Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied

Beiträge: 25
Zugriffe: 667 / Heute: 1
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied calexa
calexa:

Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied

 
30.01.02 16:33
#1
Die Antwort auf diese Frage lautet: Nein. Dies zumindest ist das Ergebnis der Analyse von Thomas Mayer, Director of Euroland Economic Research bei Goldman Sachs.

Die wirtschaftspolitische Bilanz des amtierenden Kanzlers und seines Herausforderers legen nahe, dass keiner der beiden von sich aus die strukturellen Probleme Deutschlands mit dem nötigen Nachdruck angehen wird. Deshalb wird es bei den Bundestagswahlen im September wichtiger sein, mit welchem Ergebnis die FDP abschneidet, da man von ihr noch am ehesten marktliberale Reformen erwarten kann.

"It is the economy, stupid." Dieser auf Bill Clinton zurückgehende Wahlkampfslogan weist auch für den bevorstehenden Bundestagswahlkampf auf das Hauptthema hin. Das schwache Wachstum im vergangenen Jahr von nur 0,6 Prozent und eine durchschnittliche Wachstumsrate von mageren 1,5 Prozent über die vergangenen zehn Jahre können nicht auf externe Faktoren geschoben werden.

Tatsächlich belegen diese Zahlen die Unfähigkeit der Wirtschaftspolitik, die Rahmenbedingungen für ein robustes, sich selbst tragendes Wachstum zu schaffen. Dafür sind vor allem zwei Gründe verantwortlich:

Fehler und Versäumnisse gab es unter CDU und SPD

1. Wirtschaftspolitische Fehler, die während der Wiedervereinigung gemacht wurden und dazu führten, dass sich Ost-Deutschland zu einer schweren Hypothek für die gesamte Wirtschaft entwickelte.

2. Das Versäumnis, die Rahmenbedingungen an ein verändertes internes und externes Umfeld anzupassen. Hierfür ist zum einen der Reformstau unter der Kohl-Regierung verantwortlich, aber auch anfängliche Fehler zu Beginn der Schröder/Lafontaine-Regierung und zu zaghafte Reformen, nachdem Lafontaine von Bord ging.

Deutschland braucht umfassende Reformen

Die Lehre der letzten Jahre könnte nicht eindeutiger sein: Was Deutschland braucht, um einen dauerhaften Rückstand gegenüber anderen Ländern zu verhindern, sind umfassende Reformen des Steuersystems, der sozialen Sicherungssysteme, des Erziehungs- und Bildungssystems und eine Deregulierung des Arbeitsmarktes. Diese Reformen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie ökonomische Anreize berücksichtigen und dem Wirken von Marktkräften einen größeren Spielraum zugestehen.

Sowohl Bundeskanzler Gerhard Schröder als auch sein Herausforderer bekunden ihre Bereitschaft, den Wachstumskräften in Deutschland mit Hilfe von strukturellen Reformen auf die Beine zu helfen. Allerdings zeigt ihre bisherige wirtschaftspolitische Bilanz, dass beide eine Neigung zu interventionistischer Wirtschaftspolitik haben und einen eher konservativen Ansatz bei der Reform des Arbeitsmarktes und der sozialen Sicherungssysteme bevorzugen.

Nur einige Beispiele für Schröders Drang, den Marktkräften in den Arm zu fallen:

- Eine persönliche Intervention von Schröder verhinderte die Schließung der Niederlassung des Waggonbauers Bombardier in Sachsen-Anhalt, wo demnächst Landtagswahlen anstehen.

- Zu Beginn seiner Amtszeit betrieb Schröder aktiv die Rettung des Philipp-Holzmann-Baukonzerns. Trotz dieser Intervention kämpft das Unternehmen noch immer um sein Überleben.

- Während seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen verhinderte Schröder die Übernahme von Preussag-Stahl durch einen ausländischen Konkurrenten, indem das Land Niedersachsen eine 51-Prozent-Beteiligung an dem Unternehmen einging.

- Auch die Übernahme des Reifenherstellers Continental durch Pirelli scheiterte am Ministerpräsidenten Schröder.

- Schließlich verstaatlichte Schröder de facto ein Tochterunternehmen der Dasa, als dieses geschlossen werden sollte.

Schröder steht für sanften Reformkurs

Schröder widersetzte sich auch den unter dem Schlagwort Basel II bekannten neu ausgehandelten Eigenkapitalrichtlinien für Banken, um den deutschen Mittelstand vor höheren Finanzierungskosten zu schützen. Die EU-Übernahmerichtlinie scheiterte ebenfalls an seinem Einspruch in der Absicht, deutsche Firmen vor feindlichen Übernahmen zu schützen.

Gleichzeitig hat Schröder die Regulierung des deutschen Arbeitsmarktes und die Rolle der Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen verteidigt. Im Falle seiner Wiederwahl würde Schröder wahrscheinlich einen sanften Reformkurs steuern und jede Konfrontation mit den Gewerkschaften vermeiden.

Auch Stoiber fiel durch häufige Interventionen auf

Sein Konkurrent Edmund Stoiber kann auf ähnliche Beispiele einer interventionsfreundlichen Wirtschaftspolitik verweisen:

Der bayerische Ministerpräsident

- half der Kirch-Gruppe mit Hilfe der Bayerischen Landesbank, sich neues Kapital zu beschaffen;

- koordinierte die Rettung der Grundig AG und der Schneiderwerke, die jetzt Konkurs angemeldet haben;

- half mehrere Male, die bayerische Maxhütte vor der Schließung zu bewahren, obwohl keine langfristige wirtschaftliche Perspektive besteht;

- unterstützte die Restrukturierung der SchmidtBank, als diese bankrott ging.

Bayerische Politik war nicht ohne Erfolg

Während der Amtszeit Stoibers verkaufte der bayerische Staat Anteile an Industrieunternehmen im Wert von rund drei Milliarden Euro und investierte dieses Geld in die wissenschaftliche Infrastruktur des Landes und in die Finanzierung junger Technologie-Unternehmen.

Diese Politik war im Großen und Ganzen recht erfolgreich. So etablierten sich in Martinsried um das dortige Max-Planck-Institut und die medizinische Fakultät der Münchener Universität eine Reihe von Biotechnologie-Unternehmen; Martinsried zählt heute als einer der führenden Standorte für Biotechnologie-Unternehmen in Europa.

Stoiber hat auch in anderen Bereichen versucht, Investitionen nach Bayern zu locken, und macht sich nun dafür stark, die erste Transrapid-Strecke auf deutschem Boden in München zu verwirklichen.

Allerdings hat der bayerische Ministerpräsident leider auch eine große Entschlossenheit gezeigt, wenn es darum ging, das deutsche Sozialsystem vor notwendigen Veränderungen zu bewahren. So lehnte er beispielsweise die Rentenreform der Bundesregierung mit dem Hinweis ab, sie führe zu Kürzungen bei Renten- und Pensionszahlungen für Witwen.

Beide Kandidaten schielen auf den Wähler

Zum Thema Steuer- und Rentenreform und Reform des Arbeitsmarktes hat Stoiber bislang noch nicht eindeutig erklärt, wo er steht. Zwar scheint er eher zu weitergehenden Reformen als Schröder bereit zu sein, doch würde wohl auch ein Kanzler Stoiber einem graduellen Reformansatz - anstelle radikaler Schritte - den Vorzug geben.

Der wirtschaftspolitische Ansatz der Spitzenkandidaten der beiden großen Parteien zielt logischerweise darauf ab, möglichst wenige Wähler zu verprellen. Der Durchschnittswähler möchte zwar stärkeres Wachstum, will aber keine ernsthaften Abstriche am sozialen Sicherungssystem dafür hinnehmen.

Marktwirtschaftliche Reformen nur von der FDP

Angesichts der Unentschlossenheit der Grünen sind daher marktwirtschaftliche Reformen nur von der FDP zu erwarten, die sich als kleine Partei dem Durchschnittswähler weniger verpflichtet fühlen muss. Deshalb wird letztlich der Einfluss der FDP auf eine künftige Bundesregierung - der von ihrem Abschneiden bei der Bundestagswahl abhängt - über die Chance für durchgreifende Reformen in Deutschland entscheiden.

Wenn diese Partei auf marktwirtschaftlichen Reformen als Bedingung für ihre notwendige Unterstützung der Regierung bestehen kann, ließe sich ein wirtschaftspolitischer Kurs steuern, der zwar in Deutschland keine politische Mehrheit bekommen würde, aber dennoch notwendig ist, um den Abstieg des Landes in die dritte Liga zu verhindern.

Kommt eine CDU/FDP-Koalition?

Nach den letzten Umfragen erscheint eine CDU/FDP-Koalition die aussichtsreichste Kombination zu sein. In einer solchen Koalition ließen sich wohl eher strukturelle Reformen durchsetzen als in einer Koalition der SPD mit der FDP.

Der marktwirtschaftliche Flügel in der CDU würde Stoiber wohl darin unterstützen, zusammen mit der FDP die notwendigen Reformen konsequent anzugehen. Im Falle einer SPD/FDP-Koalition wären die Gemeinsamkeiten geringer und die Gefahr größer, dass sich der linke Flügel der SPD letztlich den notwendigen Reformen verweigert.
(Quelle: manager-magazin.de)

So long,
Calexa
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied flexo
flexo:

Es sagen alle das gleiche

 
30.01.02 16:42
#2
doch die Politik reagiert nicht. Die beiden Kollegen müssen inzwischen schon Ohren wie Schallplatten haben und doch bringen sie nichts zustande. Ich hatte Schröder vor der Wahl die Versprechungen wirklich abgenommen, passiert ist nichts. Die Kosten laufen in allen Segmenten aus dem Ruder und die große Subventionsmaschinerie läuft besser denn je.
Meine Einschätzung ist inzwischen, das die Bevölkerung sehr stark manipuliert wird in erster Linie durch die öffentlich rechtlichen Medien. Das Reformproblem würde behandelt werden, wenn die (politisch relevanten) Sender solche Themen pushen würden. Private Medien werden von der breiten Masse kaum konsumiert (z.B. Zeitungen) oder politisch nicht ernst genommen (Privat-TV).
Es gibt nur ein Problem an der Sache und das wissen der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur zu genau: Wenn reformiert sind dann fällt auch die Gebührenpflicht für ARD, ZDF und deren hunderte Derivate.
Ein Medienproblem eben.
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied hjw2
hjw2:

Calexa, seit wann hat die SPD wieder einen linken

 
30.01.02 16:53
#3
Flügel..??
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied calexa
calexa:

@hjw

 
30.01.02 20:05
#4
??????

So long,
Calexa
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied modeste
modeste:

Viel würde sich nicht ändern...

 
30.01.02 20:08
#5
aber viele sind die Roten und GRÜNEN einfach leid...
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied Egozentriker
Egozentriker:

"Wir" brauchen eine fähige Regierung...

 
30.01.02 20:38
#6
deren Reformen nicht ständig durch die jeweilige Opposition blockiert bzw. gekippt werden.
Diese beschissenen Patt-Situationen die wir seit Urzeiten haben führen nur dazu, daß vernünftige Reformen kastriert werden und am Ende nur schlappes Herumgedoktore rauskommt.
Das größte Problem jedoch ist: woher eine fähige Regierung nehmen ?

Wenn Schröder an der Macht bleibt, dann hat er das zu einem großen Teil den weiblichen Wählern zu verdanken (der sieht doch so gut aus). Viel heiße Luft und nix dahinter.
Und Stoiber kann mit seinem substganzlosen Gequatsche maximal hirnlose Stammtischler beeindrucken.

Seht es realistisch. Mit den beiden großen Volksparteien in ihrer derzeitigen Verfassung ist ein Ausweg aus dem Dilemma in der nächsten Zeit nicht zu erreichen. Der Karren wird noch viel tiefer in den Dreck fahren !!!

Aber "uns" geht's doch auch noch viel zu gut. Da muß noch sehr viel mehr passieren, bevor der fette, faule Deutsche seinen satten, obrigkeitshörigen Arsch aus dem Sessel hebt um was zu ändern.

Das werde ich wohl nicht mehr erleben. Aber ist auch egal. Solange "wir" Talk- und Quizshows o.ä. haben und uns fasziniert jeden Dreck reinziehen, den uns die Medien auftischen geht's uns doch prima, oder ? Hauptsache das Hirn muß nicht arbeiten.

Gute Nacht Deutschland - der Letzte macht das Licht aus.

Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied 560090members.tripod.de/egozentriker_nr1/ego02.gif" style="max-width:560px" >
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied calexa
calexa:

@ egozentriker

 
30.01.02 20:47
#7
Ich kann Deine Meinungzwar nichtso ganz teilen, denn so drastisch würde ich mich nicht ausdrücken, aber in einem Punkthast  Du ganz entschieden Recht: die Lethargie der Bevölkerung. Jedoch woher kommt sie? Daher, weil es keine Alternativen gibt. Die politischen Profile gleichen sich mittlerweile so, daß alle Parteien zum größten Teil austauschbar geworden sind.

Ich für meinen Teil hoffe auf eine starke FDP. Natürlich ist das keine Garantie auf wirkliche Änderungen. Aber vielleicht kommt dann mal frischer Wind in das politische System. Das wäre schon mal ein Anfang. Zwar hat auch die FDP nicht immer so gute Ideen, aber oftmals hat sie eine erfrischend andere Position.
Im übrigen hatten natürlich auch die Grünen die Möglichkeit, frische Ideen in die Regierung einzubringen, aber die waren entschieden zu schwach. Ich denke, zumindest in diesem Punkt ist ihnen die FDP haushoch überlegen, weil Westerwelle eher seine Positionen durchsetzen kann, und wohl auch mehr Stimmen (auf jeden Fall sollten die 10% drin sein) bekommen wird.

Solong,
Calexa
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied mod
mod:

Notwendige Reformen tun weh. Aber die

 
30.01.02 20:47
#8
Lobbyisten schlafen auch nicht.

Die stärkste Lobby dabei ist der Klüngel von Schlafmützen:
Gewerkschaften, Beamtenvertreter,
alle mit Versorgungsmentalität.

Die sind in der jetzigen Regierung überrepräsentiert.

Was kann sich da schon ändern?
Der ARIVA.DE Newsletter
Bleiben Sie informiert mit dem
wöchentlichen Marktüberblick
von ARIVA.DE!
E-Mail-Adresse
Ich möchte Benachrichtigungen von ARIVA.DE erhalten.
Ja, ich habe die Datenschutzhinweise gelesen und akzeptiert (Pflichtfeld).
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied hjw2
hjw2:

Wie wahr wie wahr, ego...@calexa,so es denn

 
30.01.02 20:47
#9
einen gibt hat man ihm den Mund verboten, oder??


bis die Tage, keine Frage..
hjw
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied Smuggle
Smuggle:

UNTERNEHMEN DEUTSCHLAND?!

 
30.01.02 20:50
#10
Aus Unternehmersicht müssten wir schon lange Konkurs anmelden. Die Regierung würde wegen Konkursbetruges für 200 Jahre eingesperrt werden und die Arbeitslosenzahl würde auf 80 Millionen ansteigen. Oder hab ich da was falsch verstanden?
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied calexa
calexa:

Du hast was falsch verstanden...*g*

 
30.01.02 20:52
#11
Aber dasmacht nichts...

So long,
Calexa
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied mod
mod:

@calexa

 
30.01.02 20:54
#12
Die Grünen bestehen überwiegend aus noch hungrigen Politikern,
die anfangs glücklich waren, wenn sie einmal umsonst fotokopieren konnten:

"Den Richtungsstreit hat sie verloren, den Kampfgeist nicht: Jetzt rechnet Jutta Ditfurth mit ihren alten Mitstreitern bei den Grünen ab
Von Christiane Meixner

   
«Möglichst alt» will sie werden, sagt Jutta Ditfurth, Mitbegründerin der Grünen, «und dem Kapitalismus möglichst viel geschadet haben.»

Manchmal spricht sie mit Jugendlichen über ihre Visionen von einem atomfreien Deutschland, von sozialer Gleichheit und Basisdemokratie. Dann, sagt Jutta Ditfurth, schauen die Jugendlichen meist ganz verständnislos und wollen wissen, was so jemand bei den Grünen gesucht habe.

Jutta Ditfurth sieht das etwas anders. Die Grünen, das war einmal eine rebellische, ökologische und emanzipatorische Partei. Übrig geblieben sei nach dem Marsch durch die Institutionen allerdings bloß ein «autoritärer, korrupter Haufen» in Regierungsverantwortung, dessen Frontfiguren sich für ein paar Ämter und hohe Staatspensionen kaufen ließen.

Doch Ditfurth redet nicht bloß über das Scheitern der einst größten Hoffnung aus alternativer Sicht: «Das waren die Grünen» heißt ihr Abgesang in Buchform, den es ab morgen im Handel gibt (Econ Verlag 2000, 388 S., 16,90 DM). Darin rechnet sie vor allem mit der «Fischer-Gang» ab. Und mit den Überbleibseln einer Partei, die heute nicht mehr ist als eine «wildgewordene satte Mittelschicht, die nichts als die eigenen Pfründe verteidigt.»

«Die Grünen sind kaputt», sagt Ditfurth als ehemalige Mitbegründerin der Partei, die sie 1991 verließ. Dabei hat sie selbst einmal als Sprecherin des grünen Bundesvorstands mit aller Eloquenz dafür gesorgt, dass die Partei 1987 mit satten 8,3 Prozent ihren bislang höchsten Wahlgewinn einfuhr.

Doch schließlich war es nicht die parlamentarische Arbeit, mit der sich die grünen Politiker immer mehr vom Auftrag ihrer Basis entfernten. Dafür sorgten die Koalitionen. Fazit: «Das kleinere Übel entpuppt sich als das größere Elend. An der Seite der Sozialdemokratie stolziert ein kleiner grüner Regierungspartner daher, der sich als skrupellos und asozial entpuppt.»

Das war nicht immer so. Früher, als sie noch «auf das Angenehmste als politikunfähig galt», machte die Protestbewegung mit «phantasievollen Aktionen, reflektierter Militanz und einer ausstrahlungsstarken Widerstandskultur» erfolgreich auf sich aufmerksam. Doch kaum begannen sich die Anti-AKWler auf breiter Front zu organisieren, kamen die «Karrieristen, die Opportunisten und Spontis». Spätestens Mitte der 80er-Jahre, stellt Jutta Ditfurth fest, hätten sich die Realos die Macht im hessischen Landesverband erputscht. Und den Kampf gegen die Fundamentalisten, darunter sie selbst, mit allen Mitteln fortgesetzt: 1986 wurde ihre Kandidatur für den Bundestag aus den eigenen Reihen verhindert, zwei Jahre später trat sie nach einer Finanzintrige als Sprecherin des Bundesvorstandes zurück.

Ziemlich holzschnittartig ist, was über die ehemalige Grüne und heutige Journalistin verbreitet wurde. Sie sei «humorlos, fanatisch und dogmatisch» wurde ihr nachgesagt, eine «manische Matrone» und «Feldfrau». Verbal nicht eben zimperlich geht die radikale Ökologin allerdings auch mit ihren Kollegen um - besonders, wenn sie wie Fischer oder Antje Vollmer aus dem Realo-Lager stammen. Ersterer, schreibt sie, habe alles getan, «um an die Futtertröge dieser Gesellschaft zu kommen», letztere zähle zu den «intrigantesten Scheinheiligen, die ich in meinem Leben kennen gelernt habe». Damals, als sich die Protestbewegung in vielen streitbaren Debatten zur Partei formierte, war man offen und diskussionsfreudig auch abweichenden Meinungen gegenüber. «Wir nahmen fast jeden auf. Wir glaubten, dass wir sie überzeugen könnten. Wir rechneten nicht mit ihrem ganz anders gelagerten Interesse.» Vor allem die Sponti-Szene habe sich dafür jedoch brutal bedankt. Heute noch ist Jutta Ditfurth der Satz einer Ex-Freundin von Daniel Cohn-Bendit gegenwärtig: «Sie machen bei den Grünen, was sie immer gemacht haben: Fuß reinkriegen, übernehmen, kaputtmachen.»

Starke Worte, die Ditfurth so nicht das erste Mal formuliert - die im Buch jedoch chronologisch eingebettet und von daher ungleich besser nachvollziehbar und überzeugender sind als in jenen Kommentaren, die sie vor knapp einem Jahr in der Neuen Revue schrieb. Wer den zuvor erschienenen historischen Roman «Die Himmelstürmerin» 1998 schon als Ende ihrer politischen Aktivitäten lesen wollte, der hatte sich getäuscht: In der Revue bezog sie in einer ganzen Serie Stellung zu «Fischer und seiner Gang».

Warum das «Bündnis mit einem konservativen Schmuddel- und Busenblatt?», fragte denn auch gleich ein Journalist. Und ob ihr das als Feministin keine Bauchschmerzen bereite? Mit solchen Fragen liegt man bei Ditfurth allerdings völlig falsch. Wer die gesellschaftlichen Verhältnisse so resolut kritisch sieht wie die 48-Jährige und stets in alle Richtungen gegen Sexismus, Rassismus und andere Formen der Unterdrückung kämpft, empfindet so etwas als scheinheilig. Schließlich, sagt Ditfurth, habe sie festgestellt, dass auch in den traditionell rotgrünen Blättern unerwünscht sei, wer das politische Bündnis «grundsätzlich von links» kritisiere.

Überhaupt: Hätte jene Presse nicht so willfährig mitgemacht, als es nach Fehlbeträgen in der Kasse heftigste Anwürfe gegen den Fundi-Bundesvorstand gab, wären die Grünen vielleicht einen anderen Weg gegangen. So aber hat nach Ditfurths Meinung «die aalglatte antisoziale next generation der Grünen nicht einmal die Utopie eines anderen, humaneren Lebens, die sie verraten könnte».

Den Richtungsstreit hat sie verloren, ihren Kampfgeist nicht. «Möglichst alt» möchte sie werden und «dem Kapitalismus möglichst viel geschadet haben». Die Genese ihrer einstigen Partei, die allerdings bloß «noch vom Image der früheren Grünen zehrt», verfolgt sie weiter, und vielleicht freut es sie, wenn diese erneut eine «Jutta Ditfurth» in den eigenen Reihen entdecken: Ilka Schröder, 22 Jahre alte Europa-Parlamentarierin mit Lust am Tabubruch. «Wer sicherstellen will, dass Deutschland weiterhin Kriege führen und gewinnen kann, sollte 2002 unbedingt die Grünen unterstützen», schrieb Schröder unlängst im Informationsblatt «Denkpause».
   









Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied calexa
calexa:

@mod

 
30.01.02 20:59
#13
Ich kann nachvollziehen,daß die Grünen nicht mehr das sind, was sie anfangs darstellen wollten.

Aber wenn ich so die Ansichten von Ditfurth anschaue, dann verstehe ich, warum man so jemandem nichtd ie Regierungsgewalt von Deutschland anvertrauen kann.

Sorry, die Ideen der Grünen kann ich noch verstehen, aber die sind damit nicht in der Lage, ein Land zu regieren. Ich respektiere die Ideen, aber in der Regierung haben die Grünen nichts verloren.

So long,
Calexa
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied Smuggle
Smuggle:

@calexa

 
30.01.02 21:00
#14
so so... was hab ich den fasch gemacht *zwinker*
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied calexa
calexa:

Zur Regierung noch folgender Bericht

 
30.01.02 21:00
#15
Im Wahljahr ist Optimismus gefragt

Optimismus ist angesagt, es ist immerhin Wahljahr. Demzufolge kann uns auch das Bundesfinanzministerium heute zur allgemeinen Erleichterung mitteilen, dass Deutschland vor einem neuen Aufschwung steht. So lautet entsprechend der Titel des heute veröffentlichten Jahreswirtschaftsberichtes, den das Kabinett verabschiedet hat. In Zahlen soll sich der neue Aufschwung folgendermaßen manifestieren:

Die Regierung geht von einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum in Höhe von 0,75 Prozent aus, weiß aber selber, dass diese Zahl „allerdings nicht die deutliche Wiederbelebung der wirtschaftlichen Entwicklung“ zum Ausdruck bringt. Allerdings nicht! Immerhin darf angemerkt werden, dass die bisherige Wachstumsprognose noch einen Wert von 1,25 Prozent aufwies. Die zukünftige Dynamik macht man in Berlin jedenfalls in erster Linie vom zunehmenden Vertrauen der Verbraucher und Investoren in den USA und der Eurozone abhängig. Für das Jahr 2003 geht das Ministerium ersten Schätzungen der EU-Kommission folgend von einem Anstieg auf 2,8 bis 2,9 Prozent aus.

Allerdings wird, so der Bericht, die Arbeitsmarktlage auch weiterhin von der weltweiten Konjunkturschwäche betroffen sein und dürfte im Jahresdurchschnitt knapp unterhalb der Grenze von 4 Millionen mit bessernder Tendenz liegen. Die Teuerung soll in diesem Jahr von zuvor 2,5 Prozent auf nunmehr 1,5 Prozent zurückgehen, ein Erfolg, so der Bericht, der auf die verlässliche und nachhaltige Wirtschaft- und Finanzpolitik der Regierung zurückgeht.

Das Haushaltsdefizit dürfte dem Bericht folgend mit 2,5 Prozent einen halben Prozentpunkt über den bisherigen Prognosen liegen, ein Staatshaushalt ohne Neuverschuldung wird nicht mehr für 2004, sondern erst für 2006 als realistisches Ziel angepeilt. Allerdings weist auch das Ministerium darauf hin, dass eine höhere Neuverschuldung zu einer ernsthaften Gefährdung der 3 Prozent-Defizitgrenze des EU-Stabilitäts- und Wachstumspaktes führen würde.

„Die Reformbilanz der Bundesregierung kann sich sehen lassen“, fasst der Bericht zusammen. Allerdings ist es fast müßig anzumerken, dass der Spielraum dennoch eng ist und die Zahlen in der Vergangenheit oft genug korrigiert wurden. Der Bericht zeigt neue Grenze, die die Arbeit der Regierung bestimmen sollen, diese hängen aber in hohem Maße von Faktoren wie der US-Wirtschaft ab, auf die das Ministerium eigentlich so gut wie keinen Einfluss besitzt. Insofern sollte man in dem Bericht auch nicht mehr hineinlesen als er wirklich ist: Der Jahreswirtschaftsbericht einer Bundesregierung im Wahljahr.

So long,
Calexa
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied FunMan2001
FunMan2001:

Nur Gejammere

 
30.01.02 21:03
#16
und Kritik an den jeweiligen Parteien ! Das langweilt !
Wie wäre es mit konstruktiven Vorschlägen ?

Vorschlag:
Investiert Euer Geld nicht in amerikanische, sondern
in europäische Unternehmen !!!
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied Egozentriker
Egozentriker:

@ FunMan

 
30.01.02 21:06
#17
haben das nicht genügend Deutsche getan und damit ihre Kohle verjuxt?
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied andyy
andyy:

ich hasse bayern und niedersachsen o.T.

 
30.01.02 21:08
#18
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied gandalf012
gandalf012:

beide betrügen junge meschen um ihre rente

 
30.01.02 21:15
#19
es ist so lächerlich 20% des bruttos für grv zu zahlen, jahrzehntelang, um dann nichts zu bekommen, wenn ich die summe die ich mtl dort einzahle nur auf nem beschissenen Sparbuch parken würde wäre ich mit 60 millionär !!! die regierung bezahlt dann davon diverse "altschulden" aus WORLDWARII, was mich pers. nen feuchten interessiert. naja keiner der beiden würde da was ändern ich wähle daher seit 2 jahren gelb in der hoffnung dass die ma eine chance bekommen ..............
gruß an alle mit grips
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied FunMan2001
FunMan2001:

@Egozentriker

 
30.01.02 21:19
#20
Kann ich nicht gelten lassen.
Wenn Du die Talfahrt an den Börsen, die in den Jahren
2000 und 2001 stattfand, meinst, ist das richtig.

Es haben aber sicherlich auch die Anleger, die damals
US-Werte gekauft hatten, ihre "Kohle verjuxt".
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied Egozentriker
Egozentriker:

Aber mal ernsthaft...

 
30.01.02 21:24
#21
Warum sollte ich noch einen lumpigen Cent in Europa investieren, wenn die Richtung von den Amis vorgegeben wird ?
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied FunMan2001
FunMan2001:

Antwort:

 
30.01.02 21:31
#22
So ist es, Du EGO ! :-)))
Tja das ist das Problem. Solange viele so denken wie Du,
solange wird es die "amerikan. Leitbörse" geben.

Auf den ersten Blick gesehen, wäre das eigentlich die
richtige Einstellung. Letztendlich schneidet man sich in
ins eigene Fleisch.
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied calexa
calexa:

Nur mal zur Info:

 
30.01.02 22:00
#23
Trotz der sog. "Leitbörse" Wallstreet werden auch die europäischen Börsen an ihrem Gewinn gemessen. Und wenn der steigt, dann kann auch die Leitbörse nix machen. Es ist ein Fehler, alles auf die "Leitbörse zu schieben.

So long,
Calexa
Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied PRAWDA
PRAWDA:

das is der undersiet .......

 
30.01.02 22:51
#24
In Deutschland wird die Haarfarbe des Kanzlers meist nur innerhalb der Redaktionen oder hinter vorgehaltener Hand thematisiert. Erst in der vergangenen Woche wurde ein Bericht mit einer Vermutung über tönende Eingriffe auf Kanzlers Haupt wieder vom Medienmarkt genommen. Schröder soll zuvor über einen Anwalt mit einer Unterlassungserklärung gedroht haben.

Die Seriosität des Vergleichs im britischen "Mirror" leidet allerdings darunter, dass das Bild, das einen eindeutig eher grauen Schröder "in seinen ersten Amtstagen" zeigt, auf den 12. September 2001 datiert ist. Der "Mirror" weist darauf hin, dass er schon lange- unwidersprochen - behauptet, Premierminister Tony Blair (48) lasse sein Haar vom Londoner Prominentenfriseur Andre Suard tönen: "Sein Haar verändert sich von Grau zu hellbraun und manchmal sogar Goldbraun."

Der britische Rundfunk BBC berichtete, Bundeskanzler Schröder habe "die Staatsgeschäfte beiseite geschoben, um ein sehr wichtiges Detail klar zu stellen: Seine Haarfarbe". Der Sender erinnert daran, Schröders Haare seien schon "während des Wahlkampfes 1998 ein Gegenstand intensiver Spekulation" gewesen. "Da Deutschland im September erneut wählt, hofft Schröder offensichtlich, dass die Drohung mit rechtlichen Schritten weiteres Gerede verhindert."

Die linksliberale Zeitung "The Guardian" spricht am Dienstag von "gemeinen Gerüchten bezüglich des Mangels an Silber an den Schläfen" des Kanzlers. Die Frage sei höchst wichtig: "Anscheinend übt Gerhards tiefschwarzes Haar einen gewissen Reiz auf weibliche Wähler aus." Der "Guardian": "Es geht um eine Frage des Vertrauens. Wenn ein Politiker über seine Haarfarbe lügt, worüber mag er dann noch flunkern?"

Der "Daily Express" widmet dem Thema am Dienstag eine ganze Seite, befasst sich aber nicht nur mit "der schrecklichen Beleidigung, dass das Haar des 57-Jährigen unglaublich jugendlich und unnatürlich schwarz aussieht". Andere Prominente hätten weniger Probleme damit. US-Präsident Ronald Reagan habe immer gefärbtes Haar gehabt, was niemanden gestört habe: "Aber er war schließlich auch gelernter Schauspieler." Tony Blair habe drei Maßnahmen gegen das Altern ergriffen: "1. Vorhandene Strähnen so beruhigend wie nur möglich vorzuzeigen, 2. ein bisschen Farbe hinzuzufügen, aber nicht so viel, dass er das nicht bestreiten könnte, und 3. ein Kind zu zeugen."

Schon am Montag hatte der konservative "The Daily Telegraph" dem Thema einen Zweispalter auf Seite Eins und eine Glosse im Kommentarteil gewidmet. Darin hieß es: "Ist das denn wirklich ein so beschämender Gedanke? Warum können Männer nicht offen zugeben, Haarfarbe zu benutzen?" Das Blatt: "Männliche Politiker sollen froh darüber sein, Grau zu sein. Das Ideal ist ein staatsmännischen Silbergrau. Schröder hat also allen Grund zur Sorge, denn sein Gegner Edmund Stoiber hat einen schönen Graukopf."

Stoiber oder Schröder - macht es einen Unterschied calexa

Das sind Probleme.... o.T.

 
#25


Börsenforum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--