdings auch ein negativer Aspekt: Bisher haben die Märkte nur die Gewinnerwartungen der Hightechs nach unten korrigiert. Sollte es demnächst ? aufgrund erster rezessiver Anzeichen in der Old Economy - jedoch nicht nur in den Erwartungen, sondern auch in den tatsächlichen Gewinnen Korrekturen nach unten geben, dann könnte sich das gegenwärtige Grummeln an den Neuen Märkten in Wirklichkeit nur als erstes Wetterleuchten eines noch bevorstehenden Gewitters entpuppen.
Doch damit ergäben sich natürlich für jeden weitsichtigen Till Eulenspiegel wieder wunderbare Chancen. Denn hagelt es jetzt auch noch schlechte gesamtwirtschaftliche Zahlen, dann ist sicherlich recht bald selbst aus dem letzten Optimisten bereits ein Pessimist geworden.