Sal. Oppenheim rät bei beiden Titeln zum Kauf
Strategen räumen Comdirect und DAB Bank Kurspotenzial ein
Anleger spekulieren auf eine Übernahme der DAB Bank, Tochter der Hypo-Vereinsbank, durch Deutschlands größten Online-Broker Comdirect. Dies führt zu einem steigenden Handelsvolumen und deutlichen Kursreaktionen an der Börse.
HB DÜSSELDORF. In den letzten Wochen haben die Notierungen beider Wertpapierhändler zeitweise sprunghaft zugelegt. Die DAB Bank überflügelte dabei zwischenzeitlich die Aktie ihres Konkurrenten. Auch Comdirect gehört mehrheitlich einer Großbank. Rund 80 Prozent der Anteile besitzt die Commerzbank, seit sie im Juli ein großes Aktienpaket an dem Internet-Broker von T-Online übernommen hat. Dass die Hypo-Vereinsbank dagegen ihr Aktienpaket von 76,4 Prozent an der DAB halten wird, gilt als ungewiss. Die italienische Unicredito will die Online-Tochter mit der Hypo-Vereinsbank offenbar nicht komplett übernehmen. Das macht eine Fusion der Online-Broker wahrscheinlicher.
„Wir gehen in unserem Szenario davon aus, dass beide Häuser zusammengehen und stufen deswegen Comdirect und DAB Bank als Kauf ein“, sagt Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim. Als fairen Wert für eine Übernahme der DAB sieht er neun Euro pro Aktie an. Damit bleibt dem Titel, der derzeit um einen Kurs von 6,70 Euro pendelt, noch deutlich Luft nach oben. Der Comdirect-Aktie traut Rothäusler einen Anstieg bis auf acht Euro (aktuell rund 6,70 Euro) zu. „Auch wenn die Banken allein bleiben, ist das Risiko nach unten begrenzt“, sagt er.
Weil Commerzbank und Hypo-Vereinsbank die Mehrheit an beiden Unternehmen halten, haben andere Aktionäre kaum Einfluss auf die Geschäftspolitik. Wie bei vielen Nebenwerten ist das geringe Volumen der frei handelbaren Aktien (Free Float) ein Handicap. Comdirect ist im März aus dem Index der mittelgroßen Werte MDax in den SDax abgestiegen, weil die Marktkapitalisierung zu gering war. Den geringen Free Float gleicht der Online-Broker aber durch besondere Transparenz aus. Wichtige Geschäftszahlen – wie die Zahl der Orders und der Kunden – legt das Unternehmen monatlich vor. Neben einem Corporate-Governance-Kapitel enthält der Geschäftsbericht auch detaillierte Angaben über die Vergütung von Vorstand und Aufsichtsrat. Für jedes einzelne Mitglied der Gremien werden fixes und variables Gehalt gesondert ausgewiesen.
Jörn Kissenkötter, Analyst bei M.M. Warburg, hält die strategische Ausrichtung der Finanzdienstleistungen der Commerzbank-Tochter für attraktiver als die der DAB Bank. „Comdirect entwickelt sich vom Online-Broker zur Online-Bank. Neben dem sehr schwankungsanfälligen Wertpapierhandel sind die Bankdienstleistungen und vor allem die Finanzberatung sehr vielversprechende Bereiche“, sagt er. Die 600 000 Comdirect-Kunden wickeln durchschnittlich ein Dutzend Aktiengeschäfte pro Jahr ab. Jetzt versucht der Broker, diese Kunden auch mit Girokonten und Beratungsservice zu erreichen. Weil die DAB-Bank vor allem im Geschäft mit Vermögensberatern stark sei, würden sich die beiden Unternehmen bei einer Übernahme gut ergänzen, sagt Kissenkötter. Gemeinsam kämen die Banken auf eine Million Wertpapierkunden.
Johannes Thormann, Analyst bei der WestLB, sieht die beiden Werte skeptischer. Er hob seine Gewinnprognose für Comdirect für das Gesamtjahr zwar wegen der guten Juli-Handelszahlen an. Die Aktie stuft er allerdings weiterhin mit „underperform“ ein, weil der aktuelle Kurs deutlich über seinem Kursziel von 5,60 Euro liegt. „Die Aktien von Comdirect und DAB sind momentan sehr teuer, die Erholung des Aktienmarkts – die zu steigenden Handelsumsätzen geführt hat – ist bereits eingepreist“, sagt er. Mittelfristig räumt Thormann beiden Gesellschaften allerdings gute Chancen ein: „Bis 2008 gibt es bei der DAB eine Chance von plus 40 Prozent. Auf diese lange Sicht könnte auch die Comdirect-Aktie zulegen“, sagt er.
Quelle: HANDELSBLATT, Mittwoch, 24. August 2005, 13:40 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Strategen räumen Comdirect und DAB Bank Kurspotenzial ein
Anleger spekulieren auf eine Übernahme der DAB Bank, Tochter der Hypo-Vereinsbank, durch Deutschlands größten Online-Broker Comdirect. Dies führt zu einem steigenden Handelsvolumen und deutlichen Kursreaktionen an der Börse.
HB DÜSSELDORF. In den letzten Wochen haben die Notierungen beider Wertpapierhändler zeitweise sprunghaft zugelegt. Die DAB Bank überflügelte dabei zwischenzeitlich die Aktie ihres Konkurrenten. Auch Comdirect gehört mehrheitlich einer Großbank. Rund 80 Prozent der Anteile besitzt die Commerzbank, seit sie im Juli ein großes Aktienpaket an dem Internet-Broker von T-Online übernommen hat. Dass die Hypo-Vereinsbank dagegen ihr Aktienpaket von 76,4 Prozent an der DAB halten wird, gilt als ungewiss. Die italienische Unicredito will die Online-Tochter mit der Hypo-Vereinsbank offenbar nicht komplett übernehmen. Das macht eine Fusion der Online-Broker wahrscheinlicher.
„Wir gehen in unserem Szenario davon aus, dass beide Häuser zusammengehen und stufen deswegen Comdirect und DAB Bank als Kauf ein“, sagt Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim. Als fairen Wert für eine Übernahme der DAB sieht er neun Euro pro Aktie an. Damit bleibt dem Titel, der derzeit um einen Kurs von 6,70 Euro pendelt, noch deutlich Luft nach oben. Der Comdirect-Aktie traut Rothäusler einen Anstieg bis auf acht Euro (aktuell rund 6,70 Euro) zu. „Auch wenn die Banken allein bleiben, ist das Risiko nach unten begrenzt“, sagt er.
Weil Commerzbank und Hypo-Vereinsbank die Mehrheit an beiden Unternehmen halten, haben andere Aktionäre kaum Einfluss auf die Geschäftspolitik. Wie bei vielen Nebenwerten ist das geringe Volumen der frei handelbaren Aktien (Free Float) ein Handicap. Comdirect ist im März aus dem Index der mittelgroßen Werte MDax in den SDax abgestiegen, weil die Marktkapitalisierung zu gering war. Den geringen Free Float gleicht der Online-Broker aber durch besondere Transparenz aus. Wichtige Geschäftszahlen – wie die Zahl der Orders und der Kunden – legt das Unternehmen monatlich vor. Neben einem Corporate-Governance-Kapitel enthält der Geschäftsbericht auch detaillierte Angaben über die Vergütung von Vorstand und Aufsichtsrat. Für jedes einzelne Mitglied der Gremien werden fixes und variables Gehalt gesondert ausgewiesen.
Jörn Kissenkötter, Analyst bei M.M. Warburg, hält die strategische Ausrichtung der Finanzdienstleistungen der Commerzbank-Tochter für attraktiver als die der DAB Bank. „Comdirect entwickelt sich vom Online-Broker zur Online-Bank. Neben dem sehr schwankungsanfälligen Wertpapierhandel sind die Bankdienstleistungen und vor allem die Finanzberatung sehr vielversprechende Bereiche“, sagt er. Die 600 000 Comdirect-Kunden wickeln durchschnittlich ein Dutzend Aktiengeschäfte pro Jahr ab. Jetzt versucht der Broker, diese Kunden auch mit Girokonten und Beratungsservice zu erreichen. Weil die DAB-Bank vor allem im Geschäft mit Vermögensberatern stark sei, würden sich die beiden Unternehmen bei einer Übernahme gut ergänzen, sagt Kissenkötter. Gemeinsam kämen die Banken auf eine Million Wertpapierkunden.
Johannes Thormann, Analyst bei der WestLB, sieht die beiden Werte skeptischer. Er hob seine Gewinnprognose für Comdirect für das Gesamtjahr zwar wegen der guten Juli-Handelszahlen an. Die Aktie stuft er allerdings weiterhin mit „underperform“ ein, weil der aktuelle Kurs deutlich über seinem Kursziel von 5,60 Euro liegt. „Die Aktien von Comdirect und DAB sind momentan sehr teuer, die Erholung des Aktienmarkts – die zu steigenden Handelsumsätzen geführt hat – ist bereits eingepreist“, sagt er. Mittelfristig räumt Thormann beiden Gesellschaften allerdings gute Chancen ein: „Bis 2008 gibt es bei der DAB eine Chance von plus 40 Prozent. Auf diese lange Sicht könnte auch die Comdirect-Aktie zulegen“, sagt er.
Quelle: HANDELSBLATT, Mittwoch, 24. August 2005, 13:40 Uhr
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Der Einsame Samariter