Bonität
10. Januar 2003 Die hoch verschuldete Deutsche Telekom muss für neue Anleihen und Kredite vermutlich höhere Zinsen zahlen. Die Ratingagentur Moody's stufte die Bonität des Bonner Konzerns am Freitag herab. Sie hegt unter anderem Zweifel, dass der Schuldenabbau wie geplant vorankommt und die US-Mobilfunktochter Voicestream jemals ausreichend zur freien Verfügung stehende liquide Mittel generiert.
Die Telekom, deren Aktienkurs auf die Nachricht hin vorübergehend stark absackte, wies beide Argumente zurück und zeigte sich überzeugt, die Verbindlichkeiten in diesem Jahr wie vorgesehen zu verringern. Moody's senkte das Langfrist-Rating auf “Baa3“ von “Baa1“ und die Bonität für kurzfristige Verbindlichkeiten des Ex-Monopolisten auf “Prime-3“ von “Prime-2“. „Baa3“ ist die letzte Stufe, die im System der Agentur noch als seriöses Investment gilt, darunter liegen die spekulativen „Junk Bonds“. Immerhin wurde der Ausblick als stabil eingestuft, eine weitere Herabstufung ist nicht so bald zu befürchten.
Zweifel am Schuldenabbau
Für die ebenfalls herabgestufte Voicestream, die jetzt als T-Mobile USA firmiert, ist der Ausblick jedoch negativ. Die Agentur äußerte die Ansicht, es werde der Telekom nicht gelingen, ihre Verbindlichkeiten wie geplant bis zum Ende des laufenden Jahres auf rund 50 Milliarden Euro zu verringern. Dabei hat Moody's die vorgesehene Veräußerung weiterer Assets sowie von Immobilien einkalkuliert. Moody's stellt hier aber künftige Mietaufwendungen als konterkarierenden Faktor in Rechnung, da die Telekom Zweidrittel der Liegenschaften weiter langfristig selbst nutzen wolle.
Nach Einschätzung von Moody's fallen die Schulden der Telekom 2003 nicht unter 56 Milliardne Euro. Zudem ist die vorgesehene weitere Veräußerung von Aktiva wegen des schwachen Marktumfeldes mit Risiken behaftet. Nach Meinung der Agentur belastet ferner VoiceStream weiter den freien Cash-Flow der Muttergesellschaft. Für die nächsten drei Jahre schätzt sie den Finanzierungsbedarf der US-Tochter auf rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) des US-Telekommunikationsanbieters lag den Kalkulationen von Moody's zufolge Ende 2002 bei ungefähr 500 Millionen Euro.
Breitbandstrategie angezweifelt
Zwar sei es der Gesellschaft gelungen, die Anzahl ihrer Nutzer auf fast neun Millionen zu steigern. Dem ständen jedoch Verbindlichkeiten von neun Milliarden Dollar gegenüber. Auch sei in den USA mit einer Sättigung des Mobilfunkmarktes zu rechnen, die noch schneller fortschreite als in Europa. Deshalb zweifele Moody's die Fähigkeit von VoiceStream an, jemals eine ausreichende kritische Masse zu erreichen, die zu einem positiven freien Cash-Flow führt. Obwohl die Ratingagentur einräumt, dass die Telekom in Deutschland über ein gut ausgebautes Netzwerk verfügt, stellt sie die Breitbandstrategie des Unternehmens in Frage.
Denn auf Grund der Verringerung der operativen Kosten und Investitionen könne es an Mitteln fehlen, um den Ausbau energisch genug voranzutreiben. Auch sagt Moody's eventuelle weitere Konflikte mit der Regulierungsbehörde voraus, etwa mit Blick auf die bevorstehende weitere Öffnung der Ortsnetze. Gleichwohl bescheinigt die Agentur der Telekom ein solides operatives Geschäft in allen ihren vier Teilbereichen und ausreichend Liquidität zur Begleichung aller Forderungen bis 2004.
Telekom bekundet Unverständnis
Die Telekom zeigte sich enttäuscht und verwundert über die Herabstufung. Moody's trage damit den Fortschritten beim Schuldenabbau nicht gebührend Rechnung, sagte ein Konzernsprecher. Er verwies darauf, dass durch die bisherigen Transaktionen bereits mehr als 2,3 Milliarden Euro erzielt worden seien. Die Telekom sei weiterhin davon überzeugt, durch den Verkauf von nicht zum Kerngeschäft zählenden Assets das Ziel zu erreichen, die Schulden auf das Dreifache des EBITDA zu senken.
Unverständnis bekundete er auch hinsichtlich der Zweifel gegenüber VoiceStream. Der Sprecher fügte hinzu, die Marktdaten zeigten, dass die Bonität der Telekom aus Sicht der Marktteilnehmer besser sei als sie von Moody's gesehen werde. Der Schritt der Agentur sei zudem zunächst ohne Folgen für die bestehenden Anleihen des Konzerns. Die Step-up-Klauseln griffen erst, wenn auch Standard & Poor's ein Downgrade beschließe. Inwieweit sich künftige Anleihen oder Kredite verteuern könnten, sei derzeit überhaupt nicht absehbar. Telekom-Treasurer Gerhard Mischke hatte Anfang Dezember angekündigt, der Konzern wolle in diesem Jahr mindestens eine neue Großanleihe begeben.
Text: vwd
10. Januar 2003 Die hoch verschuldete Deutsche Telekom muss für neue Anleihen und Kredite vermutlich höhere Zinsen zahlen. Die Ratingagentur Moody's stufte die Bonität des Bonner Konzerns am Freitag herab. Sie hegt unter anderem Zweifel, dass der Schuldenabbau wie geplant vorankommt und die US-Mobilfunktochter Voicestream jemals ausreichend zur freien Verfügung stehende liquide Mittel generiert.
Die Telekom, deren Aktienkurs auf die Nachricht hin vorübergehend stark absackte, wies beide Argumente zurück und zeigte sich überzeugt, die Verbindlichkeiten in diesem Jahr wie vorgesehen zu verringern. Moody's senkte das Langfrist-Rating auf “Baa3“ von “Baa1“ und die Bonität für kurzfristige Verbindlichkeiten des Ex-Monopolisten auf “Prime-3“ von “Prime-2“. „Baa3“ ist die letzte Stufe, die im System der Agentur noch als seriöses Investment gilt, darunter liegen die spekulativen „Junk Bonds“. Immerhin wurde der Ausblick als stabil eingestuft, eine weitere Herabstufung ist nicht so bald zu befürchten.
Zweifel am Schuldenabbau
Für die ebenfalls herabgestufte Voicestream, die jetzt als T-Mobile USA firmiert, ist der Ausblick jedoch negativ. Die Agentur äußerte die Ansicht, es werde der Telekom nicht gelingen, ihre Verbindlichkeiten wie geplant bis zum Ende des laufenden Jahres auf rund 50 Milliarden Euro zu verringern. Dabei hat Moody's die vorgesehene Veräußerung weiterer Assets sowie von Immobilien einkalkuliert. Moody's stellt hier aber künftige Mietaufwendungen als konterkarierenden Faktor in Rechnung, da die Telekom Zweidrittel der Liegenschaften weiter langfristig selbst nutzen wolle.
Nach Einschätzung von Moody's fallen die Schulden der Telekom 2003 nicht unter 56 Milliardne Euro. Zudem ist die vorgesehene weitere Veräußerung von Aktiva wegen des schwachen Marktumfeldes mit Risiken behaftet. Nach Meinung der Agentur belastet ferner VoiceStream weiter den freien Cash-Flow der Muttergesellschaft. Für die nächsten drei Jahre schätzt sie den Finanzierungsbedarf der US-Tochter auf rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) des US-Telekommunikationsanbieters lag den Kalkulationen von Moody's zufolge Ende 2002 bei ungefähr 500 Millionen Euro.
Breitbandstrategie angezweifelt
Zwar sei es der Gesellschaft gelungen, die Anzahl ihrer Nutzer auf fast neun Millionen zu steigern. Dem ständen jedoch Verbindlichkeiten von neun Milliarden Dollar gegenüber. Auch sei in den USA mit einer Sättigung des Mobilfunkmarktes zu rechnen, die noch schneller fortschreite als in Europa. Deshalb zweifele Moody's die Fähigkeit von VoiceStream an, jemals eine ausreichende kritische Masse zu erreichen, die zu einem positiven freien Cash-Flow führt. Obwohl die Ratingagentur einräumt, dass die Telekom in Deutschland über ein gut ausgebautes Netzwerk verfügt, stellt sie die Breitbandstrategie des Unternehmens in Frage.
Denn auf Grund der Verringerung der operativen Kosten und Investitionen könne es an Mitteln fehlen, um den Ausbau energisch genug voranzutreiben. Auch sagt Moody's eventuelle weitere Konflikte mit der Regulierungsbehörde voraus, etwa mit Blick auf die bevorstehende weitere Öffnung der Ortsnetze. Gleichwohl bescheinigt die Agentur der Telekom ein solides operatives Geschäft in allen ihren vier Teilbereichen und ausreichend Liquidität zur Begleichung aller Forderungen bis 2004.
Telekom bekundet Unverständnis
Die Telekom zeigte sich enttäuscht und verwundert über die Herabstufung. Moody's trage damit den Fortschritten beim Schuldenabbau nicht gebührend Rechnung, sagte ein Konzernsprecher. Er verwies darauf, dass durch die bisherigen Transaktionen bereits mehr als 2,3 Milliarden Euro erzielt worden seien. Die Telekom sei weiterhin davon überzeugt, durch den Verkauf von nicht zum Kerngeschäft zählenden Assets das Ziel zu erreichen, die Schulden auf das Dreifache des EBITDA zu senken.
Unverständnis bekundete er auch hinsichtlich der Zweifel gegenüber VoiceStream. Der Sprecher fügte hinzu, die Marktdaten zeigten, dass die Bonität der Telekom aus Sicht der Marktteilnehmer besser sei als sie von Moody's gesehen werde. Der Schritt der Agentur sei zudem zunächst ohne Folgen für die bestehenden Anleihen des Konzerns. Die Step-up-Klauseln griffen erst, wenn auch Standard & Poor's ein Downgrade beschließe. Inwieweit sich künftige Anleihen oder Kredite verteuern könnten, sei derzeit überhaupt nicht absehbar. Telekom-Treasurer Gerhard Mischke hatte Anfang Dezember angekündigt, der Konzern wolle in diesem Jahr mindestens eine neue Großanleihe begeben.
Text: vwd