Hallo Leute,
ich habe mir heute einmal Gedanken über die operative Geschäftsentwicklung gemacht. Dazu herangezogen habe ich die Bilanz von 2017, die Präsentationen zu Conforama und Mattress Firm auf der Website von Steinhoff, die Halbjahreszahlen zu 2018, sowie bisher bekannte Meldungen zur Entwicklung 2019 von einzelnen Beteiligungen. Daraus habe ich einfach mal eine grobe einschätzung gemacht, die ich mal mit euch teilen möchte.
Von 2018 erwarte ich mir auf Basis der bereits bekannten Werte in Kombination mit hochgerechneten Werten aus H1 2018 nicht wirklich viel.
Die Gründe sind vielseitig:
- Pep Europe hat sich im Vergleich zu 2017 im ersten Halbjahr 2018 annähernd gleich entwickelt. Ich gehe daher konservativ von etwa 170-200 Mio. aus.
- Conforama hat in der Präsentation einen 2018 einen wirklich unterirdischen operational cash flow von estimated -196,9 (Seite 10), ich setze daher -200 Mio. an.
- ERM ist schwer zu sagen. im ersten Halbjahr hatten wir hier noch einen operating loss von -12 Mio. Wer länger dabei ist weiß jedoch, dass sich die Situation im Sommer 2018 zugespitzt hat, wonach ich mal -50 Mio. angesetzt habe. Es könnten aber genauso gut -100 Mio. sein.
- unter "Other" habe ich die -31 Mio. einfach mal mal 2 gerechnet, da für mich sehr schwer einschätzbar. Daher -62 Mio.
- Manufactoring im ersten Halbjahr 7, also ca. 10 Mio.
- Property H1 38 Mio., wieder mal 2 wären 76 Mio. (63 Mio. in 2017)
- Automotive habe ich gleich angesetzt wie 2017. Hier hatten wir 2017 43 Mio. und in H12018 21 Mio., daher gehe ich wieder von ca. dem gleichen Profit aus.
- Mattress Firm hat im ersten Halbjahr -133 gemacht, wie wir wissen hat sich die Situation Richtung Herbst zugespitzt. In Kombination mit dem unlevered free cash flow aus der Präsentation vom 5. Oktober (Seite 9) gehe ich darum mal vom schlimmsten aus und setze -290 an.
- Greenlit habe ich H1 mal2 gerechnet und komme auf 42 Mio.
- die Holdingkosten waren 2017 -231 Mio. für 2018 habe ich -300 angesetzt. Auf der einen Seite nehmen sie da stark zu, auf der anderen Seite beginnt das Management einzusparen, z.B. durch Verkauf des Flugzeugs usw. Könnte natürlich höher sein, aber ich denke es wird sich so in etwa um die -300 bewegen.
...wenn ich das alles runter rechne komme ich 2018 auf einen operating loss von -200 Mio. EUR
Viel besser sieht es dann ab 2019 aus, hier rechne ich jetzt auch mal konservativ auf Basis bereits vorhandener H1 Ergebnisse und dem Outlook in den Präsentationen zu Mattress und Conforama:
- Pep Europe hat im ersten Halbjahr rund 30% Plus zum Vorjahreszeitraum gemacht, daher nehme ich die 170 Mio und rechne mal 1,3 daher ca. 220 Mio.
- Conforama schätzt für 2019 einen -150 Mio operational cash flow.
- ERM wurde verkauft
- Other ist wieder schwer zu schätzen, ich gehe davon aus, dass man sich hier auch leicht verbessert und gehe von -40 Mio. aus.
- Manufactoring habe ich 12 angesetzt
- Property schrumpft im vergleich zu 2018, da man Immobilien verkauft hat, damit das Management zu Cash kommt. Ich setze mal 50 Mio. an.
- Pep Africa ist in H1 zwischen 40% und 55% gewachsen, ich habe also 45% genommen und komme anhand der Schätzung zu 2018 auf nun 510 Mio.
- Automotive hat man ja glaube ich was verkauft, aber ich setze mal mit 0 an (war ohnehin positiv, darum ist 0 das worst case)
- Matress Firm ist lt. Präsentation dann eine Nullnummer, je nachdem ob man die Sonderkosten abzieht oder nicht. Ich setze mal mit einer schwarzen Null an.
- Greenlit wird voraussichtlich nach wie vor stabiles Wachstum haben, konservativ setze ich mal 45 Mio an.
- bei den Holdingkosten gehe ich nach wie vor von -300 Mio als, da wir auch 2019 noch vor allem im ersten Halbjahr einige Sonderkosten wie PwC tragen müssen.
...somit komme ich auf rund 350 Mio. EUR Gewinn für 2019 - nicht berauschend, anhand der Zinslast, aber immerhin operativ tragfähig.
2020 sollte dann unser Turnaround Jahr werden, sofern wir nicht in eine Rezession rutschen:
- Pep Europe habe ich nur mehr 20% Wachstum im Vergleich zu 2019 gegeben, wo wir in H1 bei 30% lagen. Somit komme ich auf ca. 260 Mio. Gewinn
- Conforama hat nach Plan einen operative cash flow von 48,6 Mio. Da es in den Sternen steht, ob es wirklich so optimal läuft, bzw. ob wir das Ding bis dahin nicht schon verscherbelt haben, setze ich 0 an.
- Other sollte dann auch zumindest wieder 0 sein.
- Manufactoring habe ich 15 Mio. gegeben.
- Property wird meiner Meinung nach weiter durch Verkäufe sinken, daher setze ich 20 Mio an.
- Pep Afrika gebe ich nach dem voraussichtlich starken Jahr 2019 wieder eine moderatere Wachstumsrate von 20%, somit sind wir bei 610 Mio.
- Automotive wie schon 2019 nicht mehr vorhanden.
- Mattress Firm soll laut Plan dann wieder einen cash flow von 127 Mio haben, ich gehe mal von 100 Mio aus.
- Greenlit wie immer stabiles Wachstum, jetzt bei ca. 50 Mio.
- da der Skandal sich nicht mehr ganz so stark wie 2019 auswirken wird setze ich -250 Mio Holdingkosten an.
... Somit komme ich 2020 auf rund 800 Mio EUR Gewinn (vor Zinszahlungen).
Jetzt ist mir klar, dass das nur ungefähre Werte sind, die unter anderem Sonderkosten wie einen Vergleich mit den Klägern noch nicht berücksichtigen. Daher hatte ich schon gestern gemeint, dass ich hoffe, dass der noch 2019 erreicht wird, da wir hier laut meiner Rechnung rund 350 Mio EUR Spielraum hätten. Das wäre wichtig, damit 2020 ein Ergebnis zustande kommt, dass die anfallenden Zinsen tragen kann. Hier haben wir schon die verschiedensten Werte von 500 Mio bis rauf zu 800 Mio gehört, die dann in die Zinslast fließen. Wie viel es tatsächlich sein wird kann keiner wissen, da wir nicht wissen können zu welchen Zins wir uns refinanzieren können, wenn die 2018er Bilanz veröffentlicht wird und wir ein Moody's Rating erhalten. Aber wenn diese (eher konservativ angesetzte) Prognose zu 2020 stimmen sollte, dann müssten selbst 800 Mio. tragbar sein mit dem Hintergrund, dass man sich nach dieser Übergangsphase ohnehin wieder günstigere Konditionen bekommt.
Ich bin mir auch bewusst, dass meine Rechnung in einigen Punkten nicht stimmen wird - das ist mir vollkommen klar. Ich glaube aber auch, dass ich von der Entwicklung her nicht ganz daneben liege, da diese auch die Gläubiger sehen müssen, sonst hätten sie Steinhoff schon längst in die Insolvenz geschickt.
Was den Aktienkurs betrifft (und ich würde Lügen wenn ich behaupten würde, dass mir der egal ist), so hatte ich auch gestern schon geschrieben, dass dieser meiner Meinung erst mit den Halbjahreszahlen 2019 steigen wird. Die Bilanz 2018 muss man nüchtern betrachten. Vor allem Mattress und Conforama ziehen uns hier richtig runter und von den steigenden Holdingkosten möchte ich garnicht anfangen. Danach wird es Jahr für Jahr besser, auch bei den beiden Problemkindern (wobei uns Conforama noch länger als Mattress beschäftigen wird, daher rechne ich auch mit einem Verkauf bzw. würde mir einen solchen sogar wünschen).
Wichtig ist für mich, dass bei der operativen Entwicklung von Jahr zu Jahr die Story stimmt und das tut sie für mich - und anscheinend auch für die Gläubiger. Es sieht von Jahr zu Jahr besser aus:
2017: Milliardenverlust
2018: -200 Mio. EUR
2019: +350 Mio. EUR (abzüglich Vergleich)
2020: +800 Mio.
2021: ???
2022: ?????
Diese Wachstumsraten gehen natürlich von einer stabilen Weltwirtschaftslage aus. Aber jedem hier sollte ohnehin klar sein, dass wir bei einer Krise in den nächsten 2 Jahren weggeputzt werden. Wenn wir uns jedoch stabil entwickeln, dann können wir nach 2021 wieder von unserem Steinhoff und nicht mehr vom Steinhoff der Gläubiger sprechen. Ich vermute auch, dass man 2022 dann auch wieder eine kleine Dividende (und wenn es nur ein Cent ist) ausschütten wird, um zu zeigen, dass man die Krise hinter sich hat - davor darf man ja nicht und das ist auch gut so.
Alles in allem glaube ich, dass wir eine ganz gute Chance haben zu überleben und wer 2-3 Jahre Zeit hat seine Aktien zu halten und einen gesunden Magen gegen volatile Kurse hat, der wird hier - wenn uns das Glück auch noch etwas mitspielt - mit einem guten Gewinn aussteigen.
Somit uns alles viel Glück!