”@Gipfelbei der Betrachtung der Marktkapitalisierung vergisst du aber die Nettoschulden. Die sind hier mit 900 mio höher als die 800 mio Market Cap. Enterprise Value mit 1,7 Mrd bei ca. 120 mio Gewinn ergibt ein 14er KGV das ist nichtmal wirklich billig für die 0-3% Umsatzwachstum bei leicht rückläufigen Margen.
Ja, Free Cashflow ist höher mit ca. 200 mio aber der ist eben auch rückläufig.
Pleitegeier 99, 20.02.26 13:17
Dein Hinweis, den Blick auf den Gesamtunternehmenswert (entity value) zu richten, ist korrekt.
Der EV beträgt aktuell ca. 1.700 Mio €.
Das von Dir als "KGV" ermittelte Relation zwischen Konzernergebnis und EV indes ist leider Nonsens, da im Konzernergebnis Finanzierungskosten (-> FK-Zinsen) enthalten sind, die bei Bezugnahme auf den EV selbstverständlich herausgerechnet werden müssen, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Bezugsgröße für den Entity Value ist üblicherweise der Free Cashflow, der den für Auszahlungen an EK-und FK-Geber verfügbaren freien Zahlungsstrom repräsentiert.
Der FCF entspricht dem operativen Cashflow abzüglich Investitionen (CAPEX).
Der von Teamviewer berichtete levered FCF beinhaltet Zinszahlungen an die FK-Geber und eignet sich demnach auch nicht als Bezugsgröße für den EV.
Bedingt durch riesige Investitionsauszahlungen für die 1E-Übernahme war der berichtete FCF 2025 tiefrot. Für eine sinnvolle Zukunftsbetrachtung wäre der berichtete FCF demnach um Einmaleffekte und außerordentliche Investitionen zu bereinigen.
Bereinigt um Auszahlungen für die 1E-Übernahme i.H.v. 682,5 Mio € ergibt sich der FCF 2025 lt. Cashflow-Statement wie folgt:
232,986 Mio € (operativer Cashflow)
- 5,765 Mio € (Auszahlungen für immat. VG)
-3,048 Mio € (Auszahlungen für Finanztitel)
= 224,173 Mio €
Auf Basis eines Gesamtunternehmenswertes i.H.v. 1.700 Mio € und eines um den 1E-Übernahmepreis bereinigten FCF 2025 i.H.v. 224,173 € ergibt sich eine FCF-Rendite i.H.v. 13,2% bzw. ein "KGV" i.H.v. 7,58 und nicht etwa ein 14er KGV...
Fehlinformationen wie diese in einem hochnervösen Gesamtmarktumfeld leiten immer weiteres Wasser auf die Mühlen der Shorties, da viele Anleger mittlerweile nach der Devise verfahren, erst verkaufen, dann nachdenken und vermeintliche Negativnews auf Korrektheit zu prüfen...
Viele Anleger scheinen das Thema Fundamentalanalyse ohnehin komplett aufgegeben zu haben und betreiben Börsenhandel nach Casino-Prinzip. Vermutlich müssten 80% der Kurzfristzocker weltweit pleite gehen, damit Ratio und betriebswirtschaftliche Fakten wieder nachhaltig das Börsengeschehen dominieren und nicht Momentum und Sentiment. Aktuell habe ich bisweilen den Eindruck, die Lemmingmeute folgt bereitwillig Cassandra-Rufern in den Abgrund...
Man kann zu TMV stehen wie man will. Ich habe immer wieder auf die miserable EK-Ausstattung hingewiesen und wurde von FCF-Renditejüngern mit den Schlagworten "Asset-light-Geschäftsmodell" und Cashflowmaschine in meiner Kritik an kreditfinanzierten Aktienrückkäufen immer wieder abgebügelt worden.
Es ist Fakt, dass Teamviewers materielles EK aktuell ca. -750 Mio € beträgt.
Selbst bereinigt um ca. 400 Mio € passive Rechnungsabgrenzungsposten, die zukünftige Gewinne und keine echten Verbindlichkeiten darstellen, steht das materielle EK Stand heute noch mindestens 350 Mio € unter Wasser.
In einer Börsenwelt, wo die bisherigen Cashflow-Prognosen der Analysten vor dem Hintergrund des exponentiellen Wachstums der Verwendungsmöglichkeiten von KI-Agents extrem unter Beschuss stehen und die nach wie vor extrem positiv aussehenden Factset Prognosen der Jahre 2026 bis 2028 aus Sicht vieler Marktteilnehmer das Papier nicht wert sind und als reines Wunschdenken aus linearer Trendfortschreibung erscheinen, richtet sich der Blick der Börse plötzlich auf materielle Bilanzwerte... und wird bei TMV diesbezüglich nicht fündig...
Wenn TMVs FCF ab 2026 oder 2027 tatsächlich wie von Cassandra-Rufern erwartet kollabieren sollte, bleibt von den bilanzierten immateriellen Vermögenswerten absehbar wenig bis gar nicht übrig...
Wer dieser Einschätzung folgt, sieht bei aktuell hochnegativem materiellem EK ein Kursziel NULL als realistische Option...
Es wird hier im Forum niemanden überraschen, dass ich besagten FCF-Kollaps keinesfalls als Base-Case akzeptiere und im Gegenteil davon ausgehe, dass Teamviewer mit den wichtigsten Umsatzträgern "One" und "Frontline" letztlich sogar zum KI-Profiteur werden könnte, weil besagte KI-Tools / KI-Agents in die Produkte integriert werden und sowohl auf der Entwicklungskostenseite als auch auf Seite der Nutzerfreundlichkeit und Erfüllung von Kundenbedürfnissen enormes Verbesserungs- und Effizienzpotenzial heben können.
Effizienzsteigerung und Produktivität gehen üblicherweise Hand in Hand und führen mittel- und langfristig regelmäßig zu Umsatz- und Gewinnwachstum.
Bevor man TMV das Lied vom Tod spielt, sollte man sich damit befassen, wie tief die fragliche Software in systemkritische Arbeitsprozesse eines Unternehmens integriert ist. Je tiefer die Integration, desto unwahrscheinlicher ist es, dass insbesondere Großunternehmen / Konzerne ohne Klärung der Haftungsfrage bereit sein könnten, systemkritische Prozesse ohne menschliche Überwachung dem unmittelbaren Zugriff von KI-Agents zu überantworten. In staatlich regulierten Bereichen wie Banken / Versicherungen, Energieversorgern oder Behörden absolut undenkbar!