Anleger wollen nach Börsen-Crash ihr Geld zurück
„Poco-Domäne, die haben aber auch alles“, tönte Daniela Katzenberger in den bekannten TV-Werbespots des Möbelhauses. Was viele nicht wissen: Der Poco-Mutterkonzern Steinhoff (13 Milliarden Euro Umsatz) stieg in den vergangenen zwei Jahren zur Nummer zwei hinter IKEA im Möbel-Universum auf.
Doch basierte der Erfolg auf Lügen? Der Möbel-Gigant Steinhoff steckt im Existenzkampf. Er soll bei den Geschäftszahlen geschummelt haben. Seit Ende 2015 ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg.
Am 5. Dezember 2017 gestand die Steinhoff-Gruppe dann per Adhoc-Mitteilung, dass es Ungereimtheiten bei den Geschäftsberichten gebe. Zudem trat der Vorstandsvorsitzende Markus Jooste zurück.
Die Folge: Ein heftiger Börsen-Crash! Er bedeutet Milliardenverluste für die Anleger. Und genau die wollen jetzt ihr Geld zurück.
Anleger fordern Schadenersatz
Nach BILD-Informationen wurde am Landgericht in Frankfurt die erste Anleger-Klage gegen die Steinhoff-Holding eingereicht. Der Aktionär fordert Schadenersatz aufgrund des Bilanzbetrugs. BILD liegt die Klageschrift exklusiv vor. Im September 2016 und 2017 erwarb der Kläger für rund 10 000 Euro 2000 Aktien.
Er fordert die Rückabwicklung des Kaufes oder Ersatz eines Kursdifferenzschadens in Höhe von 80 Prozent des Erwerbspreises.
Der genaue Vorwurf an Steinhoff lautet: „Veröffentlichung unrichtiger Insiderinformationen, Unterlassungen zur unverzüglichen Veröffentlichung von richtigen Kapitalmarktinformationen und sittenwidrige Schädigung gegenüber Kapitalanlegern.“
Über zehn Milliarden Euro Kapital wurden am 5. Dezember innerhalb weniger Stunden vernichtet. Beim Gang an die Börse im Dezember 2015 war das Unternehmen noch fast 20 Milliarden Euro wert, nun sind es etwas mehr als zwei Milliarden.
„Mär vom Möbel-Champion ist ausgeträumt“
Die Steinhoff-Gruppe habe mit dem Börsengang „die Geschichte eines Champions im Möbelhandel erzählt, die Geschichte des großen IKEA-Rivalen. Die Beklagte ist aber kein Champion. Die Beklagte hat das Vertrauen der Anleger missbraucht. Sie ist dafür verantwortlich, dass ein Börsenwert in Milliardenhöhe vernichtet wurde“, heißt es in der Klage. Und weiter: „Die Mär vom Möbel-Champion ist ausgeträumt.“
Anwalt Andreas W. Tilp zu BILD: „Wer auf dem Frankfurter Börsenparkett um Anleger buhlt, muss sich an die Spielregeln halten. Wer gegen die Regeln verstößt, der haftet gegenüber den Investoren auf Schadensersatz. So einfach ist das. Und das gilt auch für Steinhoff."
www.bild.de/bild-plus/geld/wirtschaft/...45646,la=de.bild.html