Aus der FTD vom 11.7.2002
Sparkurs von Premiere zeigt erste Erfolge
Von Thomas Clark, Hamburg
Das radikale Sanierungsprogramm des neuen Premiere-Chefs Georg Kofler zeigt erste Früchte. Die Kosten wurden so stark gesenkt, dass im Juni im operativen Geschäft bereits mehr Geld hinein- als hinausfloss, also ein positiver Cash-Flow im operativen Geschäft entstand.
Georg Kofler
Nicht zuletzt deshalb planen die Bayerische Landesbank und die HypoVereinsbank einen schnellen Einstieg bei Premiere. Eine Beteiligung sei bereits weitgehend beschlossene Sache und dürfte Anfang August stattfinden. Es gehe jetzt nur noch darum, einen Bericht über eine Bewertung des Bezahlfernsehens abzuwarten. Diesen Bericht soll die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter am 22. Juli abgeben. Das erfuhr die FTD aus Branchenkreisen.
Mit den Münchner Banken als Gesellschaftern wäre die Zukunft von Premiere weitgehend gesichert. Bislang bestand die Gefahr, dass das hoch defizitäre Bezahl-TV von Leo Kirch geschlossen wird. Kein Wunder: Anfang des Jahres lag der Verlust von Premiere bei 2 Mio. Euro - pro Tag.
Höhe der Beteiligung unklar
Wie hoch die Anteile der beiden Banken an Premiere in Zukunft sein werden, ist noch unklar. Branchenkenner rechnen mit 25 bis 40 Prozent. Das Geschäft soll über die Formel "Anteile gegen Schulden" laufen. Die BayernLB und die HypoVereinsbank haben der Mutterfirma von Premiere, der Kirch Pay-TV, einen Kredit von 767 Mio. Euro gewährt. Die Kirch Pay-TV hat am 8. Mai bei Gericht einen Antrag auf Gläubigerschutz wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt.
Eine formelle Feststellung der Insolvenz auf Grund dieses Antrags ist zwar noch nicht erfolgt. Sie steht aber kurz bevor. "Das ordentliche Insolvenzverfahren für die Kirch Pay-TV wird so um den 1. August eröffnet", sagte der mit dem Fall beauftragte Richter am Landesgericht München der FTD. Am 29. Juli wird ein Sanierungsplan vorgelegt.
Ob die Banken mit ihrem Einstieg bei Premiere auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Kirch Pay-TV warten, ist noch offen. Da ihre Kredite durch ein Pfandrecht an Premiere gesichert sind, wäre das jedenfalls rechtlich nicht notwendig.
Tele München interessiert
Jene Anteile, die der Kirch Pay-TV nach der Anteilsabgabe an die Banken übrig bleiben, sollen verkauft werden. Premiere-Chef Kofler hat dafür schon bei potenziellen Interessenten an die Türe geklopft. Der Bertelsmann-Konzern, der früher an Premiere beteiligt war, hat bereits abgewunken. "Wir haben das geprüft und uns dagegen entschieden", sagte ein Sprecher des Gütersloher Konzerns. Bertelsmann ist Anteilseigner der FTD.
Anders die Tele München Gruppe des Filmhändlers Herbert Kloiber. Sie scheint einem Engagement grundsätzlich nicht abgeneigt zu sein.
Dass der Minderheitsgesellschafter Rupert Murdoch, der bislang 22 Prozent hält, Teile der Kirch Pay-TV übernimmt, um auf diese Weise die Mehrheit bei Premiere zu erlangen, gilt indes als unwahrscheinlich. "Murdoch ist so sauer über dieses ganze Desaster mit Kirch, dass er in Deutschland derzeit nicht einmal Urlaub machen würde. Der will von all dem nichts mehr wissen", sagte ein Vertrauter. Der Australier musste auf Grund der Kirch-Pleite rund 1,7 Mrd. Euro abschreiben.
Abonnentenzahl gehalten
Premiere schrieb im Vorjahr 989 Mio. Euro Verlust. Hauptursache dafür waren die hohen Kosten, die insgesamt bei 1,836 Mrd. Euro lagen. Mittlerweile sind die Kostenblöcke bereits stark gestutzt. Hunderte Mitarbeiter erhielten die Kündigung, die Ausgaben für Werbung und Programm wurden drastisch gesenkt. Die Abonnentenzahl von 2,4 Millionen konnte Premiere trotz dieser Einsparungen halten - nicht zuletzt dank der exklusiven Ausstrahlung aller 64 Spiele der Fußball-WM.
Intern ist man bei Premiere mit dem Erreichten zufrieden. Man liege bei der Sanierung deutlich über Plan, heißt es. Gleichzeitig warnte man vor übertriebener Euphorie. Dass Premiere im Vormonat im operativen Geschäft positiv war, bedeute nicht, dass das Unternehmen schon über den Berg ist. Es stünden noch viele schwierige Verhandlungen bevor.
Die Banken wollten sich zu ihren Beteiligungsplänen nicht äußern. Auch Morgan Stanley und Premiere-Chef Georg Kofler waren zu einer Stellungnahme nicht bereit.
© 2002 Financial Times Deutschland , © Illustration: AP
Sparkurs von Premiere zeigt erste Erfolge
Von Thomas Clark, Hamburg
Das radikale Sanierungsprogramm des neuen Premiere-Chefs Georg Kofler zeigt erste Früchte. Die Kosten wurden so stark gesenkt, dass im Juni im operativen Geschäft bereits mehr Geld hinein- als hinausfloss, also ein positiver Cash-Flow im operativen Geschäft entstand.
Georg Kofler
Nicht zuletzt deshalb planen die Bayerische Landesbank und die HypoVereinsbank einen schnellen Einstieg bei Premiere. Eine Beteiligung sei bereits weitgehend beschlossene Sache und dürfte Anfang August stattfinden. Es gehe jetzt nur noch darum, einen Bericht über eine Bewertung des Bezahlfernsehens abzuwarten. Diesen Bericht soll die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter am 22. Juli abgeben. Das erfuhr die FTD aus Branchenkreisen.
Mit den Münchner Banken als Gesellschaftern wäre die Zukunft von Premiere weitgehend gesichert. Bislang bestand die Gefahr, dass das hoch defizitäre Bezahl-TV von Leo Kirch geschlossen wird. Kein Wunder: Anfang des Jahres lag der Verlust von Premiere bei 2 Mio. Euro - pro Tag.
Höhe der Beteiligung unklar
Wie hoch die Anteile der beiden Banken an Premiere in Zukunft sein werden, ist noch unklar. Branchenkenner rechnen mit 25 bis 40 Prozent. Das Geschäft soll über die Formel "Anteile gegen Schulden" laufen. Die BayernLB und die HypoVereinsbank haben der Mutterfirma von Premiere, der Kirch Pay-TV, einen Kredit von 767 Mio. Euro gewährt. Die Kirch Pay-TV hat am 8. Mai bei Gericht einen Antrag auf Gläubigerschutz wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt.
Eine formelle Feststellung der Insolvenz auf Grund dieses Antrags ist zwar noch nicht erfolgt. Sie steht aber kurz bevor. "Das ordentliche Insolvenzverfahren für die Kirch Pay-TV wird so um den 1. August eröffnet", sagte der mit dem Fall beauftragte Richter am Landesgericht München der FTD. Am 29. Juli wird ein Sanierungsplan vorgelegt.
Ob die Banken mit ihrem Einstieg bei Premiere auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Kirch Pay-TV warten, ist noch offen. Da ihre Kredite durch ein Pfandrecht an Premiere gesichert sind, wäre das jedenfalls rechtlich nicht notwendig.
Tele München interessiert
Jene Anteile, die der Kirch Pay-TV nach der Anteilsabgabe an die Banken übrig bleiben, sollen verkauft werden. Premiere-Chef Kofler hat dafür schon bei potenziellen Interessenten an die Türe geklopft. Der Bertelsmann-Konzern, der früher an Premiere beteiligt war, hat bereits abgewunken. "Wir haben das geprüft und uns dagegen entschieden", sagte ein Sprecher des Gütersloher Konzerns. Bertelsmann ist Anteilseigner der FTD.
Anders die Tele München Gruppe des Filmhändlers Herbert Kloiber. Sie scheint einem Engagement grundsätzlich nicht abgeneigt zu sein.
Dass der Minderheitsgesellschafter Rupert Murdoch, der bislang 22 Prozent hält, Teile der Kirch Pay-TV übernimmt, um auf diese Weise die Mehrheit bei Premiere zu erlangen, gilt indes als unwahrscheinlich. "Murdoch ist so sauer über dieses ganze Desaster mit Kirch, dass er in Deutschland derzeit nicht einmal Urlaub machen würde. Der will von all dem nichts mehr wissen", sagte ein Vertrauter. Der Australier musste auf Grund der Kirch-Pleite rund 1,7 Mrd. Euro abschreiben.
Abonnentenzahl gehalten
Premiere schrieb im Vorjahr 989 Mio. Euro Verlust. Hauptursache dafür waren die hohen Kosten, die insgesamt bei 1,836 Mrd. Euro lagen. Mittlerweile sind die Kostenblöcke bereits stark gestutzt. Hunderte Mitarbeiter erhielten die Kündigung, die Ausgaben für Werbung und Programm wurden drastisch gesenkt. Die Abonnentenzahl von 2,4 Millionen konnte Premiere trotz dieser Einsparungen halten - nicht zuletzt dank der exklusiven Ausstrahlung aller 64 Spiele der Fußball-WM.
Intern ist man bei Premiere mit dem Erreichten zufrieden. Man liege bei der Sanierung deutlich über Plan, heißt es. Gleichzeitig warnte man vor übertriebener Euphorie. Dass Premiere im Vormonat im operativen Geschäft positiv war, bedeute nicht, dass das Unternehmen schon über den Berg ist. Es stünden noch viele schwierige Verhandlungen bevor.
Die Banken wollten sich zu ihren Beteiligungsplänen nicht äußern. Auch Morgan Stanley und Premiere-Chef Georg Kofler waren zu einer Stellungnahme nicht bereit.
© 2002 Financial Times Deutschland , © Illustration: AP